Wer kontrolliert die Stiftung Warentest?

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Ich habe den Eindruck, dass die Stiftung Warentest besonders gerne bekannte Firmen kritisiert, wie zum Beispiel Haribo, Ritter Sport, Hipp, Milka. Wer kontrolliert eigentlich die Arbeit der Stiftung Warentest? (Diese Frage stellte Maria Minkos.)

Die Stiftung Warentest wäre ziemlich schlecht beraten, würde sie bei ihren Tests Hersteller bevorzugen oder benachteiligen. Tatsächlich gibt es dafür auch keinerlei Anhaltspunkte. Vielleicht rührt der Eindruck auch vom Rechtsstreit mit dem Schokoladenhersteller Alfred Ritter, der die bekannte Marke Ritter Sport herstellt. 2013 erhielt eine Sorte dieser Marke im Rahmen eines Tests von der Stiftung Warentest nur das Urteil "mangelhaft". Es folgte ein öffentlichkeitswirksamer Rechtsstreit.

Der Grund: In der Schokolade fanden die Tester den Aromastoff Piperonal in solchen Mengen, dass sie schlussfolgerten, dieses Aroma konnte nur synthetisch gewonnen worden sein. Auf der Schokoladenpackung waren aber nur "natürliche Aromen" als Inhaltsstoffe angegeben. Die Stiftung warf dem Schokoladenhersteller Irreführung der Konsumentinnen und Konsumenten vor - deshalb das Urteil "mangelhaft". Hersteller Alfred Ritter ging dagegen vor Gericht und bekam Recht. Denn die Stiftung hatte nicht bewiesen, dass das Aroma tatsächlich künstlich hergestellt worden war.

Für die Stiftung war das ein schwerer Schlag und stellte einen großen Imageverlust dar. Aber dieser rührte letztlich daher, dass die Stiftung Warentest seit ihrer Gründung 1964 nicht ein einziges Mal von einem Gericht zu Schadensersatz aufgrund eines ihrer Tests verurteilt wurde. Und das bei insgesamt mehr als 6000 vergleichender Warentests bislang.

Objektive und nachvollziehbare Warentests durchzuführen ist letztlich das Kerngeschäft dieser auf Gemeinnützigkeit angelegten Stiftung. Deshalb werden die Tests auch nach immer dem gleichen Schema absolviert. So werden die Produkte zum Beispiel von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stiftung immer anonym im Handel beschafft. Und die Durchführung dieser vergleichenden Tests erfolgt niemals durch die Stiftung, sondern immer durch externe und unabhängige Prüflabore auf der ganzen Welt.

Eine weitere beteiligte Instanz ist das Kuratorium. Dieses setzt sich aus 18 Personen zusammen: Es handelt sich um jeweils sechs Angehörige von Verbraucher- und Wirtschaftsverbänden sowie sechs neutrale Sachverständige. Mit diesem Kuratorium werden die jeweiligen Tests besprochen und bewertet. Dessen Mitglieder können einzelnen Tests widersprechen und auch eigene Vorschläge für Tests einbringen. Zudem werden die Testkriterien stets veröffentlicht und auch an die Hersteller der getesteten Produkte geschickt, um diesen die Möglichkeit einer Stellungnahme zu geben.

Vom reinen Testgeschäft abgesehen wird der Vorstand der Stiftung von einem siebenköpfigen Verwaltungsrat kontrolliert - etwa vergleichbar mit dem Aufsichtsrat bei Aktiengesellschaften. Und weil die Stiftung im staatlichen Auftrag handelt und auch mit Steuermitteln gefördert wird, untersteht sie zusätzlich noch der Aufsicht der Berliner Senatsverwaltung für Justiz. (kaip)

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