Was hilft gegen Juckreiz?

Trockene Haut kann das Leben unerträglich machen - Am "Freie Presse"-Lesertelefon berieten Fachleute Leser zu Ursachen und Therapien.

Neurodermitis ist belastend für die Betroffenen. 15 Prozent der Kinder und fünf Prozent der Erwachsenen leiden deutschlandweit an der chronischen Erkrankung. Die Schutzfunktion der Haut ist beschädigt und empfindlich gegenüber Allergieauslösern, Viren, mechanischen Reizen und Bakterien. Auch wenn die Veranlagung, an Neurodermitis zu erkranken, bleibt, so gibt es Behandlungsmöglichkeiten. Hautärzte und eine Ernährungsberaterin beantworteten dazu Leserfragen. Zusammengefasst hat sie Gabriele Fleischer.

Ich leide unter Neurodermitis. Was kann die Schübe auslösen?

Mögliche Auslöser sind Faktoren wie Stress, das Bakterium Staphylokokkus aureus, Hitze oder Kälte und Hautirritationen durch Kleidung. Allergien gegen Hausstaubmilben, Pollen und Tierhaare können zur Verschlechterung des Befundes beitragen. Ob eine Allergie vorliegt, lässt sich durch Haut- oder Bluttests beim Facharzt feststellen. Bei einer Allergie gegen Hausstaubmilben empfehlen sich für Matratze und Bettdecke milbendichte Bezüge. Eine Rehabilitation im hausstaubmilbenfreien Klima im Hochgebirge kann sinnvoll sein.

Meine 18-jährige Tochter hat Neurodermitis. Bisher bekam sie Kortisonsalben. Gibt es Alternativen?

Ja, zum Beispiel calcineurininhibitor- oder ichthyolhaltige Salben. Weitere Alternativen sind die Lichttherapie und bei schweren Fällen Systemtherapien mit Tabletten, die den Wirkstoff Ciclosporin enthalten, oder Spritzen mit dem Wirkstoff Duplimab. Entsprechend des Hautbefundes ist aber ein Therapieplan wichtig. Grundlage ist die Basistherapie, also täglich mehrmaliges Salben mit wirkstofffreien Pflegeprodukten, ohne Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe. Laut Deutschem Allergie- und Asthmabund (DAAB) gibt es über hundert solcher Produkte. Bei der Auswahl hilft das Siegel des DAAB.

Mein sechsjähriges Kind leidet unter starkem Juckreiz. Hände, Fußgelenke und Kniekehlen sind entzündet. Was kann ihr helfen?

Wichtig ist auch hier eine regelmäßige Basistherapie, die selbst in beschwerdefreien Intervallen konsequent angewendet werden muss. Diese Therapie wird je nach Präparat bis zum zwölften Lebensjahr von der Krankenkasse übernommen. Bei ausgeprägtem Hautbefund muss neben der Basispflege zweimal pro Woche eine kortison- oder calcineurininhibitorhaltige Salbe aufgetragen werden. Diese sogenannte proaktive Therapie beugt neuen Schüben vor, hat aber keine Nebenwirkungen. In klinischen Studien werden neue Medikamente getestet.

Mein Sohn ist neun Jahre alt und hat Neurodermitis. Wirken sich Süßgetränke und Zusatzstoffe dabei negativ aus? Hilft es, den Darm zu stärken?

Süßgetränke beeinflussen Neurodermitis nicht, sollten aber nur in Maßen getrunken werden, weil sie ungesund sind. Zusatzstoffe können in seltenen Fällen zu Hautverschlechterungen führen. Bei Verdacht ist es ratsam, ein Ernährungs- und Symptomtagebuch zu führen. So lässt sich prüfen, ob es einen Zusammenhang gibt. Eine gemüsebetonte Ernährung ist für den Darm unabhängig von Neurodermitis sinnvoll.

Gegen Neurodermitis um die Augen und am Hals nutze ich Kortisonsalbe. Ich habe gehört, dass die Augensalbe Grünen Star auslösen kann. Stimmt das?

Ja, die langfristige Anwendung von Kortisonsalbe am Auge kann den Augendruck erhöhen. Deshalb sollte man Kortisonsalben in diesem Bereich nur kurzfristig anwenden und zu den genannten therapeutischen Alternativen wechseln.

