Reha abgelehnt - und nun?

Zum Abschluss des Reha-Kompasses für Sachsen erreichten die "Freie Presse" viele persönliche Fragen - Vier Fachleute antworteten am Telefon

Viele wünschen sich, nach Operationen oder langen Erkrankungen schnell fit zu werden. Eine Reha ist dafür eine gute Möglichkeit. Aber nicht immer wird sie genehmigt. Die Leser hatten dazu viele Fragen. Gabriele Fleischer hat die wichtigsten zusammengefasst.

Mein Antrag für eine medizinische Reha wurde von der Rentenversicherung abgelehnt. Was kann ich jetzt tun?

Sie können innerhalb von vier Wochen, nachdem Sie den Bescheid erhalten haben, Widerspruch einlegen. Der geht an den Leistungsträger, der die Ablehnung geschickt hat - Deutsche Rentenversicherung Bund, Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland, Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See oder die jeweilige Krankenkasse. Den Widerspruch sollten Sie ausführlich begründen sowie vom behandelnden Arzt eine medizinische Beurteilung anfordern und dem Widerspruch beifügen.

Wegen Rückenleiden erhalte ich alle vier Jahre eine Reha von der Rentenversicherung. Mein Antrag von April wurde abgelehnt. Nach meinem Widerspruch habe ich nichts mehr gehört. Telefonisch bekam ich keine Auskunft.

Sie sollten die Rentenversicherung schriftlich um einen Zwischenstand bitten und eine angemessene Frist von zwei Wochen setzen. Sollte der Rentenversicherungsträger den Widerspruch innerhalb einer Frist von drei Monaten nicht abschließend bearbeitet haben, besteht die Möglichkeit einer Untätigkeitsklage beim zuständigen Sozialgericht. In Aussicht gestellt werden kann auch eine Beschwerde beim Bundesversicherungsamt. Das hat seinen Sitz in Bonn.

Der Reha-Antrag meiner Frau wurde nach Widerspruch abgelehnt - mit der Begründung, dass psychologische und psychiatrische Behandlungen ambulant durchgeführt werden könnten. Behandlungstermine bekommen wir aber nicht unter einem Jahr.

Ehe die Behandlung am Wohnort nicht ausgeschöpft ist, ist eine Reha nicht sinnvoll. Kann der Arzt darlegen, dass eine stationäre Reha nötig ist, sollten Sie erneut widersprechen. Dauert das Verfahren - Widerspruch und gegebenenfalls Gerichtsverfahren - so lange, dass der Patient stärker erkrankt, ist zu überlegen, ob eine einstweilige Anordnung, sinnvollerweise über einen Anwalt, beantragt wird. Auch der unabhängige Arbeitskreis Gesundheit in Leipzig unterstützt Patienten. Ist der Fall aussichtsreich, werden Unterlagen angefordert und Akten bei Kostenträgern eingesehen.

Meine Frau erlitt im Juli einen Schlaganfall mit spastischen Lähmungen. Nach Behandlung in Klinik und Reha nehmen daheim die Lähmungen zu. Welche Rehaklinik ist darauf spezialisiert? Kann man dafür einen Antrag an die Kasse stellen?

Sie können einen neuen Antrag auf Aufnahme in einer Rehaklinik stellen. Die Kliniken, die auf Schlaganfälle spezialisiert sind, behandeln auch Begleiterkrankungen. Es gibt aber ebenso ambulante Behandlungsmöglichkeiten. Dafür muss der Arzt eine Heilmittelverordnung verschreiben, beispielsweise Physiotherapie. Solche Behandlungen sind auch beim Hausbesuch möglich.

Ich bin Rentner. Bei mir wird das künstliche Gelenk der Hüftpfanne gewechselt. Wer ist für die Anschlussbehandlung zuständig?

Wenn Sie Rente beziehen, ist die Krankenkasse der Kostenträger. Der Antrag kann im Krankenhaus gestellt oder über den niedergelassenen Arzt werden. Ist die körperliche Belastbarkeit noch nicht erreicht, kann die Aufnahme einer Anschlussreha auch einige Wochen dauern. Geregelt ist eine Frist von zwei bis maximal sechs Wochen.

Im Januar 2017 bekam ich nach einer Hüft-OP eine dreiwöchige Reha. Im Januar 2019 wird die andere Hüfte operiert. Steht mir dann wieder eine Reha zu?

Ja, wenn alle medizinischen Voraussetzungen vorliegen. Denn es ist eine neue Indikation.

