Was hat es mit den runden Löchern in der Straße auf sich?

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Weshalb sind in neuen Straßen manchmal ein bis drei Löcher eingebaut ? Das Bild im Anhang zeigt drei nebeneinander liegende Löcher auf einer Straße in Reichenbach. (Diese Frage hat Bernd Feustel aus Reichenbach/V. gestellt.)

Die Löcher, die in der Regel in Dreier-, mancherorts im Bundesgebiet auch in Sechsergruppen auftauchen, sind im Grunde ein sichtbarer Ausdruck für die alte, Lenin zugeschriebene Devise: "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser." Es handelt sich dem Sächsischen Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) zufolge um wiederverfüllte Bohrlöcher. "Im Zuge der Herstellung von Asphaltschichten werden von der Straßenbauverwaltung Kontrollprüfungen durchgeführt, die die Eigenüberwachung der Baufirmen ergänzen", so Rosalie Stephan von der Pressestelle der Lasuv. Die Entnahme der Bohrkerne und das Verschließen der Bohrlöcher nehmen ihr zufolge private Baustofflabore oder das freistaatseigene "Landesinstitut für Straßenbau - Gesellschaft für Verkehrswesen und ingenieurtechnische Dienstleistungen" vor. Bei den Kontrollprüfungen werden aber wiederum nicht nur Bohrkerne untersucht, sondern zusätzlich Rückstellproben. Das sind Materialmuster, die das jeweilige Bauunternehmen für diesen Zweck aus dem laufenden Bauprozess entnimmt und aufbewahrt.

Einzig an den Bohrkernen lasse sich unter anderem der Schichtenverbund zwischen den einzelnen Asphaltschichten, die Einbaudicke sowie der Verdichtungsgrad feststellen. Andere Kenngrößen wie der Anteil an Bitumen im Asphalt oder die Eigenschaften der Gesteinskörnung lassen sich wiederum an besagten Rückstellproben feststellen.

Die Bohrlöcher werden hernach in der Regel mit Kaltmischgut verfüllt. Das ist eine ohne Erhitzung verarbeitbare, selbst aushärtende Asphalt-Fertigmischung, mit der die Straßenbauverwaltung in den vergangenen Jahren gute Erfahrungen gemacht habe. "Alternativ", so Rosalie Stephan, "wäre auch ein Verschluss der Bohrlöcher mittels Heißbitumen denkbar." Dieser Weg ist zwar fachlich der bessere, aber eben auch technisch aufwendiger. So müsse neben der Bohrtechnik auch die technische Ausrüstung zum Erwärmen oder Warmhalten des Heißasphaltes mitgeführt werden. Weiterhin muss eingebauter Heißasphalt erst auskühlen, mithin die Straße möglicherweise länger gesperrt werden als bei Verwendung von Kaltmischgut.

Aber warum werden eigentlich ausgerechnet drei nebeneinanderliegende Bohrkerne entnommen? Warum reicht nicht einer? Auf Nachfrage teilt das Lasuv dazu mit, da die Bohrkerne bei den Laborprüfungen deformiert beziehungsweise zerstört werden, brauche man in der Regel drei Stück, um alle erforderlichen Untersuchungen vornehmen zu können. Der Straßenbauverwaltung sei überdies bewusst, dass jede Bohrkernentnahme im Asphalt eine Schwachstelle darstellt. Deshalb werden nur die notwendigen Kernbohrungen durchgeführt", so Stephan. (tk)

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