Die Kilometersammler

Mit der Liberalisierung des Fernbusverkehrs steigt der Bedarf an Fahrern - auch in Sachsen. Mandy Hänel aus Görlitz gehört zu den wenigen Frauen.

Pünktlich fährt der grün-orange Bus vor dem Dresdner Hauptbahnhof ein. Freiburg steht als Ziel an der Frontscheibe. Mandy Hänel steigt aus und gönnt sich noch eine kurze Verschnaufpause. Die 43-Jährige lenkt seit einigen Monaten auch Fernbusse für die Dresdner Firma Möbius, die im Auftrag von Mein Fernbus Flixbus fährt. Deutschlandweit sind 3500 Fahrer von 170 Buspartner-Unternehmen für Mein Fernbus Flixbus unterwegs.

Kilometer zu sammeln ist Hänels Job. Als Fahrerin von Reisebussen ist sie bis Großbritannien und Italien unterwegs. Selbst Nacht- oder Wochenendfahrten sind kein Problem für die couragierte Frau, die aus Görlitz stammt. Sie gehört deutschlandweit zu den nur zehn Prozent Frauen unter den Busfahrern - laut einer Statistik des Bundes deutscher Omnibusunternehmen (BDO).

Alle fünf Jahre zum Tüv

Fernbusfahrer legen in einem Monat mehr Kilometer zurück als viele im ganzen Jahr. Hänel fährt diesmal bis Nürnberg, dann übernimmt ein Kollege bis Freiburg. Bei Langstrecken ist ein Wechsel wichtig. Nach viereinhalb Stunden Fahrt sei eine Dreiviertelstunde Pause Pflicht, sagt Mandy Hänel. Früher arbeitete sie in einem Textilbetrieb, der Pleite ging. Die Umschulung zum Berufskraftfahrer für Lkw und Bus hat sie nie bereut. Auch wenn sie nicht der Entertainer wie einige ihrer Kollegen ist, habe sie mit den Fahrgästen in der Regel keine Probleme.

Seit der Liberalisierung des deutschen Fernbusverkehrs 2013 sind Fernbusfahrer gefragt. "Da ist man schon so etwas wie ein Pilot auf der Autobahn", sagt BDO-Sprecher Matthias Schröter. Dafür müssen die Berufsfahrer auch alle fünf Jahre zum Tüv und sich durchchecken lassen. Mandy Hänel weiß, dass nicht nur Augen und Gehör bei Busfahrern in Ordnung sein müssen. Auch Reaktionsvermögen, körperliche und psychische Verfassung sind wichtig. "Zudem müssen 35 Stunden theoretische Weiterbildung nachgewiesen werden, um den Führerschein für die nächsten fünf Jahre zu erhalten", sagt Firmenchef Thomas Möbius. Wer die 50 überschritten hat, für den werden die ärztlichen Untersuchungen erweitert. Da im nächsten Jahr drei seiner Fahrer in Rente gehen, überlegt Möbius, selbst Nachwuchs auszubilden. "Da es den Beruf des Fernbusfahrers vor 2013 nicht gab, ist der Bedarf an qualifiziertem Fachpersonal für Fernlinien so hoch wie nie", sagt Marie Gloystein von Mein Fernbus Flixbus. So meldet auch die Firma Gläser im erzgebirgischen Drebach Bedarf an, deren Fahrer seit vergangenem Jahr mit auf den Fernbuslinien unterwegs sind.

Der klassische Einstieg ist eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer in der Fachrichtung Personenverkehr. Sie dauert drei Jahre. Laut Bundesagentur für Arbeit hatten 62 Prozent der Lehrlinge 2013 den Hauptschulabschluss. Außerdem verlangen viele Unternehmen ein amtsärztliches Gutachten mit Sehtest sowie eine Auskunft aus dem Verkehrszentralregister. Die Ausbildung kann man mit 18 beginnen, Fernbusse lenken darf man aber erst mit 21. Gefragt sind aber eben auch ältere Quereinsteiger wie Mandy Hänel, sagt Sachsens IHK-Sprecher Lars Fiehler.

Mehrere Wege zum Berufsziel

In der Berufsschule lernen die Nachwuchsbusfahrer Routen-, Betriebs- und Tourenplanung, Logistik sowie theoretisches Wissen zum Einsatz von Omnibussen. Auch Überprüfen, Pflegen und Warten der Fahrzeuge gehören zum Stundenplan. Hilfreich für die Ausbildung sind gute Noten in Physik, Mathematik, Technik und Fremdsprachenkenntnisse.

In der zweiten Hälfte der Ausbildung geht es auf die Straße: Die Auszubildenden machen den Führerschein der Klasse D, der Voraussetzung für die Arbeit als Busfahrer ist. Im ersten Lehrjahr erhalten die angehenden Berufskraftfahrer monatlich zwischen 678 und 711 Euro und im dritten zwischen 780 und 834 Euro. Bei der Firma Mein Fernbus Flixbus variiert je nach Bundesland das Einstiegsgehalt zwischen 2000 und 3000 Euro - inklusive Zuschlägen. Wer Fernbusfahrer werden will, kann das auch über eine Grundqualifikation, die von Fahrschulen angeboten wird.

Dabei absolvieren die Anwärter einen 140-stündigen Vorbereitungskurs, an dessen Ende eine 90-minütige Theorieprüfung steht. Wer ohne Vorbereitungskurs Busfahrer werden will, muss eine vierstündige, schriftliche Prüfung zu Normen, Technik und Fahrsicherheit sowie eine dreieinhalbstündige praktische Prüfung absolvieren. Der Führerschein der Klasse D ist auch dann Voraussetzung. Nach Abschluss der Ausbildung ist eine Weiterbildung zum Meister für Kraftverkehr möglich. Damit könnte man als Disponent oder Betriebsleiter arbeiten. Mandy Hänel will aber Busse lenken, solange es geht. Ihr nächstes Ziel: Berlin. (mit dpa)

 Ausbildung und Jobs

Berufsschulen: Berufliches Schulzentrum für Technik, Gerokstraße Dresden; Berufliches Schulzentrum für Technik, Park der OdF, Chemnitz; Fernbusfahrer müssen eine dreijährige Ausbildung und einen speziellen Busführerschein machen. Von den jeweiligen Unternehmen werden die Fahrer in Bezug auf Sicherheit, Kundenservice und Besonderheiten im Fernverkehr geschult.

Jobsuche: Mein Fernbus Flix Bus bietet auf der Internetseite Unterstützung bei der Suche nach Jobs. Laut dem Berliner Unternehmen suchen in Dresden und Chemnitz ein Unternehmen aus Niederfischbach in Rheinland-Pfalz und das andere in Drebach im Erzgebirge Fahrer für den Fernverkehr. (gfl)

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