Wer bekommt die Mütterrente - und wieviel?

Seit Januar gibt es mehr Rente für die Kindererziehung - Rentenfachleute erklären, wer davon profitiert.

Familie Heller aus Oederan hat ihre Rentenansprüche klug geregelt. Ariane Heller verdient als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Chemnitz mehr als ihr Mann Benny, der als Elektriker arbeitet. Deshalb würden bei ihr die Rentenpunkte für die Kindererziehung gekürzt. Die Kürzung beginnt derzeit bei einem Jahres-Brutto von etwa 38.000 Euro. Weil ihr Mann unter dieser Grenze liegt, werden die Kindererziehungszeiten bei ihm voll anerkannt. Zudem hat er die Kinder Henry und Lieselotte überwiegend erzogen. Im Rentenalter macht das für ihn ein Plus von monatlich 150 Euro aus. Die Berechnung von Mütterrente ist kompliziert. Entsprechend viele Leserfragen gab es beim Telefonforum dazu. Gabriele Fleischer hat die wichtigsten Antworten zusammengefasst.

Als unser erster Sohn geboren wurde, studierte meine Frau. Da hat sie nicht die vollen Rentenpunkte für die Erziehungszeit erhalten. Lassen sich diese fehlenden Punkte noch auf mich, den Ehemann, übertragen?

Studienzeiten neben der Kindererziehungszeit wirken sich nicht nachteilig aus. Ob tatsächlich eine Kürzung erfolgt, können Sie der Anlage "Entgeltpunkte für Beitragszeiten" der Rentenauskunft entnehmen. Gegebenenfalls sollten Sie eine Überprüfung beantragen. Eine Übertragung der Kindererziehungszeit nach erfolgter Anerkennung bei Ihrer Frau ist nicht möglich.

Meine 80-jährige Mutter hat drei Kinder erzogen. Werden ihr im Nachhinein die Erziehungszeiten bei der Rente angerechnet?

Normalerweise müsste die Kindererziehungszeit in der Rente enthalten sein. Sie können das aus der Anlage Versicherungsverlauf zum Rentenbescheid erkennen. Dort müssen Pflichtbeiträge wegen Kindererziehung aufgeführt sein. Wenn das der Fall ist, hat sie die seit diesem Jahr geltende Erhöhung durch die Mütterrente II automatisch bekommen.

Unser Sohn wurde 1972 in der DDR geboren. Meine damalige Frau hat uns 1979 verlassen, 1982 wurden wir nach DDR-Recht geschieden. Profitiere ich von der Mütterrente?

Nein. Da Ihre damalige Ehefrau Ihren gemeinsamen Sohn in den ersten zweieinhalb Jahren überwiegend erzogen hat, erhält sie die Mütterrente. Bei der Scheidung nach DDR-Recht gab es keinen mit heute vergleichbaren Versorgungsausgleich von Rentenanwartschaften.

Ich bin Jahrgang 1958 und noch berufstätig. Ich habe 1978 und 1981 Kinder geboren. Beim ersten Kind begann ich nach acht Monaten, beim zweiten nach 23 Monaten wieder zu arbeiten. Von 1975 bis 1980 habe ich Beiträge in die Freiwillige Zusatzrente gezahlt. Habe ich Anspruch auf die Mütterrente?

