Was tun gegen kribbelnde Beine?

Das Restless-Legs-Syndrom führt zu Schlafstörungen, lässt sich aber meist gut behandeln

Menschen mit einem Restless-Legs-Syndrom (RLS) haben nur einen Wunsch: "Endlich Ruhe in den Beinen!" Viele Betroffene halten ihre Beschwerden für ein psychisches Problem, doch ein RLS ist eine neurologische Erkrankung - und lässt sich heute gut behandeln. Die Fachärzte Dr. Cornelius Bachmann (Osnabrück), Dr. Sven Thonke (Hanau) und Safi Hazzan (Düsseldorf) sowie die RLS-Patienten Lilo Habersack und Cosima Stromer gaben am Telefon Rat. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Muss es sich bei Unruhe in den Beinen immer um ein RLS handeln?

Wenn die Beschwerden auftreten, sobald Sie zur Ruhe kommen wollen, und sich bessern, wenn Sie sich bewegen, ist dies zumindest ein deutlicher Hinweis auf ein RLS. Die Patientenorganisation Deutsche Restless Legs Vereinigung e. V. stellt auf ihrer Internetseite einen Selbsttest zur Verfügung.

Was gibt es bisher für Theorien über die Ursache für ein RLS?

Allen Fällen von RLS liegt nach heutiger Erkenntnis eine Störung des Dopaminstoffwechsels im Zentralnervensystem zugrunde. Dopamin ist als Botenstoff unter anderem an der Signalübertragung in Nervenzellen beteiligt, mit denen Körperbewegungen gesteuert werden. Dabei spielen genetische Faktoren sicherlich eine Rolle. Ob und inwieweit andere Erkrankungen die Entstehung und Ausprägung eines RLS zusätzlich begünstigen, bedarf noch der genaueren Untersuchung.

Wie verläuft eine RLS-Untersuchung?

Die Diagnose gehört in die Hände eines Facharztes, zum Beispiel eines Neurologen, und beginnt mit einem ausführlichen Anamnesegespräch. Es ist eine große Hilfe, wenn Sie dazu Aufzeichnungen zu Zeit, Intensität und Rahmenbedingungen der Beschwerden mitbringen. Mithilfe neurologischer Zusatzuntersuchungen oder Laboruntersuchungen können andere Krankheiten mit ähnlichen Symptomen ausgeschlossen werden. Zusätzlich wird Ihr Eisenwert untersucht. Erhärtet sich der Verdacht auf ein RLS, kann mit dem L-Dopa-Test überprüft werden, ob Ihre Beschwerden unter dem Medikament nachlassen. Bei ausgeprägten Schlafstörungen ist eine zusätzliche Untersuchung im Schlaflabor sinnvoll, um ihr Ausmaß festzustellen und Hinweise auf mögliche andere Ursachen zu erlangen.

Gibt es weitere Einflüsse?

Alles, was Ihr Gleichgewicht und Wohlbefinden aus der Balance bringt, kann die Symptomatik verstärken. Dazu zählen Stress, körperliche Belastung und Lärm ebenso wie Ihre Ernährung, der Konsum von Genussmitteln wie Kaffee, Tee oder Alkohol sowie Medikamente, die Sie einnehmen. Auch Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel und einseitige Ernährung spielen bei RLS eine Rolle. Übrigens können auch Wärme und Kälte einen Einfluss auf die Ausprägung der Beschwerden haben.

Wie sieht die medikamentöse Behandlung bei einem RLS aus?

Die Behandlung setzt dort an, wo die Bewegungsstörungen ihren Ursprung haben: beim Dopaminstoffwechsel im zentralen Nervensystem. Je nach Beschwerdegrad setzen wir zum Ausgleich dieser Fehlsteuerung Levodopa (L-Dopa) oder sogenannte Dopaminagonisten ein. Beide Wirkstoffgruppen sind aus der Parkinson-Therapie lange bekannt und in ihrer Wirksamkeit gut erforscht. In der Regel tritt eine Besserung der Symptomatik sehr schnell ein.

