Ein Job im Jobcenter

Sachsens Arbeitsagenturen suchen Vermittler. Dafür ist ein Fachhochschul- studium nötig - und Fingerspitzengefühl mit verärgerten Kunden.

Etwas Betriebswirtschaft und ganz viel Soziales - Mandy Fiedler hat die für sie passende Kombination bei der Bundesarbeitsagentur gefunden. Im Jobcenter in Chemnitz berät sie Selbstständige und schult Kollegen in Gesprächsführung. Denn dort zu arbeiten, wo andere einen Job suchen, schafft auch Konflikte.

"Deshalb ist es nötig, Menschen, die zu uns kommen, einzubeziehen, sie und ihre Fragen ernst zu nehmen, ihnen dort, wo es möglich ist, Perspektiven aufzuzeigen", sagt die 30-Jährige.

Studium in Schwerin

Wichtig ist ihr Transparenz. Jenen, die Arbeit suchen, etwas zu versprechen, was nicht zu halten ist, sei nicht seriös und schaffe Ärger. Schließlich müssten sich die Arbeitsvermittler an Gesetze halten. Auch wenn sie gern jedem helfen würde, sei das nicht immer möglich, sagt Mandy Fiedler. In jedem Einzelfall seien realistische Entscheidungen zu treffen. Dennoch würden Kunden auch mal laut. Dann müssten die Vermittler mit Einfühlungsvermögen, Überzeugungskraft und Kommunikation auf Augenhöhe auftreten. Das sind Grundvoraussetzungen für jeden, der diesen Beruf ausüben will. Dafür standen Gesprächsführung und Psychologie auf dem Studienplan an der Hochschule der Bundesarbeitsagentur.

Die Chemnitzerin studierte für den Bachelorabschluss drei Jahre in Schwerin. Einen weiteren Schulstandort gibt es in Mannheim. Alle Studenten sind bei einer regionalen Agentur angestellt. Für sie wechseln sich in den drei Ausbildungsjahren Studium und Praxis im viermonatigen Rhythmus ab. In jeder Praxisphase ist zum jeweiligen Einsatzgebiet eine Arbeit zu schreiben.

Jedes Jahr bekommen auch Sachsens Arbeitsagenturen mit ihren insgesamt 6000 Mitarbeitern studienwillige Nachwuchskräfte. 20 Studienanwärter werden nach Informationen von Pressesprecher Frank Vollgold wieder bis zum Jahresende gesucht, sechs für die Region Dresden, acht für Chemnitz und sechs für Leipzig. Über die Zulassung entscheidet ein mehrstufiges Auswahlverfahren.

1520 Euro monatliche Ausbildungsvergütung sowie Zuschüsse für Unterkunft und Verpflegung am Studienort waren für Mandy Fiedler auch ein Grund, sich zu bewerben, als sie das Fachabitur abgeschlossen hatte. Bereut habe sie es nie, weil sie sich in den drei Studienjahren in der Praxis testen konnte, sagt sie nach fünf Jahren im Chemnitzer Jobcenter. "Eine gute Schule war für mich das zusätzliche Betriebspraktikum. Das habe ich mir selbst gesucht und bei der Gemeindeverwaltung meines Heimatortes Großrückerswalde gefunden", sagt die junge Frau. Auch ein Auslandsaufenthalt, beispielsweise in einer Arbeitsagentur, ist während des Studiums möglich. Die Dozenten helfen bei der Wahl des Praktikumsplatzes.

Tipps für Firmengründer

Mandy Fiedlers Aufgabe ist es vorrangig, Menschen zu unterstützen, die ein Unternehmen gründen wollen oder schon eins haben. Sie hilft ihnen auch beim Ausbau und berät über Zuschüsse. Zu ihren Kunden gehören Fotografen, Hausmeisterdienste, IT-Berater, Reinigungsfirmen, Versicherungsvertreter, Immobilienmakler, aber auch Künstler. Aus nahezu allen Wirtschaftsbereichen kommen Unternehmer und suchen Unterstützung im Jobcenter. Dass sie zweimal im Jahr bei Workshops ihr Wissen über eine sach- und fachgerechte Beratung an Kollegen weitergeben kann, macht die Arbeit für Mandy Fiedler noch abwechslungsreicher. Das Einstiegsbruttogehalt für alle Absolventen liegt laut Frank Vollgold bei monatlich knapp 2800 Euro.

Arbeitsvermittler informieren über Entwicklungen in den Branchen, suchen anhand eines Qualifikationsprofils nach Stellenangeboten und bieten Weiterbildungsmaßnahmen an. Sie beraten Unternehmen, geeignete Mitarbeiter zu finden. Mit dem Bachelorabschluss können die Absolventen ebenso bei Berufsberatung, Leistungsbearbeitung, Controlling, Finanzen oder im Personalbereich arbeiten. Mandy Fiedler weiß, dass sie als Beschäftigte bei der Arbeitsagentur ständig auf dem neuesten Stand sein, neue Gesetzestexte und Regeln selbstständig studieren muss. Qualifizierungsangebote gibt es in agentureigenen Bildungsstätten.

Irgendwann möchte die Chemnitzerin auf der Karriereleiter ein Stück weiterkommen, vielleicht auch in einem anderen Bereich arbeiten. Die Praxis dafür holt sie sich gerade an ihrem Arbeitsplatz.

 In drei Jahren zum Bachelor

Hochschule der Bundesagentur für Arbeit: Standorte in Mannheim und Schwerin. Die Hochschule hat 33 Professoren. Im Jahr 2006 war die Einrichtung für die Ausbildung des eigenen Nachwuchses eingerichtet worden. Die Studenten sind Beschäftigte der Bundesagentur für Arbeit im Ausbildungsverhältnis. Studienvoraussetzung ist mindestens die Fachhochschulreife. Gut sind Vorkenntnisse in Deutsch, Wirtschaft, Recht, Politik und Sozialkunde. Zur Auswahl stehen: Arbeitsmarktmanagement, Beschäftigungsorientierte Beratung, Fallmanagement.

Studiengang Arbeitsmarktmanagement: drei Jahre dual, Abschluss als Bachelor of Arts, Spezialisierungen: Vermittlung/Integration, Leistungsgewährung, Ressourcensteuerung. Arbeitsmarktmanagement vermittelt wissenschaftliches Grundlagenwissen in Betriebs- und Volkswirtschaftslehre, in Sozial- und Rechtswissenschaft und Methoden, mit denen Arbeitsmarktprozesse analysiert und beschrieben werden können.

Einsatz: Das Studium qualifiziert die Absolventen für Aufgaben der Vermittlung und Integration, der Leistungsgewährung und des Ressourcenmanagements in Agenturen für Arbeit und Jobcentern.

Ansprechpartner: Regionalstellen der Bundesarbeitsagentur. Dort werden auch Bewerbungen für das duale Studium an der Hochschule der Agentur entgegengenommen.

www.arbeitsagentur.de/karriere

www.hdba.de

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