Was tun bei Demenz?

Vergesslich, orientierungslos: Experten sagen, wo Angehörige bei der Betreuung Hilfe bekommen

Einen Demenzkranken in der Familie zu betreuen, ist eine große Herausforderung. Viele Angehörige sind überfordert, obwohl es Hilfsangebote gibt. Doch die sind vielen nicht bekannt, wie die Leserfragen zum Telefonforum gezeigt haben. Gabriele Fleischer hat sie notiert.

Demenz und Alzheimer - was ist der Unterschied?

Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz. Etwa 75 Prozent der an Demenz Erkrankten haben Alzheimer. Diese Krankheit tritt häufig im Alter auf und wird deshalb als Altersdemenz beschrieben.

Ich bin 74 Jahre und kann mich an Ereignisse aus jüngster Zeit nicht mehr erinnern. Sind das Anzeichen einer Demenz?

Neben einer Demenz können auch eine akute Belastung oder eine Depression zu dieser Beeinträchtigung und der Vergesslichkeit führen. Um sicherzugehen, sollten Sie sich in einer Gedächtnisambulanz untersuchen lassen. Auf der Internetseite der Alzheimergesellschaft finden Sie eine Übersicht: www.deutsche-alzheimer.de.

Mein Hausarzt sagt, er könne nichts gegen meine Demenz tun.

Das stimmt so nicht. Ein Facharzt kann die Form Ihrer Demenz feststellen und danach komplexe Therapien empfehlen, die den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen können. In schwierigen Fällen überweist er den Patienten in eine Gedächtnisambulanz zur Untersuchung.

Mein Mann hat Alzheimer und Pflegegrad 4. Seit Mai ist er im Heim. Obwohl er nicht allein laufen kann, steht er nachts auf und sucht das WC. Ich mache mir Sorgen, dass er stürzt. Ich hörte von einer Sensormatte vor dem Bett, die die Pfleger ruft. Wer kümmert sich darum?

Informieren Sie das Heim über Ihren Verdacht. Dort ist man für die Sicherheit Ihres Mannes verantwortlich und entscheidet, welche Hilfsmittel nötig sind.

Meiner 91-jährigen Tante wurde durch gerichtlichen Beschluss eine Betreuerin zur Seite gestellt. Trotz mittelschwerer Demenz hat meine Tante keinen Pflegegrad. Muss die Betreuerin hier tätig werden?

Die Betreuerin kann einen Pflegegrad beantragen. Je nach Grad gibt es bei einer Bewilligung finanzielle Unterstützung.

Meine Mutter ist seit einiger Zeit vergesslich und kann sich nicht immer orientieren. Ich möchte sie zu Hause pflegen. Welche Möglichkeiten habe ich?

Sie können sich bei Ihrer Pflegekasse kostenfrei beraten lassen. Dabei wird auch der Pflegeantrag gestellt. Dann begutachtet der Medizinische Dienst Ihre Mutter. Daraufhin wird der Pflegegrad festgelegt. Die Unterstützung für die Pflege richtet sich nach dem bewilligten Grad.

Mein Mann wurde mit Antidepressiva behandelt. Jetzt kommen die Symptome wieder. Darf ich die Dosis erhöhen?

Nein, bei einem Rückfall muss in jedem Fall ein Facharzt entscheiden. Vielleicht muss man die Therapie ändern. Sie dürfen das nicht selbst tun. Eine richtige Behandlung der Depression kann auch die bestehende Demenz positiv beeinflussen.

Ich telefoniere oft mit meinem Bruder. Er wird zunehmend vergesslicher. Er will sich nicht untersuchen lassen, geht aber regelmäßig zur Hausärztin.

Sprechen Sie das Problem offen bei seiner Hausärztin an, damit Ihr Bruder untersucht wird. Die Ursachen können von Depression über Stoffwechselstörung bis zur Alzheimerdemenz reichen.

Ich lebe von meinem Mann getrennt. Bei einem Besuch merkte ich, dass er durcheinander und seine Wohnung verwahrlost ist. Er hat auch ein Alkoholproblem. Wie kann ich ihm helfen?

Informieren Sie sich bei Ihrem zuständigen Stadtbezirk über den Sozialpsychiatrischen Dienst. Mitarbeiter werden Ihren Ex-Mann besuchen und gegebenenfalls über eine vormundschaftliche Zwangseinweisung in eine Klinik entscheiden.

Was kann man vorbeugend gegen Demenz tun?