Welche Nebenwirkungen haben diese Medikamente?

Die heute eingesetzten dopaminergen Medikamente weisen eine gute Verträglichkeit auf, vor allem, da wir beim RLS viel niedriger dosieren als bei der Parkinson-Krankheit. Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schwindel, Müdigkeit und Abgeschlagenheit treten eher zu Beginn der Therapie auf, können durch langsame Aufdosierung kontrolliert werden und lassen meist bald nach. Bedeutsamer ist das Auftreten einer sogenannten Augmentation: Dann nehmen die Beschwerden trotz erhöhter Dosis der Medikamente zu, können sich auf andere Körperteile ausbreiten oder auch tagsüber auftreten. Abhilfe schafft die Umstellung auf einen anderen Wirkstoff oder eine Reduktion der Dosis. Voraussetzung ist jedoch, dass andere mögliche Auslöser wie ein Eisenmangel oder die Einnahme bestimmter Medikamente, die ein RLS auslösen oder verschlimmern können, sicher ausgeschlossen sind.

Eine ganze Weile haben die Medikamente gut geholfen. Jetzt tritt die Unruhe vermehrt auf, auch in den Armen.

Bei einem RLS handelt es sich um eine langsam fortschreitende chronische Erkrankung - eine Zunahme der Beschwerden ist nicht außergewöhnlich und meist gut behandelbar. Die beschriebenen Veränderungen können aber auch ein Hinweis auf eine Augmentation sein.

Was hilft noch außer Medikamenten?

Das richtige Maß an Ruhe und Bewegung zu finden, hilft enorm. Zu wenig Bewegung schadet ebenso wie ein Zuviel an Aktivität. Ein kurzer Abendspaziergang etwa kann helfen, Ruhe zu finden. Eine abendliche Joggingrunde hingegen macht eher unruhig. Maßhalten gilt auch für den Schlaf: Damit Sie nachts in die wichtige Tiefschlafphase kommen, sollten Sie tagsüber nicht schlafen. Wie viel Ruhe und Bewegung gut für Sie ist, müssen Sie ausprobieren. Dabei kann ein Tagebuch helfen, in dem Sie Ihr subjektives Empfinden aufzeichnen. Bei plötzlichen oder starken Veränderungen sollten Sie Ihren Arzt konsultieren, um eine Anpassung der Medikamente zu besprechen.

Ich vermute, ich bin mit meinem RLS nicht allein. Wo kann ich mich mit anderen Betroffenen austauschen?

Die Deutsche Restless Legs Vereinigung bietet Ihnen die Möglichkeit, sich in einer von 130 RLS-Selbsthilfegruppen mit anderen Betroffenen auszutauschen. Die Gruppen werden von Betroffenen betreut und bieten nicht nur Gelegenheit zum Gespräch, sondern Zugang zu Informationsmaterial und Vortragsveranstaltungen sowie Unterstützung bei der Arztsuche. Wo Sie eine RLS-Gruppe in Ihrer Nähe finden, erfahren Sie unter www.restless-legs.org.

Mein Neurologe hat immer wenig Zeit. Wie kann ich mich am besten auf das Arztgespräch vorbereiten?

Abstimmung mit Ihrem behandelnden Neurologen ist ein weiteres Argument für ein RLS-Tagebuch. Hier können Sie im Überblick schnell die Punkte identifizieren, die seit Ihrem letzten Arztbesuch auffällig waren und sie mit Ihrem Arzt besprechen. Für Nutzer eines iPhones oder iPads - und in Kürze auch für Android-Smartphones und -Tablets - gibt es die praktische App "Mein RLS Monitor". Sie umfasst neben einem RLS-Tagebuch weitere Funktionen wie eine Übersicht über Ihre Symptomatik im Kurz- und Langzeitverlauf sowie über Ihre Medikamente. (rnw)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...