Millimetersache

Im Gegensatz zum Tischler arbeitet der Holzmechaniker ausschließlich in der Industrie. Seit diesem Monat ist die Ausbildung modernisiert.

Sägen, Hobeln, Fräsen: Das Bearbeiten von Holz ist für Lukas Mühlenstädt schon zur Routine geworden. Der 21-Jährige ist im zweiten Ausbildungsjahr zum Holzmechaniker beim Küchenmöbelhersteller Poggenpohl in Herford. Als er das Abitur in der Tasche hatte, war ihm klar: Für ihn soll der Beruf "etwas mit Holz" zu tun haben. Das Material hatte es ihm im Kunstunterricht angetan. Er hätte auch Tischler werden können. "Aber die Tätigkeit eines Holzmechanikers ist vielseitiger", sagt Lukas Mühlenstädt. Holzmechaniker arbeiten in der Industrie und steuern Produktionsanlagen, mit denen Möbel, Rahmen und Teile von Fertighäusern hergestellt werden.

Neue Fachrichtung in der Lehre

Seit diesem Monat ist die Ausbildung neu geordnet. Sie wird in den Fachrichtungen Herstellen von Bauelementen, Holzpackmitteln und Rahmen, Herstellen von Möbeln und Innenausbauteilen sowie erstmals Montieren von Innenausbauten und Bauelementen angeboten. Zudem kann die Ausbildung in der Zusatzqualifikation computergestütztes Konstruieren (CAD) und nummerisch gesteuerte Fertigungstechnik (CNC-Technik) Holz vereinbart werden. CNC-Maschinen sind in der Lage, komplexe Werkstücke automatisch herzustellen. Die Zusatzqualifikation wird auf Antrag der Auszubildenden geprüft. Um solche computergesteuerten Maschinen bedienen zu können, brauchen schon die Lehrlinge technisches Verständnis. "Auch sollten sie sich für technische Zeichnungen interessieren", erklärt Robert Koisar vom Hauptverband der Deutschen Holzindustrie und Kunststoffe verarbeitenden Industrie (HDH) mit Sitz in Bad Honnef. Zeichnungen sind Arbeitsgrundlage von Holzmechanikern. Nach den dort angegebenen Maßen müssen die Fachkräfte Holzteile millimetergenau bearbeiten - sonst passen die Teile später bei der Montage nicht zusammen.

Sorgfältiges Arbeiten ist wichtig, aber Auszubildende brauchen auch gute Mathematik-Kenntnisse. Sie sind gefragt, wenn Flächen richtig berechnet werden müssen. Wer sich für den Job interessiert, sollte sich auch mit Physik auskennen. Holz ist ein lebendiger Werkstoff. Er kann sich zum Beispiel bei Luftfeuchtigkeit verändern. Junge Leute, die den Beruf wählen, müssen körperlich belastbar sein. Außerdem geht es bei der Arbeit nicht leise zu. Der Lärmpegel kann durch die Produktionsanlagen sehr hoch sein. "Das ist aber reine Gewöhnungssache", erklärt Lukas Mühlenstädt.

Für die Ausbildung braucht es keinen bestimmten Schulabschluss. "Allerdings erwarten die meisten Betriebe mindestens einen guten Oberschulabschluss", sagt Koisar. 2014 wurden nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) 549 Ausbildungsverträge zum Holzmechaniker abgeschlossen, darunter 60 Verträge mit jungen Frauen. In Sachsen beginnen laut Thomas Gläser, Geschäftsführer des Verbandes der Holz und Kunststoffe verarbeitenden Industrie Sachsen, jährlich etwa 50 junge Leute die Ausbildung. Etwa 130 Auszubildende gebe es über alle Lehrjahre hinweg. "Der Bedarf ist da, aber oft fehlt es an geeigneten Bewerbern", sagt Gläser. Lukas Mühlenstädt beschäftigt sich in seiner Fachrichtung mit der Herstellung von Möbeln. Er produziert Tische, Regale und Schränke. Aber auch ganze Ladeneinrichtungen, Treppen sowie Wand- und Deckenverkleidungen aus Holz gehören dazu. In der Fachrichtung Bauelemente und Rahmen werden Fenster, Türen, Leisten und Rahmen hergestellt. Bei der Montage von Innenausbauten und Bauelementen lernen die Azubis beispielsweise, wie sie den Innenausbau eines Geschäfts gestalten. Sie befassen sich mit der Elektronik und lernen, wie sie Wasserleitungen oder Lüftungssysteme anschließen.

Weiterbildung zum Meister

Während ihrer Ausbildung in Sachsen bekommen die jungen Leute im ersten Lehrjahr ab 661, im zweiten 703 und im dritten 745 Euro. Mit Facharbeiterabschluss liegt das Gehalt laut Koisar bei mindestens 2141 Euro. Bei entsprechender Weiterbildung und Verantwortung im Unternehmen seien später mehr als 3800 Euro möglich.

Nach der Ausbildung können Holzmechaniker je nach Fachrichtung bei Möbel- oder Fertighausherstellern, in Sägewerken, Innenausbauunternehmen und im Holzkonstruktionsbau arbeiten. Holzmechaniker haben nach dem Facharbeiterabschluss viele Karrieremöglichkeiten. Sie können sich zum Industriemeister der Fachrichtung Holz oder zum staatlich geprüften Techniker Fachrichtung Holztechnik weiterbilden. Wer Abitur oder Meisterbrief hat, kann studieren und beispielsweise einen Bachelor of Engineering in Holztechnik machen. Anschließend wäre noch ein Masterabschluss möglich, etwa zum Master of Science in Holztechnik. Welchen Weg er eines Tages einschlagen wird, weiß Lukas Mühlenstädt noch nicht. Jetzt freut er sich erst einmal auf den Arbeitsalltag.

 Ausbildung zum Holzmechaniker in Sachsen

Berufsschulen in Sachsen: Berufliches Schulzentrum für Ernährung, Technik und Wirtschaft des Erzgebirgskreises Annaberg-Buchholz,

Berufliches Schulzentrum für Technik II Handwerkerschule Chemnitz,

Berufliches Schulzentrum "Otto Lilienthal" Freital-Dippoldiswalde,

Berufliche Schulzentren Kamenz, e.o.plauen, Schkeuditz, Weißwasser,

Berufliches Schulzentrum für Bau- und Oberflächentechnik des Landkreises Zwickau mit Außenstelle Limbach-Oberfrohna;

Ausbildungsbetriebe: In Sachsen bieten die Ausbildung unter anderem die Möbelwerk Heidenau GmbH, Scharf Systembauelemente Hilmersdorf, OKA Büromöbel Ebersbach-Neugersdorf, a+b Ladenbau Görlitz und MAJA Möbelwerk Wittichenau an. (gfl)

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