Welche anderen Zeitmodelle gibt es auf der Welt?

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Die jährliche Umstellung von Winter- auf Sommerzeit sollte ja wieder abgeschafft werden. Welche anderen Zeitmodelle gibt es noch auf unserer Erde und könnten diese eine Lösung für uns in Europa sein? (Diese Frage stellte Frank Dahms aus Annaberg-Buchholz.)

Zeitumstellungen gibt es in über 70 Ländern, also etwa in 40 Prozent aller Staaten auf der Welt. Geographisch befinden sie sich überwiegend nördlich des Äquators und dort überwiegend im westlichen Segment. Staaten wie Indien, China und Japan oder auch Brasilien und Neuseeland hatten mal eine Zeitumstellung, sind aber wieder davon abgerückt. In den meisten Ländern am Äquator gab es sie nie, weil es dort - wegen der Winter wie Sommer weitgehend gleichbleibenden Tageslänge - keinen Sinn macht, den Tagesbeginn dem Zeitpunkt des Sonnenaufgangs anzupassen.

Bei fast allen Zeitumstellungen wurde und wird die Uhr im Frühjahr um eine Stunde vor- und im Herbst wieder zurückgestellt. Es gab zwar auch schon Versuche mit zwei Stunden, doch die scheiterten. So wurde 1947 in Deutschland eine Hochsommerzeit zwischen dem 11. Mai und 29. Juni eingeführt, zu der die Uhren, zusätzlich zur Sommerzeit, noch einmal eine Stunde vorgestellt wurden. Die Alliierten erhofften sich davon eine bessere Ausnutzung des Tageslichts und einen Impuls für das wirtschaftlich darnieder liegende Nachkriegsdeutschland. Doch die Bevölkerung beschwerte sich über die damit einhergehenden Gesundheitsrisiken für Mensch und Tier sowie die unzumutbaren Arbeitsumstände - und so kehrte man wieder zur einstündigen Sommerzeitumstellung zurück.

Ein weiteres Umstellungsmodell besteht darin, dass man einmal auf Sommerzeit umstellt und dort bleibt, also nicht mehr zur Normalzeit zurückkehrt. Russland beispielsweise - noch unter Medwedew - starte dazu schon mal einen Versuch, mit der Folge, dass in dem riesigen Land mit seinen neun Zeitzonen einige Menschen morgens nach dem Aufstehen noch vier Stunden im Dunklen verbringen mussten. Also führte Putin die ewige Sommerzeit kurzerhand wieder ab.

Wissenschaftler warnen aber auch unabhängig von der Größe des Landes von einer dauerhaften Umstellung auf die Sommerzeit. "Es ist die Winterzeit, die unter Berücksichtigung der natürlichen Lichteinflüsse für unseren Schlaf-Wach-Rhythmus am günstigsten ist", sagt Alfred Wiater von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. Laut Till Roenneberg vom Institut für Medizinische Psychologie der Universität München erhöht eine permanente Sommerzeit sogar die Wahrscheinlichkeit für Diabetes, Depressionen, Schlaf- und Lernprobleme.

Fazit: Wenn schon Zeitumstellung, dann so, wie sie jetzt ist. Denn zu anderen Modellen gibt es auch keine positiveren Erfahrungen. Oder aber, man schafft die jährliche Umstellung ab und kehrt zurück zur Winterzeit. (jzl)

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