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Der Physiker Stephen Hawking im Jahr 2015.

Foto: Facundo Arrizabalaga

Hat ein Sprachcomputer Stephen Hawkings Gedanken gelesen?

Vor einem Monat starb der britische Wissenschaftler Stephen Hawking, der sich seit langer Zeit nur über einen Sprachcomputer artikulieren konnte. Wie erfolgt die Gedankenübertragung vom Gehirn auf so einen Computer und die Umsetzung der Wörter in eine verständliche Sprache? (Diese Frage hat Christoph Büchner aus Zwickau gestellt.)

erschienen am 13.04.2018

So epochal die astrophysikalischen Entdeckungen des britischen Physikers Stephen Hawking gewesen sein mögen - ihm stand keine Science-Fiction-Technik zur Verfügung. Das heißt: Einen Computer, der seine Gedanken lesen konnte, hatte er nicht. Es gibt ihn schlicht nicht. Bei der Umsetzung menschlicher Gedanken in digitalisierbare Inhalte wie Text-, Bild- oder Audiodateien ist die Wissenschaft noch ganz am Anfang. Und es ist wohl auch eine ethische Frage: Ist es wünschenswert, dass eine Maschine konkret Gedanken lesen kann? Wäre das einmal der Fall, so gehörte das schöne, zeitlos aktuelle Volkslied "Die Gedanken sind frei" auf den Müllhaufen der Geschichte.

Aber zurück zu Hawking. Der hatte nach seiner 1963 diagnostizierten Erkrankung am Nervenleiden ALS zum letzten Mal 1985 mit seiner eigenen Stimme gesprochen. Seither benutzte er zum Schreiben von Büchern und Halten von Vorträgen einen Computer, der Wort für Wort seine Sätze zusammenbaute. Bis 2008 konnte er ihn mit diversen Fingerbewegungen steuern, zuletzt zehn Jahre lang mit dem Daumen per Joystick. Danach versagten ihm auch die Finger ihren Dienst. Nun registrierte ein Infrarotsensor an seiner Brille die Bewegung eines einzigen Wangenmuskels, der die Funktion des Joystick-Daumens übernahm. Mithin war es Hawking immer schwerer gefallen, sich auszudrücken. Pro Minute schaffte er ein bis zwei Wörter. Einen Text bis zu dieser Stelle zu schreiben, hätte für ihn etwa zwei Stunden gedauert.

Kurz vor seinem 73. Geburtstag erhielt Hawking 2014 ein besonderes Geschenk. Wie die "Rheinische Post" damals berichtete, hatten Spezialisten von Intel gemeinsam mit dem Start-up-Unternehmen Swiftkey in dreijähriger Entwicklungsarbeit eine neue Software für den Rechner des Physikers geschrieben. Herzstück ist eine Funktion, die die Wörter errät, die Hawking benutzen will. Er könne damit etwa zehnmal schneller schreiben als vorher, hieß es. Damit hätte Hawking bis zu dieser Stelle des Textes nur noch etwa eine Viertelstunde benötigt: Schneller bin ich auch nicht.

Wie sehr der Physiker von dieser künstlichen Intelligenz profitierte, zeigte, dass er gleich die Gelegenheit zu öffentlichen Auftritten nutzte. Hawking gab dem britischen TV-Sender BBC nach langer Zeit wieder ein Interview. Der Computer verwandelt die Wörter wie vorher in Sprache. Hawking behielt seine alte Kunststimme, obwohl die Entwickler ihm eine neue geben wollten, die seinem ursprünglichen Organ viel mehr ähnelt. "Dieses klare, roboterhafte Artikulieren ist eine Art Markenzeichen geworden", sagte Hawking, "ich möchte es nicht mehr gegen eine natürlichere Stimme mit britischem Akzent tauschen."

Hawking nutzte die Interviews gleich zur Warnung vor der Technologie, aus der er selbst so großen Nutzen zog. Der Mensch könne mit den Fortschritten der künstlichen Intelligenz bald nicht mehr konkurrieren, prophezeite er. Sie könnte gar das Überleben der Menschheit gefährden, sollten sich die Programme dereinst selbst weiterentwickeln und optimieren können. Oder irgendwann Gedanken lesen. (tk)

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
1
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 16.04.2018
    07:03 Uhr

    localhost: Den großen Unterschied zwischen "Google wertet Sprache und Suchanfragen der Menschen aus" und "Google wertet dasselbe schon einen Schritt vorher aus", müsste der Autor mal erklären. Menschen verkaufen doch auch jetzt schon Ihre Gedanken an werbefinanzierte "kostenlose" Services wenn Sie der Meinung sind der Gegenwert stimmt. Das wird beim permanenten Gedankenlesen nicht anders, warum sollte es.

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