Mehr Rente, mehr Steuern?

Viele Senioren sind verunsichert: Müssen sie eine Steuererklärung abgeben oder nicht? - Fachleute geben Antworten

Witwenrente, Invalidenrente, Unfallrente, Minijob: Wie wirkt sich das auf Rentenhöhe und Steuern aus? Mit der im Juli anstehenden Rentenerhöhung müssen im nächsten Jahr mehr Senioren eine Steuererklärung abgeben. Aber wen trifft es wirklich? Die Renten- und Steuergesetze sind schwierig. Antworten auf die vielen Fragen der Leser hatten beim Telefonforum Uwe Rauhöft, Neuer Verband der Lohnsteuerhilfevereine, André Graf vom Sächsischen Finanzministerium und Rentenberater Christian Lindner. Gabriele Fleischer hat die wichtigsten Fragen zusammengefasst.

Meine Mutter ist seit 1. November 1991 Rentnerin und erhält seit 1. Juli 2000 Witwenrente. Der Rentenbeginn meines verstorbenen Vaters war am 1. Juli 1994. Wonach richtet sich der steuerpflichtige Anteil der Witwenrente?

Der Prozentsatz richtet sich nach dem Rentenbeginn der Altersrente des Verstorbenen und beträgt in diesem Fall 50 Prozent. Dieser Besteuerungsanteil wird auch für die Witwenrente herangezogen.

Wie ist das, wenn die Witwenrente nach 2005 begonnen hat?

Der Besteuerungsanteil richtet sich auch dann nach dem Rentenbeginn des Verstorbenen. Der steuerfreie Anteil dieser Rente wird im Jahr nach dem Rentenbeginn errechnet.

Ich muss für meine Betriebsrente Pflege- und Krankenversicherungsbeiträge bezahlen. Warum?

Das Krankenversicherungsrecht regelt, dass auch Einkünfte aus der betrieblichen Altersversorgung der Beitragspflicht in der Kranken- und Pflegeversicherung unterliegen.

Als Behinderter besitze ich die Pflegestufe 2. Laut Medien habe ich einen höheren Freibetrag. Wie hoch ist der?

Bei Ihnen könnte der Behinderten-Pauschbetrag in Betracht kommen. Die Höhe ist gestaffelt und richtet sich nach dem Grad der Behinderung. Bei 50 Prozent beträgt der Pauschbetrag 720 Euro. Der Grad der Behinderung kann durch eine Bescheinigung des Landratsamtes bzw. der Stadtverwaltung, einen Rentenbescheid oder einen Schwerbehindertenausweis nachgewiesen werden.

Gibt es ein Programm, bei dem ich Bruttorente und Renteneintrittsalter eingeben kann und so meinen Steueranteil erfahre?

Einen Rentenrechner gibt es zum Beispiel bei der Stiftung Warentest unter www.test.de. Damit können Sie Ihre ungefähre Steuerbelastung abschätzen.

Gibt das Finanzamt Bescheid, wenn die Rente steuerpflichtig wird?

Nein, jeder ist selbst verpflichtet zu prüfen, ob er eine Steuererklärung abgeben muss.

Wir sind seit 1997 und 1998 Rentner und gemeinsam veranlagt. Unsere Bruttorente steigt durch die Anpassung von jährlich 38.372 auf 38.795 Euro. Wie hoch wird die Steuer?

Das ist individuell verschieden und abhängig von persönlichen Belastungen wie Pflege- und Krankenversicherungsbeiträgen, Handwerkerleistungen und Krankheitskosten. Nur wenn Ihr Gesamteinkommen abzüglich dieser persönlichen Abzüge den Grundfreibetrag übersteigt, fällt Steuer an.

Meine Frau ist Rentnerin und verdient im Nebenjob 450 Euro pro Monat. Müssen wir jetzt Einkommenssteuer zahlen?

Wenn das geringfügige Beschäftigungsverhältnis vom Arbeitgeber bereits pauschal besteuert wurde, bleibt es unberücksichtigt. Anderenfalls muss es zum Einkommen dazugerechnet werden.

Ich habe eine Nichtveranlagungsbescheinigung bis 2017. Mein Ehemann ist 2015 verstorben. Seitdem beziehe ich zu meiner Alters-, Witwenrente. Bleibt die Bescheinigung weiter gültig?