Ich möchte in eine bestimmte Reha-Klinik. Die will mir die Kasse nur zuweisen, wenn ich eine Mehrkostenübernahme unterschreibe. Darf sie das?

Bei der gesetzlichen Krankenversicherung hat der Patient das Recht, praktisch jede medizinisch geeignete inländische Rehaklinik zu wählen. Wenn die Wunschklinik medizinisch besser geeignet ist, weil sie früher aufnehmen und die Begleiterkrankungen mitbehandeln kann oder geeignete Therapieangebote hat, darf die Krankenkasse keine Mehrkosten verlangen. Die Kasse kann die Zuweisung der Klinik auch nicht davon abhängig machen, dass der Patient sich vorher zur Übernahme von Mehrkosten verpflichtet. Sind die Kliniken gleichwertig, müssen die Mehrkosten selbst getragen werden. Es sei denn, der Patient hat Gründe wie Angehörigenbesuche bei Älteren und Patienten mit Kleinkindern oder ein Vertrauensverhältnis zur Klinik, weil er dort schon erfolgreich behandelt wurde.

Ich bin zur Anschlussheilbehandlung in einer Rehaklinik. Wie erfolgt die Wiedereingliederung in den Beruf?

Sofern die Rehaklinik die stufenweise Wiedereingliederung empfiehlt, einleitet und diese innerhalb von vier Wochen an die medizinische Heilbehandlung anschließt, ist die Rentenversicherung zuständig und zahlt gegebenenfalls Übergangsgeld. Sollten vier Wochen überschritten werden, kann der Hausarzt eine stufenweise Wiedereingliederung einleiten, und die Krankenkasse zahlt Krankengeld. Den Plan zur Wiedereingliederung erstellt entweder die Rehaklinik oder der Hausarzt. Kostenträger und Arbeitgeber müssen zustimmen.

Mein Mann bekommt eine Reha. Darf ich als Begleitperson mit?

Ja, das ist möglich, wenn die Begleitung medizinisch erforderlich ist und von der Rentenversicherung im Bescheid bewilligt wurde, werden die Kosten für Unterkunft und Verpflegung für die Begleitperson übernommen. Bei Nichtbewilligung müssen die Kosten selbst finanziert werden.

Der Gesetzgeber regelt, dass alle vier Jahre eine Reha möglich ist. Geht das auch früher?

Ja, wenn es medizinisch erforderlich ist oder bei einer neuen Diagnose, das heißt, wenn die erste Reha zum Beispiel nach einer Hüft-OP war und der Patient jetzt einen Schlaganfall hatte. Dann ist eine neue Reha auch früher möglich. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen oder der Rentenversicherung prüft die Notwendigkeit und fordert bei Bedarf Befunde vom Arzt an. Bei einer Kinderreha wurde seit Juli die Vier-Jahres-Frist abgeschafft. Aber auch hier muss die Reha medizinisch begründet sein.

Wir sind verheiratet, haben beide onkologische Diagnosen und waren vor vier Jahren gemeinsam zur Reha. Können wir jetzt einen neuen Antrag stellen?

Ja, wenn die Klinik beide Erkrankungen behandelt. Das muss im Antrag vermerkt werden.

Ich habe Rheuma und wollte von der Krankenkasse die Kosten für die Behandlung in der Kältekammer übernommen haben. Das wurde abgelehnt. Warum?

Das ist keine anerkannte Behandlungsmethode und ist nicht im Leistungskatalog der Krankenkassen enthalten. Stellen Sie deshalb alternativ einen Reha-Antrag und benennen Sie eine medizinisch geeignete Klinik mit einer Kältekammer.

Ich möchte mit meinen beiden Kindern zur Reha. Sie haben unterschiedliche Indikationen. Ist das trotzdem möglich?

Das geht, wenn die Einrichtung beide Indikationen behandelt. Ihr Wunsch muss aber im Antrag vermerkt sein. Beim Kostenträger bekommen Sie darüber Auskunft.

Ich habe eine Mutter-Kind-Kur mit meinem Kind beantragt. Kann uns mein Mann und Vater des Kindes begleiten?

Grundsätzlich ist es möglich, wenn der Vater den Aufenthalt selbst finanziert. Aber es sollte sich um einen zeitlich begrenzten Rahmen handeln. Erfahrungen besagen, dass der Vorsorgeeffekt darunter leidet.

