Der Flug fällt aus - und nun?

Entschädigungen für einen verpatzten Urlaub müssen oft hart erkämpft werden - Reiserechtler erklären, wie es geht

Nicht immer läuft der Urlaub so wie geplant, wie die vielen Anrufe beim "Freie Presse"-Telefonforum zeigen. Gabriele Fleischer hat die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengefasst.

Wir hatten von Dresden eine Reise nach Island gebucht. Am Flughafen erfuhren wir, dass der Flug mit Air Berlin storniert ist und erst am nächsten Tag stattfindet. Ein Hotel wurde uns gestellt. Nach der Rückkehr beantragten wir sofort Entschädigung. Was steht uns zu?

Beträgt wie in Ihrem Fall die Wartezeit länger als drei Stunden, haben Sie Anspruch auf Entschädigung gegen die Fluggesellschaft. Abhängig ist die Höhe von den Flugkilometern. Die Strecke zwischen Dresden und Island beträgt 2225 Kilometer. Damit müssten Sie 400 Euro erhalten, unter 1500 km sind es 250 Euro, ab 3500 km 600 Euro, jeweils pro Person. Zusätzlich können Sie bei einer Pauschalreise vom Reiseveranstalter die Rückzahlung der Kosten eines Reisetages verlangen. Sie sollten den Betrag fordern, eine Frist setzen und wenn die nicht eingehalten wird, mit gerichtlichen Schritten drohen. Leistet einer der beiden eine Zahlung, ist der Anspruch gegen den anderen um den gezahlten Betrag zu kürzen.

Ich sollte aus den USA 10 Uhr in Düsseldorf landen und 11 Uhr nach Dresden fliegen. Der Anschlussflug wurde aber gestrichen. Ich müsste bis nachmittags warten. Kann ich stornieren?

Ja, das können Sie. Dafür bekommen Sie auch den Preis zurück. Anspruch auf eine frühere Verbindung haben Sie aber nicht.

Zehn Tage vor Abflug nach Mallorca teilte mir Air Berlin mit, dass mein Flug nicht wie vereinbart von Dresden nach Mallorca, sondern über Düsseldorf geht und der Rückflug nach Leipzig statt Dresden. In Düsseldorf hätten wir über vier Stunden Aufenthalt. Kann ich Geld zurückfordern?

Pro Person stehen Ihnen von der Fluggesellschaft für die Verspätung 400 Euro zu, da die Entfernung über 1500 Kilometer beträgt. Entschädigung gibt es aber laut Fluggastrechteverordnung nicht, wenn Sie mindestens 14 Tage vorher informiert wurden. Zudem sollten Sie für die vier Stunden Verspätung und den geänderten Ankunftsort bei Ihrem Reiseveranstalter eine Minderung des Reisepreises fordern. Da die Airline möglicherweise bald zahlungsunfähig ist, würden Sie wahrscheinlich nur einen kleinen Anteil bekommen und die Verfahrenskosten selbst bezahlen. Bei Rechtsschutz werden die Gerichtskosten übernommen, abzüglich der vereinbarten Selbstbeteiligung.

Mein Flug von Chicago über Frankfurt nach Dresden kam mit drei Stunden und 40 Minuten Verspätung an. Ich habe 600 Euro Entschädigung verlangt. Die Lufthansa will aber nur 300 zahlen.

In der Fluggastrechteverordnung steht, dass es bei einer Strecke von über 3500 Kilometern 600 Euro gibt, wenn der Flug eine Verspätung von drei Stunden oder mehr hat. Doch kann der Anspruch auf die Hälfte gekürzt werden, wenn die Verspätung bei einem Langstreckenflug nicht länger als vier Stunden beträgt. Voraussetzung ist, dass die Fluggesellschaft einen Sitz in der Europäischen Union hat.

Unser Flug von Miami nach Frankfurt hatte erhebliche Verspätungen, weil in den USA angeblich zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden. Deshalb verpasste ich den Anschlussflug. Die Fluggesellschaft beruft sich auf einen außergewöhnlichen Umstand und will keine Entschädigung zahlen.