Nein. Sie sind verpflichtet, Änderungen der persönlichen Verhältnisse wie das Ableben Ihres Ehemannes dem Finanzamt mitzuteilen.

Muss ich auf die Riester-Rente Steuern zahlen?

Die Auszahlungen, die auf geförderten Beiträgen beruhen, sind zu 100 Prozent steuerpflichtig. Ob eine Steuer anfällt, hängt aber davon ab, ob das Gesamteinkommen den Grundfreibetrag überschreitet.

Ich habe mit Rentenbeginn für meinen Riester-Vertrag eine Einmalauszahlung erhalten, weil der Monatsbetrag zu gering gewesen wäre. Dadurch muss ich voraussichtlich Steuern zahlen, was bei monatlicher Zahlung nicht zugetroffen hätte. Kann ich beim Finanzamt eine Verteilung der Einmalauszahlung auf mehrere Jahre verlangen?

Nein, die Zahlungen sind in dem Jahr zu versteuern, in dem das Geld fließt. Die ermäßigte Besteuerung ist bei Riester-Verträgen und anderen Rentenabfindungen nicht vorgesehen. Eine Ausnahme sind Einmalauszahlungen wie Abfindungen des Arbeitgebers und Rentennachzahlungen für mehrere Jahre. Hier kann eine begünstigte Versteuerung erfolgen. Dabei wird die Steuer rechnerisch auf fünf Jahre verteilt.

Ich beziehe zur Altersrente eine Rente aus der gesetzlichen Unfallversicherung. Wird die auch in die Besteuerung einbezogen?

Nein, die gesetzliche Versicherung wird nicht einbezogen. Anders ist es bei Leistungen aus privater Unfallversicherung. Wie viel von Unfallrenten aus privaten Versicherungen steuerpflichtig ist, hängt vom Lebensalter bei Rentenbeginn ab.

Meine Mutter hat Aufwendungen für haushaltsnahe Dienstleistungen bei der Steuer erklärt. Das Finanzamt berücksichtigte diese nicht, weil sie bar gegen Quittung bezahlt wurden. Ist das rechtens?

Ja. Voraussetzung für die Inanspruchnahme der Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen, Pflege- und Betreuungs- oder Handwerkerleistungen ist, dass Sie eine Rechnung erhalten haben und die Zahlung auf das Konto des Leistungserbringers (Pflegedienst, Handwerker) erfolgt.

Ich bin 2012 aus den Altbundesländern nach Görlitz gezogen. Wird meine Altersrente nach dem West- oder Ostanpassungssatz berechnet?

Die Rentenanpassung richtet sich nach dem Beschäftigungsort. Für West-Beschäftigungszeiten gibt es die Westanpassung (4,25 Prozent), für Ost-Beschäftigungszeiten den Ost-Satz (5,95 Prozent).

Ich habe seit Jahren keine Rentenanpassung erhalten. Wieso?

Offensichtlich liegt bei Ihnen ein sogenannter Aussparungsfall vor. Sie sollten prüfen lassen, ob das rechtmäßig ist. Haben Sie als Angehöriger der technischen Intelligenz einen Bescheid über die Rechtswidrigkeit Ihrer Zusatzversorgung erhalten, könnte der fehlerhaft sein. Sie sollten bei der Deutschen Rentenversicherung Bund als Zusatzversorgungsträger eine Überprüfung beantragen. Das betrifft besonders Rentner, bei denen die Zusatzversorgung wegen angeblicher Vermögenslosigkeit ihres Volkseigenen Betriebes am 30. Juni 1990 für rechtswidrig erklärt wurde ("leere Hülle").

Die sukzessive Besteuerung von Renten führt zu einer rechtlich nicht statthaften Doppelbesteuerung, da Rentenbeiträge aus versteuertem Einkommen erbracht werden. Welche Entlastungen gibt es dafür?

Es trifft nicht zu, dass Rentenbeiträge aus voll versteuerten Geldern geleistet wurden. So ist der eingezahlte Arbeitgeberanteil aus steuerfreien Mitteln eingezahlt, zum anderen gibt es für den Arbeitnehmeranteil Steuervergünstigungen. Ob Rentenleistungen, die aus versteuertem Einkommen erbracht wurden, erneut besteuert werden, kann nur individuell geprüft werden.

Infotelefon der sächsischen Finanzämter: Montag bis Donnerstag, 8 bis 17 Uhr, Freitag, 8 bis 12 Uhr: Telefon: 0351 79997888.

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