Was macht Kissinger Blutwurst aus?

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

In Mittelsachsen, aber offensichtlich auch im Erzgebirge und im Vogtland, wird von regionalen Fleischereien eine Blutwurst unter der Bezeichnung "Kissinger" angeboten und das mindestens seit den 70er-Jahren. Nun meine Frage: Was können Sie zu Rezeptur, Herkunft, Verbreitung und Namen herausfinden? (Diese Frage hat Heiko Wegert gestellt.)

Nur weil eine Wurstsorte in Sachsen angeboten wird, ist sie noch nicht unbedingt auch in Sachsen heimisch. Man denke an Lyoner oder Debrecziner. Und so stammt denn auch die Kissinger nach Angabe von Uwe Uhlmann, Geschäftsführer der sächsischen Landesfleischerinnung, vermutlich aus der Gegend um Bad Kissingen.

Mithin ist sie für die Sachsen allemal regionaler als die eingangs erwähnten Wurstspezialitäten aus der ostfranzösischen Rhônestadt oder der Ostungarn-Metropole. Denn von Bad Kissingen in Nordfranken, auf halber Strecke zwischen Frankfurt (Main) und Hof gelegen, sind es nur rund 30 Kilometer bis Thüringen und rund drei Autostunden bis Chemnitz. Die Kissinger Blutwurst wiederum ist Uhlmann zufolge eine hochwertige Fleischblutwurstsorte mit hohem Magerfleischanteil. Was heißt, wenn man die Wurst aufschneidet, die im Schweinemagen abgefüllt wird und deshalb große Scheiben abgibt, erkennt man darin Fleischstücke von der Größe wie in einem ordentlichen Gulasch, aber anders als in anderen Sorten etwa keine Speckwürfel.

Übrigens soll es sich bei Blutwurst um die älteste Wurstsorte der Menschheit überhaupt handeln. Sie wird bereits in Homers "Odyssee" erwähnt, aber nicht nur die Alten Griechen kannten sie, auch bei den Alten Römern war sie beliebt und verbreitet. Das dürfte in Zeiten, da man von einem Tier nichts weggeworfen hat, unter anderem daran gelegen haben, dass Blutwurstmachen der gangbarste Weg ist, die (von Kalbslab zur Käseherstellung abgesehen) einzige von einem geschlachteten Säugetier nutzbare Körperflüssigkeit in kulinarisch vertretbarer Weise zu verwerten.

Je nach Rezeptur enthält Blutwurst zwischen 20 und 40 Prozent Blut. Im rohen Zustand ist Blutwurstmasse von erheblich leuchtenderem Rot als nach der Erhitzung, wenn das Blut im Brät geronnen ist und sich charakteristisch braun verfärbt hat. Weiterer wichtiger Bestandteil sind gegarte und fein zerkleinerte Schweineschwarten, deren Gelatine nach dem Abkühlen für die Schnittfestigkeit der Wurst sorgt. Speck, Pökelfleisch, Innereien, vor allem Zunge, sind weitere Zutaten. Hinzu kommen können je nach Region zum Beispiel Getreidegrütze (Polen, Norddeutschland), Semmelwürfel (österreichische Bratblutwurst) und als Gewürze Majoran und bisweilen Thymian.

Alle Mühe und Sorgfalt, die der Fleischer in dieses Erzeugnis steckt, ändert freilich nichts daran, dass es eindeutig zu den Lebensmitteln gehört, an denen sich die Geister scheiden. Entweder, man liebt Blutwurst oder, in vielen Fällen vorgeschädigt durch "Tote Oma" in der Schulspeisung, man hasst sie abgrundtief. (tk)

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.