Welches Fluginsekt ist im Winterwald aktiv?

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Auf einigen meiner Wanderungen im schönen Winterwald habe ich Insekten beobachten können, welche sich im Temperaturbereich um die 0 Grad munter bewegt haben. Sie flogen einzeln um mich herum, ruhten sich auf dem Schnee aus, um danach wieder zu starten. Ihre äußere Form erinnert an eine Florfliege. Welches Insekt kann das sein und aus welchem Grund sind diese Insekten im Winter aktiv? (Diese Frage hat Wolfgang Martin aus Reifland Pockau-Lengefeld gestellt.)

Laut Prof. Claus Zebitz von der Universität Hohenheim handelt es sich bei dem abgebildeten Insekt um eine Wintermücke, also ein Exemplar aus der Familie der Trichoceridae. "Und hier kommen eigentlich nur zwei Arten in Frage", so der Entomologe (Insektenkundler). "Trichocera hiemalis oder Trichocera annulata." Erstere ist etwa sechs, letztere acht Millimeter groß. Beide sind absolut harmlos. Ihre Larven ernähren sich von zerfallenen organischen Materialien, wozu dann in Höhlen, Bergwerkstollen und Eiskellern auch mal Fledermauskot gehören kann. Die erwachsenen Tiere ernähren sich von Pflanzensäften.

Bleibt die Frage, wie die Wintermücke bei so eisigen Temperaturen überlebt, da sie ja als Insekt - im Unterschied zu Vögeln und Säugetieren - keine konstante Körperkerntemperatur halten kann. Die Antwort: Die Evolution hat den Wasseranteil ihrer Körperflüssigkeit reduziert, sodass sich dort unter frostigen Temperaturen keine Kristallisationskeime bilden können: "Anstelle von Wasser wird Glykol eingelagert und der Anteil anderer Zucker erhöht", erläutert Zebitz.

Ungeklärt muss aber die Frage bleiben, warum die Wintermücken den Leser umschwärmten. Denn der Mensch ist eigentlich uninteressant für sie. Vermutlich ist es einfach purer Zufall. Oder wollten die Tiere vielleicht auf sich aufmerksam machen? Denn in der entomologischen Fachliteratur finde man nämlich nur wenig über sie, betont Zebitz. "Es handelt sich um eine Insektengruppe, die offensichtlich bisher nur wenig interessant für die Forschung gewesen ist." (jzl)

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