Ich möchte meinen Hund zur Reha mitnehmen. Ist das möglich?

Es gibt Rehakliniken, die dafür Plätze vorhalten. Wegen der Kosten müssen Sie bei der Klinik anfragen.

Wie komme ich an die Antragsformulare für eine Reha?

Entweder Sie drucken sie sich über die Webseite der Rentenversicherung (www.deutsche-rentenversicherung-mitteldeutschland.de) aus, fordern die Unterlagen telefonisch über die Servicehotline 0800-100048090 an, oder Sie holen die Formulare in einer der sachsenweit neun Beratungsstellen ab. Die Formulare müssen von Ihnen, dem behandelnden Arzt und der Krankenkasse ausgefüllt und komplett bei Rentenversicherung oder Krankenkasse eingereicht werden.

Muss ich bei einer stationären Reha zuzahlen?

Ja, zehn Euro pro Tag für stationäre Leistungen, aber maximal 42 Tage. Bei einer Anschlussheilbehandlung muss bei der Rentenversicherung für 14 Tage zugezahlt werden, bei der Krankenkasse für 28 Tage. Vorher geleistete Zuzahlungen in einem Krankenhaus werden angerechnet. Es kann sein, dass die Zuzahlung erlassen wird, wenn bestimmte Einkommensgrenzen unterschritten werden. Krankenkasse oder Rentenversicherung informieren im Einzelfall darüber.


Sechs Forderungen für eine bessere Reha-Qualität 

Gesundheitswissenschaftler Joachim Kugler von der TU Dresden kritisiert Intransparenz und fehlenden Wettbewerb 

Die Reha-Landschaft in Sachsen ist vielfältig - aber für Außenstehende kaum zu durchschauen. Das ist eine der Erkenntnisse, die Gesundheitswissenschaftler Professor Joachim Kugler aus dem "Freie Presse"-Reha-Kompass zieht. Der Leiter des Lehrstuhls Public Health an der TU Dresden kommt nach der elfteiligen Serie zu diesen Schlüssen:

1. Die Qualität der Rehakliniken ist für Patienten völlig intransparent. Während es für Krankenhäuser eine einheitliche und verbindliche Qualitätsberichterstattung gibt, erfolgt die Übermittlung der Prüfergebnisse im Reha-Bereich nur intern. Die Einrichtungen sind nicht verpflichtet, diese Ergebnisse zu veröffentlichen. Es ist vorbildlich, dass die Mehrzahl der Rehakliniken der "Freien Presse" diese Ergebnisse zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt hat.

2. Patienten haben ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Rehaklinik. Wie aber sollen sie fundierte Vorschläge machen, wenn sie die Qualität einer Klinik nicht beurteilen können? Der Vorschlag des Sachverständigenrates im Gesundheitswesen, die Qualitätsdaten nutzerfreundlich aufzuarbeiten und zu veröffentlichen, ist zu unterstützen.

3. Die Rehabilitation in Deutschland wird von einem Monopolisten beherrscht - der Deutschen Rentenversicherung. Sie betreibt selbst 22Kliniken, die meisten anderen sind von ihr durch Belegungsverträge abhängig. Patienten können hier nur vertrauen, dass die Qualität stimmt - Kontrolle von außen ist nicht möglich und nicht erwünscht. Man sollte diskutieren, ob hier mehr Wettbewerb sinnvoll ist. 4. Die Sicht des Patienten muss mehr Beachtung finden. Für ihn ist wichtig, dass er gesund wird. Die Reha ist neben Krankenhaus und ambulantem Bereich aber nur ein Glied in der Behandlungskette. Das Denken in diesen Sektoren verhindert eine optimale Versorgung.

5. Die ambulante Reha muss attraktiver werden. Mehr als 80 Prozent aller Reha-Maßnahmen werden in Deutschland im stationären Bereich erbracht. Das hat vor allem historische Gründe. Dabei ist gar nicht bewiesen, ob das besser ist. In vielen Ländern wie in den USA sowie in Skandinavien ist die stationäre Reha unbekannt. Dort übernehmen Krankenhäuser die ambulanten Reha-Therapien.

6. Es gibt immer mehr Menschen mit mehr als einer Erkrankung. Es sollte überlegt werden, ob die Spezialisierung der Reha-Kliniken auf einzelne Indikationen noch zeitgemäß ist. Die geriatrische Reha ist ein guter Ansatz, aber nicht für Patienten gleichermaßen geeignet.

Zum Reha-Kompass

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