Der Blutdruck sollte langfristig um den Wert von 120 : 80 liegen. Blutzucker und Fettstoffwechselstörungen sollten behandelt werden. Wichtig ist eine ausgewogene Ernährung mit Vitaminen und Mineralien. Es können sich im Alter auch neue Nervenzellen bilden. Das wird durch jede Form von geistiger und körperlicher Bewegung angeregt. Auch Meditation, Yoga und Qi Gong können vorbeugen. Wohltuende zwischenmenschliche Kontakte sind weitere schützende Faktoren.

Meine Mutter ist dement und liegt nur noch im Bett. Der Zustand hat sich stark verschlechtert, als mein Vater ins Krankenhaus musste. Eine Pflegeeinstufung ist beantragt. Welche Unterstützung kann ich erhalten, um sie zu aktivieren?

Nach der Einstufung gibt es ab Pflegegrad 2 die Möglichkeit, Ihre Mutter in einer Tagespflege betreuen zu lassen. Zusätzlich können Sie noch Sachleistungen durch einen Pflegedienst und Entlastungsleistungen bekommen, zum Beispiel Angebote von Alltagsbegleitern, Nachbarschaftshelfern und Pflegediensten. Hilfreich sind auch ergotherapeutische Maßnahmen, die der Arzt verordnet. Angebote finden Sie unter: www.pflegenetz.sachsen.de

Mein Mann ist dement und seit einem Jahr im Heim. Ich habe ein schlechtes Gewissen und möchte ihn doch wieder zu Hause be treuen. Welche Unterstützungsmöglichkeiten habe ich?

Alle Pflegekassen bieten ihren Versicherten eine kostenfreie Beratung an. Die sollten Sie nutzen.

Mein Mann hat Demenz und Pflegegrad 2. Kann ich da noch einen Behindertenausweis beantragen?

Der Pflegegrad spielt dafür keine Rolle. Entscheidend sind körperliche und geistige Einschränkungen. Sprechen Sie mit den behandelnden Ärzten. Das zuständige Sozialamt entscheidet nach einem Arztbericht über den Grad der Behinderung und die Ausstellung eines solchen Ausweises. Bei der Antragstellung unterstützen die zuständigen Seniorenberatungsstellen auch bei einem Hausbesuch. Entsprechende Kontakte bekommen Sie bei der Kommune oder im Landratsamt.

Die Fragen der Leser beantworteten : Prof. Dr. Peter Schönknecht, Ärztlicher Direktor Krankenhaus Arnsdorf, Ulrike Duschek, Caritas Seniorenberatung Dresden, Regina Creutz, AOK plus, und Psychiater Mike Ohnesorge, Alzheimergesellschaft Dresden.

Dement und hilflos?

Von Gabriele Fleischer 

Immer mehr Familien sind mit der Diagnose Demenz konfrontiert - und oft überfordert. Sie brauchen mehr Hilfe und Anleitung. Das zeigt eine von der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege zum Weltalzheimertag veröffentlichte Studie. Mit der älter werdenden Gesellschaft wachsen die Anforderungen. Schon jetzt sind deutschlandweit 1,6 Millionen Menschen von der Krankheit betroffen.

Es fällt schwer, zu akzeptieren, dass der Austausch mit dem geliebten Menschen Stück für Stück verloren geht, seine Wünsche und Gefühle andere geworden sind. Die neue Situation für sich anzunehmen, dabei brauchen Angehörige Hilfe und Aufklärung. Etwa die Hälfte der über 18-Jährigen fühlt sich im Umgang mit Erkrankten unsicher. Laut Studie wissen viele nicht, wie sie auf Orientierungslose zugehen sollen. Sie wollen deshalb mehr darüber lernen, wie sie das am besten tun können, welche Therapien es gibt und wie man vorsorgen kann. Das gab die Hälfte der Befragten an.

Alzheimergesellschaft, Selbsthilfegruppen und Kommunen bieten Kurse und Broschüren an. Nur ist das offenbar wenig bekannt. Auch, dass die dieses Jahr in Kraft getretene Pflegerform Demenzkranke und ihre Betreuer mehr unterstützen soll. Laut Studie nimmt kaum die Hälfte eine Beratung der Pflegekasse in Anspruch. Viele kennen die Angebote nicht. Das muss sich ändern. Ärzte, Pflegekassen und Selbsthilfegruppen sind da gefragt. Denn die Krankheit wird uns weiter fordern.

Vorträge zum Alzheimertag

Am Sonnabend gibt es Veranstaltungen zum Thema Demenz: "Herausforderung Demenz im Alltag", TU Chemnitz, Weinholdbau, Reichenhainer Straße 70, Beginn 9.15 Uhr. "Musik und Bewegung trotz(t) Demenz. Die Vielfalt im Blick", Hygienemuseum Dresden, Beginn 14 Uhr; ab 15.30 Uhr Podiumsdiskussion.

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