Krankenkasse zu teuer - Was tun?

Hohe Beiträge belasten Privatversicherte, aber auch Selbstständige in der gesetzlichen Kasse - Experten gaben Rat

Eigentlich soll die Krankenversicherung eine Absicherung für den Ernstfall sein. Doch viele treibt sie in den Ruin, weil Beiträge erhöht oder fiktive Einkommen angesetzt werden, wie Anrufer beim Telefonforum schilderten. Stephanie Wesely hat die Antworten der Versicherungsexperten notiert.

Ich bin selbstständig und privat versichert. Meine Rente wird deutlich niedriger sein als mein jetziges Einkommen. Kann ich dann den Beitrag senken? Die Leistungen möchte ich behalten.

Mit Rentenbeginn können Sie das Krankentagegeld kündigen. Zudem können Sie mit dem Rentenantrag einen Antrag auf Zuschuss zur Krankenversicherung stellen - in Höhe von 7,3 Prozent Ihrer Altersrente, jedoch maximal die Hälfte Ihres Beitrags. Außerdem sollten Sie sich von Ihrem Versicherer Angebote für einen Wechsel in einen gleichartigen, aber günstigeren Tarif machen lassen. Dieses Recht steht Ihnen laut Versicherungsvertragsgesetz zu. Eine weitere Sparvariante ist die Erhöhung des Selbstbehaltes.

Als Selbstständiger komme ich finanziell kaum über die Runden. Auch den Krankenkassenbeitrag kann ich seit einem Jahr nicht mehr bezahlen, habe mehrere tausend Euro Schulden und nur noch Anspruch auf Not- und Schmerzbehandlung. Wie komme ich aus dieser Lage heraus?

Sie sollten umgehend einen Termin bei Ihrer Kasse machen. Nehmen Sie Ihre Einkommensnachweise, wie etwa den Steuerbescheid mit und lassen Sie Ihren Status als hauptberuflich Selbstständiger prüfen. Dafür gibt es Kriterien wie eine wöchentliche Arbeitszeit von mindestens 20 Stunden, die Anstellung von mindestens einem Arbeitnehmer sowie ein Monatseinkommen von über 2283,75 Euro. Trifft das auf Sie nicht zu, können Sie als nebenberuflich Selbstständiger freiwillig versichert werden. Dann wird ein fiktives Monatseinkommen von 1015 Euro zugrunde gelegt. Betragen Ihre monatlichen Einkünfte mehr als 1015Euro, werden Ihre Beiträge aus Ihrem tatsächlichen Einkommen berechnet. Liegen Ihre monatlichen Gesamteinkünfte - einschließlich, Zinsen, Miet- und Pachteinnahmen - unter 435 Euro monatlich, können Sie beitragsfrei über Ihre gesetzlich versicherte Ehepartnerin familienversichert werden.

Ich bin 57 Jahre alt, privat krankenversichert und seit kurzem nicht mehr selbstständig tätig. Kann ich nun wieder in die gesetzliche Kasse zurück?

Da Sie über 55 Jahre alt sind, gibt es nur eine Variante: Sie haben keine Gesamteinkünfte über 435 Euro im Monat und einen gesetzlich versicherten Ehepartner. Trifft das zu, können Sie beitragsfrei familienversichert werden.

Als freiberufliche Tanzlehrerin bekomme jetzt 600 Euro monatlich Honorar. Kann ich trotzdem bei meinem Mann beitragsfrei familienversichert bleiben?

Nein. Familienversichert könnten Sie nur bleiben, wenn Sie weniger als 435 Euro verdienen. Sonst müssen Sie sich für eine Kasse entscheiden und werden dort als freiwilliges Mitglied versichert. Für Personen, die nicht hauptberuflich selbstständig sind, hat der Gesetzgeber ein fiktives Mindesteinkommen von 1015 Euro als Grundlage für die Beitragsberechnung festgelegt, selbst wenn Sie real weniger haben. Das gilt übrigens für alle Kassen gleichermaßen.

