Wieso liegt im Harz das "kleinste Königreich"?

Bei einem Ausflug im Harz sind wir Schildern zufolge durch "Das kleinste Königreich der Welt" namens Romkerhall gefahren. Was hat es damit auf sich? (Die Frage stellte Lothar Schönherr aus Chemnitz.)

Dazu gibt es zwei Erklärungen. Die erste: Das "Königreich Romkerhall" ist ein Anwesen im Okertal südlich von Goslar-Oker im Harz. Es ist laut Eigentümerin Susanne Bauer ein ehemaliges Jagdschlösschen, das saniert wird; die Arbeiten seien größtenteils abgeschlossen. Es gibt dort einen Imbiss sowie Gästezimmer; bei entsprechender Nachfrage sei auch ein Gaststättenbetrieb möglich. Beworben wird das Anwesen als "Königreich Romkerhall, das kleinste Königreich der Welt!", weil König Georg V. im 19. Jahrhundert seinen Jagdsitz in der Landschaft um Romkerhall - die Romke ist ein Nebenfluss im Okertal - errichten und einen Wasserfall anlegen ließ, heißt es auf der Internetseite des "Königreichs". Anlässlich dieser Aktion habe er Romkerhall zum Königreich Hannover zugehörig erklärt. Später sei das Gebiet keiner Gemeinde zugeordnet worden, sodass es bis heute gemeindefrei - und so wieder Königreich sei.

Und das sei Unsinn - lautet die zweite Erklärung. Und zwar von Friedhart Knolle, Sprecher des Nationalparks Harz, und in diesem Fall Heimatforscher. Die im Internet verbreitete Geschichte sei frei erfunden. "Das 'Königreich Romkerhall' ist eine Waldgaststätte, die auf eine Blockhütte als Unterkunft für Wanderer und Feriengäste zurückgeht", erklärt Knolle. An deren Stelle habe 1861 die Grundsteinlegung zum Bau eines Hotel- und Wohnhauses stattgefunden - 1863 sei es eingeweiht worden. "Nach wechselnden Besitzern und Krisenzeiten des Hauses kam man 1988 auf die Idee, es publikumswirksam zum 'Königreich' zu ernennen, um mehr Gäste anzulocken. Die angeblich zugrunde liegende Geschichte ist jedoch nicht mit Quellen belegt und ein frei erfundenes Marketingmärchen", sagt Knolle.

Weder habe Georg V. in Romkerhall je eine Jagdhütte erbaut, noch sei das Gemeindefreie Gebiet etwas Besonderes. "Das Gemeindefreie Gebiet ist im Westharz die Organisationsform der Waldflächen außerhalb der Gemeinden und wird von einem Forstamt beziehungsweise teilweise vom Nationalpark Harz verwaltet", erklärt Knolle.

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