Solche Sicherheitsmaßnahmen können außergewöhnliche Umstände sein. Die Airline muss aber genau darlegen, was, wie und warum gemacht wurde. Herausstellen wird sich das aber erst bei einer Klage in einem anschließenden Gerichtsprozess.

Bei einer Ungarnreise habe ich beim Essen einen Metallsplitter verschluckt. Verletzungen wurden aber erst in Deutschland diagnostiziert. Nach Behandlungsende habe ich den Veranstalter informiert. Entschädigung lehnt er ab, da die Einspruchsfrist von einem Monat verstrichen war. Hat er recht?

Sie sollten anhand der Buchungsbestätigung und der allgemeinen Geschäftsbedingungen des Veranstalters überprüfen, ob Sie für den Schadensfall aufgeklärt und belehrt wurden. Wenn der Veranstalter seiner Informationspflicht nicht schriftlich nachgekommen ist, muss die Frist nicht eingehalten werden.

Aufgrund wesentlicher Änderungen bin ich von einer Reise nach Thailand zurückgetreten. Ich bekam den Reisepreis zurück und forderte eine Entschädigung wegen entgangener Urlaubsfreuden. 20 Prozent des Reisepreises wurden mir angeboten. Reicht das?

Im Maximalfall können bis zu 50 Prozent gezahlt werden. Die Rechtssprechung ist da allerdings nicht einheitlich. Da nicht sicher ist, ob Sie mehr bekommen, sollten Sie das Angebot annehmen.

Wir hatten "Luxus-Inselhopping in Thailand" mit Zwischenstopp in Korea gebucht. Die geplante City-Tour in Seoul fand aber nicht statt. Ein zweiter Mangel war für uns, dass das Hotel 700 Meter vom Strand weg war und es keinen extra Hotelabschnitt mit Liegen und Sonnenschirmen gab. Haben wir Anspruch auf Entschädigung?

Sie haben Anspruch auf teilweise Rückzahlung wegen des ausgefallenen Ausflugs in Seoul. Bei der Definition Luxus wird es schwerer. Waren Lage und Ausstattung des Strandes nicht konkret beschrieben, bestehen keine Ansprüche.

Unser neuwertiger Koffer kam kaputt am Flughafen an. Wir haben das sofort gemeldet, innerhalb von zehn Tagen auch in Englisch an die Airline, ebenso ein Gutachten vom Lederfachgeschäft mit Fotos vom Koffer (Wert: 159 Euro) geschickt. Angeboten hat man uns 15 Euro und 10 Euro für das Gutachten. Ein Widerspruch blieb unbeantwortet.

Wenn der Koffer neu ist, sollte die Entschädigung höher sein. Reagiert die Airline nicht auf Ihren Widerspruch, müssen Sie gerichtlich klagen. Oder Sie wenden sich an die Schlichtungsstelle des öffentlichen Personenverkehrs in Berlin, falls die Airline dort angeschlossen ist. Auch Rechtsdienstleister wie Fairplane können helfen.

Mein Zug von Leipzig nach Dresden hatte 48 Minuten Verspätung. Habe ich da Anspruch auf eine Ausgleichszahlung?

Nein, Sie können laut EU-Verordnung erst ab einer Stunde Verspätung 25 Prozent des Reisepreises zurückfordern, ab 120 Minuten 50 Prozent. Dabei kommt es aber nicht darauf an, warum der Zug Verspätung hatte.

In einem von uns gemieteten Ferienhaus in Island fehlte beim Whirlpool die beschriebene Abdeckung. Wir sollten deshalb 600 Liter Wasser täglich ein- und auslassen. Eine Anzeige des Mangels beim Vermieter hatte keinen Erfolg. Den Pool haben wir nicht genutzt. Bekommen wir Geld zurück?

Sie sollten etwa 50 Euro für die Nutzungseinschränkung verlangen, weil tägliches Ein- und Auslassen erheblichen Aufwand bedeutet hätte, womit Sie bei der Anmietung nicht rechnen konnten.

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