Mein einjähriges Kind hat seit dem dritten Monat schwere Ekzeme. Der erste Bluttest war unauffällig. Könnte eine Nahrungsmittelallergie vorliegen?

Zu empfehlen ist ein erneuter Bluttest durch den Kinderarzt. Je nach Befund ist eine sieben- bis zehntägige diagnostische Diät unter Betreuung einer Ernährungsfachkraft zu empfehlen. So wird geprüft, ob das Weglassen eines Nahrungsmittels, für das es einen positiven Testbefund gibt, einen günstigen Einfluss auf den Hautzustand hat. Wird die Haut besser, wird das Lebensmittel bewusst wieder gegeben und so erneut geprüft. Wird die Haut wieder schlechter, sollte bei einer Ernährungsberatung sichergestellt werden, dass es unter einer längerfristigen Meidung dieses Nahrungsmittels nicht zu Nährstoffmangel kommt. Nach ein- bis zweijährigem Weglassen wird unter Arztaufsicht geprüft, ob das Nahrungsmittel immer noch zu Hautverschlechterungen führt.

Ich leide unter Juckreiz und habe einen Test auf IgG-Antikörper gemacht. Jetzt darf ich keine Getreideprodukte, keine Milch und keine Eier mehr essen. Meine Beschwerden sind aber nicht verschwunden.

Ein IgG-Test bildet die Lebensmittel ab, die oft gegessen werden. Er sagt nicht, was vertragen wird und was nicht. Der Test ist ungeeignet für die Diagnostik von Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten.

Meine 15-jährige Tochter hat ein schweres Handekzem, das als Neurodermitis diagnostiziert wurde. Die Schübe treten bei Stress auf. Was ist zu tun?

Auch hier ist eine regelmäßige Basispflege wichtig. Hat sie offene und krustige Stellen, könnte die Haut mit Bakterien besiedelt sein, die den Hautbefund verschlechtern. Dann hilft eine Behandlung mit nicht alkoholischen Händedesinfektionsmitteln. Um den akuten Schub abzufangen, ist eine kurzfristige Therapie mit Kortisonsalbe nötig. An den Händen ist es wichtig, moderne Kortison-Präparate auszusuchen, die die Haut nicht dünn machen. Nach Abheilung der akuten Hautveränderungen wird der Restbefund mit kortisonfreien Salben behandelt, bis das Ekzem verschwunden ist. Danach schließt sich die proaktive Therapie für zwei bis drei Monate an. Gegebenenfalls muss eine Lichttherapie zwischengeschaltet werden. Dafür kommen die Hände in ein Bestrahlungsgerät. Welche Therapie die richtige ist, legt der Arzt fest. Abstriche klären ab, ob infektiöse Erkrankungen an den Händen vorliegen. Zusätzlich muss eine Allergie gegen Kontaktstoffe mit einem Epicutan- (Pflaster-)Test ausgeschlossen werden.

Mein Enkel leidet an Neurodermitis. Gibt es eine Chance, dass die Erkrankung in den nächsten Jahren weggeht?

Bei regelmäßiger Basispflege und konsequenter Therapie der Hautentzündung besteht eine sehr gute Chance, dass die Neurodermitis abklingt. Unterstützen kann die Teilnahme an einer Neurodermitisschulung. Die wird für Eltern von Kleinkindern, größere Schulkinder und Erwachsene angeboten. Kurse finden auch an der Hautklinik des Uniklinikums Dresden in Kooperation mit Kinderärzten, Psychologen und Ernährungsfachkräften statt. Kurstermine werden nach der Arztvorstellung in der Allergieabteilung der Hautklinik vergeben.

Ich habe Haarausfall, der vor allem dann auftritt, wenn die Kopfhaut besonders stark juckt. Hängt das mit der Neurodermitis zusammen?

Bei schwerwiegenden Kopfhautekzemen kann es zum vorübergehenden Haarausfall kommen. Wichtig ist die konsequente Behandlung der Entzündung.

Der deutschlandweite Allergieinformationsdienst des Helmholtz-Zentrums München berät Betroffene und Angehörige, die per E-Mail Fragen an Wissenschaftler stellen können, www.allergieinformationsdienst.de. Infos gibt es auch vom Landesverband des Deutschen Allergie- und Asthmabundes: Telefon: 0341 2132137. www.daab.de

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