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Für jeden Kunden das passende Medium: Michael Müller mit der gedruckten und der digitalen Ausgabe seines Lissabon-Reiseführers. Die Bücher über Portugal betreut er bis heute selbst.

Foto: privat

Haben Sie Geheimtipps, Herr Müller?

Seit fast 40 Jahren reisen Menschen mit Büchern von Michael Müller um die Welt - aber wie lange noch? Ein Gespräch mit dem Verleger

erschienen am 03.02.2018

Von Allgäu bis Zypern: Über 200 verschiedene Reiseführer sind im Michael Müller Verlag bisher erschienen. In Deutschland ist der Verlag aus dem fränkischen Erlangen die Nummer zwei bei Reisebüchern. Im Gespräch mit Steffen Klameth erinnert sich der Gründer an die Anfänge und blickt in die Zukunft der Branche. 

"Freie Presse": Herr Müller, wer kauft heute eigentlich noch gedruckte Reiseführer?

Michael Müller: Die Verkaufszahlen haben sich in den vergangenen Jahren gar nicht groß verändert. Nur die Kunden sind etwas älter geworden. Heute kaufen die Leute ihren ersten Reiseführer oft erst mit Ende 20, Anfang 30.

Die Generation Internet vertraut eben dem Smartphone: Es liefert die gleichen Informationen - und nimmt viel weniger Platz im Gepäck weg.

Stimmt. Aber im Internet geht es wüst durcheinander. Wenn Sie sich auf eine bestimmte Region vorbereiten wollen, wird es schwierig. Unsere Reiseführer bilden das Gebiet strukturiert und ziemlich lückenlos ab. Mit unseren mmtravel-Apps haben wir seit ein paar Jahren auch Reiseführer fürs Smartphone im Angebot.

Ihr erster Reiseführer ist 1979 erschienen, ohne Fotos und mit handgezeichneten Karten. Wie kam es dazu?

Ich war das, was man heute einen Globetrotter nennt. Mit 21 reiste ich nach Südamerika. Dort lernte ich Martin Velbinger kennen, der bereits einige Reiseführer für Backpacker herausgebracht hatte. Das hat mich fasziniert. Ende der 1970er-Jahre tourte ich dann auf eigene Faust durch Portugal, mal mit dem Bus, mal trampend. So entstand mein erstes Buch.

Mittlerweile ist der Portugal-Führer mehrfach überarbeitet worden. Was unterscheidet die aktuelle Ausgabe von dem ersten Buch?

Er ist natürlich professionell gesetzt, hat schöne Karten, ist vierfarbig illustriert und viel, viel umfangreicher. Praktische Informationen sind nach wie vor wichtig, aber heute gibt es auch mehr Kunst und Kultur. Einige Fragmente vom ersten Buch finden sich übrigens auch noch in der aktuellen 22. Auflage.

Und wie unterscheiden sich Ihre Bücher von der Konkurrenz?

Unsere Reisebücher sind sehr authentisch. Mir ist wichtig, dass die Autoren alles selbst erlebt und getestet haben.

Das trifft auch auf andere Reihen wie Lonely Planet zu.

Richtig, aber viele Titel gibt es dort gar nicht. Wir haben beispielsweise zu jeder italienischen Provinz einen Reiseführer herausgebracht - das werden Sie weder bei Lonely Planet noch einem italienischen Verlag finden. Außerdem liegt unser Fokus auf dem deutschen Leser. Wenn Lonely Planet das Reiseland Norwegen vor allem als Ziel für Partyfreunde vorstellt, mag das vielleicht das australische Publikum ansprechen. Aber deutsche Touristen suchen in Norwegen eher etwas anderes.

Gibt es heutzutage überhaupt noch Geheimtipps?

Der Geheimtipp ist oft nicht mehr der Ort selbst, sondern die ideale Zeit, wann man dort sein sollte. Ob Strand oder ein Fado-Restaurant: Manchmal ist es überfüllt, manchmal genau richtig, und manchmal hat man ein Erlebnis, das man nie vergisst. Auch darum geht es in unseren Tipps, die weit mehr sind als Adresssammlungen.

Sie sagten, dass Ihre Autoren alles selbst erlebt und getestet haben. Wie schafft man das - bei inzwischen mehr als 220 Titeln?

Wir arbeiten mit etwa 80 freien Autoren zusammen. Für alle gilt: Man muss sich jedes Hotel anschauen, über das man schreibt. Das Gleiche gilt für Restaurants, ohne dass man überall auch gegessen haben muss. Bei Neuauflagen werden natürlich Preise und Telefonnummern aktualisiert, hilfreich sind auch Leserzuschriften und Informationen von Leuten, die vor Ort leben.

Wie viele Länder kennen Sie selbst, über die Sie Bücher herausgegeben haben?

In Europa bin ich schon ganz gut herumgekommen. Aber es gibt auch Länder, in denen ich noch nicht war, Schweden und Irland zum Beispiel.

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, für welches Land oder welche Stadt ein Reiseführer herausgegeben wird?

Wichtigste Voraussetzung ist ein Autor, der für uns ein Buch schreiben will und der auch bereit ist, es regelmäßig zu überarbeiten. Und es muss natürlich eine gewisse Nachfrage geben. Das Gebiet sollte also nicht zu exotisch sein.

Wo ist für Sie die kritische Grenze?

Die Erstauflage liegt in der Regel bei 5000 Exemplaren und sollte innerhalb von drei Jahren verkauft sein. Sonst lohnt sich der enorme Aufwand nicht, und auch die Autoren wären enttäuscht.

Haben Sie mit einem Buch schon mal richtig danebengelegen?

Limnos war aus unternehmerischer Sicht ein Flop - ein griechisches Inselchen in der Nord-Ägäis, das auch noch schwer zu erreichen ist. Aber mit der Zeit entwickelt man ein Gespür, was gut laufen kann und was nicht.

Was läuft besser: Länder-, Städte- oder Wanderführer?

Die Leute verreisen heute eher kürzer, dafür aber gezielter. Länderführer sind immer weniger gefragt. Dafür sind Regionenführer im Kommen. Städteführer laufen sehr gut, Wanderführer haben eher niedrige Auflagen.

In dieser Woche haben Sie Ihren 65. Geburtstag gefeiert. Wie wird der Alltag des Rentners Michael Müller aussehen?

Ich möchte mich aus dem Tagesgeschäft zurückziehen und mehr von zu Hause aus arbeiten, um etwa die Digitalisierung voranzutreiben. Meine Bücher über Portugal und die Toskana werde ich weiter selbst betreuen. Und ich möchte natürlich noch unterwegs sein.

Wo?

In Asien war ich bisher kaum. Borneo reizt mich sehr, auch Japan.

Michael Müller Verlag

Mit dem Reiseführer "Portugal" beginnt 1979 die Geschichte des Michael Müller Verlags. Michael Müller ist zu diesem Zeitpunkt Reisender, Autor, Verleger und Vertriebsmanager in einer Person. 2006 erschienen die ersten E-Books. Heute ist der Verlag mit einem Marktanteil von acht Prozent die Nummer zwei unter den Reiseführern in Deutschland. Die Firma mit Sitz in Erlangen hat derzeit 225 Reisebücher im Angebot. Zu den Neuerscheinungen gehören u. a. Titel über Fuerteventura und Stockholm.

 
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