Ich bin geschieden, habe zwei Kinder und will mich selbstständig machen. Was ist die günstigere Krankenversicherung? Derzeit sind meine Kinder bei mir familienversichert. Mein Ex ist privat versichert.

In der gesetzlichen Kasse werden Sie mit Beginn der Selbstständigkeit zum freiwilligen Mitglied. Auch bei diesem Status können Ihre Kinder weiter beitragsfrei familienversichert bleiben. Entscheiden Sie sich für die Privatversicherung müssen Sie für die Kinder eigene Beiträge zahlen.

Stimmt es, dass mit Beginn der Selbstständigkeit ein Monatseinkommen von knapp 2300 für die Festsetzung des Kassenbeitrags unterstellt wird?

Ja. Das hat der Gesetzgeber für hauptberuflich Selbstständige so festgelegt. Exakt sind es mindestens 2283,75 Euro monatlich, für die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zu zahlen sind. Das macht rund 400 Euro monatlich. Das gilt auch für jene, die weniger im Monat verdienen. Hauptberuflich Selbstständige können eine Beitragsermäßigung beantragen. Das ist möglich, wenn die Hälfte der Einnahmen der Bedarfsgemeinschaft 2283,74 Euro monatlich nicht übersteigen, keine steuerpflichtigen Einnahmen aus Kapitalerträgen, Vermietung und Verpachtung vorhanden sind, Ihr Vermögen oder das Vermögen Ihres Partners 12.180 Euro nicht übersteigt und Sie einen Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit erhalten. Dann beträgt die Untergrenze monatlich 1522,50 Euro. Wer weniger verdient, sollte seinen Status prüfen lassen. Liegt keine Hauptberuflichkeit vor, kann der Beitrag gesenkt werden.

Seit kurzem bin ich im privaten Standardtarif versichert. Muss ich das meinem behandelnden Arzt mitteilen?

Unbedingt. Denn Ärzte haben bei Privatpatienten die Möglichkeit, die Gebühren für ihre Leistungen mit bestimmten Steigerungssätzen zu multiplizieren. Versicherte mit Normaltarif bekommen das von ihren Versicherern meist erstattet. Im Standardtarif ist das nicht so, da sind die Vergütungssätze der Versicherung geringer. Sagen Sie das dem Arzt nicht, bleiben Sie vielleicht auf einem Teil der Kosten sitzen.

Meine gesetzliche Kasse legt jedes Jahr anhand meines Steuerbescheids meinen Monatsbeitrag für das Folgejahr fest. Nun schwankt mein Einkommen als Handelsvertreter jeden Monat. Kann die Kasse keine Echtzeitberechnung vornehmen?

Gegenwärtig ist das nicht möglich. Die solideste Grundlage ist immer noch der Steuerbescheid vom Finanzamt. Damit erfolgt die Ermittlung eines monatlichen Durchschnittseinkommens. Mit den Steuerbescheiden ab 2018 wird geprüft, ob zu wenige oder zu viele Beiträge gezahlt wurden. Je nachdem bekommen Sie entweder etwas zurück oder müssen nachzahlen.

Ich bin als Rentner freiwillig gesetzlich krankenversichert. Gibt es Möglichkeiten, den Beitrag zu senken? Wird auch Barvermögen zur Berechnung des Beitrages herangezogen?

Das Barvermögen nicht, wohl aber die Zinsen. Ansonsten gilt für freiwillig versicherte Rentner wie für alle andere freiwillig gesetzlich Versicherten ein fiktives Mindesteinkommen von 1015 Euro monatlich. Dafür sind dann die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zu zahlen. Das sind rund 180 Euro monatlich plus Zusatzbeitrag. Dieses fiktive Mindesteinkommen hat der Gesetzgeber festgelegt.

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