Bin ich ausreichend geimpft?

Impfexperten aus Sachsen erklären, ab wann und wie oft welche Impfungen nötig sind - Nicht alle sind aber kostenfrei

Infektionskrankheiten sind zum Teil lebensgefährlich. Deshalb empfehlen Mediziner vorbeugende Impfungen. Impfexperten haben dazu am Telefon Leserfragen beantwortet. Gabriele Fleischer fasst die Antworten zusammen.

Ich will mich gegen Tetanus impfen lassen. Meine Ärztin sagt, dass es diese Impfung nur als Kombiimpfung, Tetanus-Diphtherie-Keuchhusten, gibt. Wie kann ich eine einzelne Tetanusspritze erhalten?

Eine Kombiimpfung ist in jedem Fall empfehlenswert, da Sie auch gegen die anderen Krankheiten geschützt werden sollten. In besonderen Einzelfällen ist es aber möglich, auch nur eine Tetanusimpfung zu bekommen.

Wie oft muss eine Keuchhusten-Impfung wiederholt werden?

Nach der Grundimmunisierung in der Kindheit sollten Erwachsene alle zehn Jahre Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Kinderlähmung erneuern lassen. Anders ist das bei Masern und Windpocken. Dort ist man nach zwei Impfungen lebenslang geschützt.

Wo ist nachzulesen, welche Impfungen nötig sind?

Es gibt Empfehlungen der Sächsischen Impfkommission zur Durchführung von Schutzimpfungen. Nachzulesen ist das im Sächsischen Impfkalender (www.ghuss.de, www.gesunde.sachsen.de) sowie in Broschüren bei Hausärzten und im Gesundheitsamt.

Wann benötige ich eine Masernimpfung?

Alle vor 1958 Geborenen gelten als immun, sofern sie an Masern erkrankt waren. Allen, die diese Krankheit nicht hatten und Jüngeren wird empfohlen, sich im Abstand von einem Vierteljahr (Mindestabstand vier Wochen) zweimal gegen Masern impfen zu lassen. Kinder sollten bis zur Schule vollständig, also zweimal, geimpft sein.

Ich habe letztmals im August 2006 die Dreifachimpfung Diphtherie-Wundstarrkrampf-Polio erhalten. Ich bin jetzt 73 Jahre alt. Ist eine Auffrischung nötig?

Ja, die ist bis zum Lebensende alle zehn Jahre nötig.

Unsere Kinderärztin hat uns empfohlen, unsere Töchter gegen Meningokokken B impfen zu lassen. Ist das ratsam, da die Impfung von unserer Krankenkasse nicht übernommen wird?

Die Impfung wird empfohlen, aber nur von einigen Krankenkassen bezahlt. Hier empfiehlt sich die individuelle Nachfrage bei der Kasse.

Für wen ist die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs sinnvoll?

Die Impfung wird in Sachsen sowohl Mädchen als auch Jungen empfohlen. Das Virus wird bei Geschlechtsverkehr von Frauen und Männern übertragen. Es kann bei beiden genitale Erkrankungen und Krebs auslösen. Allerdings werden die Kosten für die Impfung derzeit nur bei Mädchen erstattet.

Für eine Reise hatten wir uns vor zehn Jahren gegen Hepatitis A und B impfen lassen. Ist jetzt eine Erneuerung nötig?

Die Hepatitis-A-Impfung schützt mindestens 25 Jahre. Danach müsste sie aufgefrischt werden, sofern ein Infektionsrisiko besteht. Bei Hepatitis B müsste nach der dritten Impfung im Abstand von vier bis acht Wochen eine Impfkontrolle erfolgen. Ist die erfolgreich, besteht ein lebenslanger Schutz.

Ich bin 65 Jahre alt, leide an chronischer Bronchitis und hatte schon eine Lungenentzündung. Soll ich mich gegen Pneumokokken impfen lassen?

Ja unbedingt, da Sie ein Risikopatient sind. Alle fünf Jahre sollte die Impfung aufgefrischt werden. Sie wird bei Kindern bis zum zweiten Geburtstag und ab dem 60. Geburtstag sowie bei Risikopatienten von allen Krankenkassen bezahlt.

Muss ich mein Kind überhaupt impfen lassen?

Unbedingt, um es vor lebensgefährlichen Infektionskrankheiten zu schützen. Dabei sind die Empfehlungen der Sächsischen Impfkommission zu beachten und der Kinderarzt zu konsultieren.

Kann das Gesundheitsamt einem ungeimpften Kind bei bestimmten Infektionskrankheiten wie Masern und Keuchhusten den Schulbesuch untersagen?

Ja, im bundesweit geltenden Infektionsschutzgesetz gibt es eine entsprechende Regelung. Wenn in einer Schule oder Kindereinrichtung Masern oder Keuchhusten auftreten und sich ein ungeimpftes Kind angesteckt haben könnte, darf es für eine bestimmte Zeit die Einrichtung nicht besuchen.

Welche Empfehlung gibt es bei FSME? Ich bin 57, im Jahr 2000 dreimal geimpft worden. Wann ist eine Auffrischung nötig? Wie ist die Empfehlung für Kinder?

Ab dem 1. Geburtstag kann geimpft werden. Empfohlen wird sie vor allem Menschen, die sich in Risikogebieten aufhalten. Für einen Schutz ist zunächst eine Serie von drei Impfungen nötig - die ersten zwei im vierwöchigen Abstand, die dritte nach einem halben Jahr. Danach ist alle fünf Jahre eine Auffrischung wichtig, um den Schutz zu erhalten.

Ist das Risiko, an Infektionen zu erkranken, durch die Flüchtlingswelle angestiegen?

Während der Erstaufnahmeuntersuchung wird in Sachsen begonnen zu impfen. Geimpft wird insbesondere gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. Die Flüchtlinge erhalten auch die Grundimmunisierung gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung und je nach Jahreszeit gegen Grippe. Alle Erwachsenen werden auf Masern, Mumps und Röteln getestet. Wer selbst den empfohlenen vollständigen Impfschutz hat, ist gegen die genannten Erkrankungen geschützt.

Ich bin Tumorpatient. Kann ich mich da bedenkenlos gegen Grippe impfen lassen?

Ja, das ist sogar wichtig, weil Sie anfälliger gegenüber Infektionen sind. Das geht aber nur dann, wenn eine eventuelle Chemotherapie abgeschlossen ist und nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt.

Ich fliege demnächst nach Miami und Kuba, besitze einen Hepatitis- und Tetanus-Impfschutz. Benötige ich weitere Impfungen?

Jeder sollte die seinem Alter entsprechenden Impfungen nach dem Sächsischen Impfkalender haben. Weitere Impfungen sind abhängig von Reiseziel, Reisedauer und individuellem Gesundheitszustand. Reisemedizinische Beratungen sind aber immer kostenpflichtig.

Kann ich mich gegen Malaria impfen lassen?

Nein, es gibt nur Medikamente, die man vorbeugend einnehmen muss. Die Einnahme ist aber abhängig von der Region, in die man reist.

Am Telefon waren Dr. Sophie-Susann Merbecks, Infektionsepidemiologin, Landesuntersuchungsanstalt Sachsen; Dr. Dietmar Beier, Vorsitzender der Sächsischen Impfkommission; Dr. Karin Schreiter, Leiterin der Impfberatungsstelle am Gesundheitsamt Chemnitz.

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