Ja. Diese erhalten Sie als zeitliche Zuordnung mit bis zu 30 Kalendermonaten Kindererziehungszeit pro Kind. Ihre monatliche Rentenanwartschaft erhöht sich dadurch um rund 30 Euro. Ob es bei Ihnen wegen gleichzeitiger Berufstätigkeit Abzüge gibt, erfahren Sie bei der Rentenversicherung. Sie müssen dort eine Rentenauskunft mit allen Anlagen anfordern. Sollte Ihre Kindererziehung gekürzt werden, müssten Sie, wenn Sie in Rente gehen, innerhalb eines Monats nach Zugang gegen den Rentenbescheid Widerspruch einlegen. Zwar hat das Bundessozialgericht am 16. Oktober entschieden, dass die Kürzung von Kindererziehungszeiten bei gleichzeitiger Beschäftigung rechtens ist. Aber voraussichtlich wird dagegen Verfassungsbeschwerde eingelegt. Sie sollten deshalb mit dem Widerspruch beantragen, das Verfahren ruhen zu lassen, bis das Bundesverfassungsgericht abschließend entschieden hat. Das kann einige Jahre dauern. Der Widerspruch ist aber wichtig, weil Sie sonst die mögliche höhere Rente nicht rückwirkend nachgezahlt bekommen würden.

Ich bin selbstständig und 1991 aus der gesetzlichen Rente ausgeschieden. Meine Kinder sind 1978, 1980 und 1984 geboren. Wie verhält sich das in meinem Fall mit der Mütterrente?

Die Mütterrente wird ohne Besonderheiten angerechnet. Die Berücksichtigungszeit wegen Kindererziehung bis zur Vollendung des zehnten Lebensjahres Ihres jüngsten Kindes bekommen Sie während Ihrer selbstständigen Tätigkeit nicht, weil Sie ab 1991 nicht mehr rentenversicherungspflichtig waren.

Ich bin Jahrgang 1957, habe zwei Kinder (1982 und 1983 geboren). Ich möchte am 1. März 2020 mit Abzügen in Rente gehen. Welche Auswirkungen hat das für die Mütterrente?

Die Abzüge wirken sich genau so auf die Mütterrente aus wie auf alle anderen Beitragszeiten.

Ich bin seit 2012 Rentnerin, und mir ist nicht bewusst, ob ich schon die Mütterrente bekommen habe. Wie erfahre ich das?

Wer zum Zeitpunkt der Mütterrente I (1. Juli 2014) und Mütterrente II (1. Januar 2019) eine eigene Rente bezogen hat (Erwerbsminderung oder Altersrente) muss die Mütterrente nicht extra beantragen. Der Zuschlag an Entgeltpunkten erfolgt automatisch. Ein Rentenbescheid erging jeweils im ersten Halbjahr nach Einführung. Daraus ist ersichtlich, wie viel Sie mehr bekommen.

Als ich 1961 heiratete, brachte mein verwitweter Mann ein siebenjähriges Kind mit in die Ehe, das ich aufzog. Bin ich berechtigt, für dieses Kind Mütterrente zu beantragen?

Für die Berücksichtigung war das Kind zu alt. Die Mütterrente gibt es nur bis zweieinhalb Jahre nach der Geburt. Für die Zeit bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr können Sie jedoch eine Kinderberücksichtigungszeit anerkennen lassen. Das ist eine für die Rente geltende erweiterte Zeit für die Kindererziehung.

Ich bin seit August Rentnerin und erhalte 3,3833 Rentenpunkte für Kindererziehungszeiten. Von 1979 bis 2019 habe ich als Lehrerin gearbeitet. Meine Kinder wurden 1980 und 1985 geboren. Mit dem zweiten Kind konnte ich ein Jahr zu Hause bleiben. Aber mir müssten doch fünf Rentenpunkte angerechnet werden.

Für die Erziehung Ihrer beiden Kinder stehen Ihnen bis zu fünf Entgeltpunkte zu. Jedoch werden parallel Pflichtbeiträge wegen Kindererziehung und Pflichtbeiträge wegen einer Beschäftigung nur bis zu bestimmten Höchstbeträgen zusammengerechnet. Diese sind bei Ihnen offenbar überschritten. Daher sind die Entgeltpunkte für die Kindererziehungszeiten gekürzt.

Ich habe 1983 Zwillinge geboren und war eineinhalb Jahre zu Hause. Danach war ich wieder voll berufstätig. Was heißt das für die Mütterrente?

Für Sie werden bis zu fünf Jahre als Pflichtbeitragszeit wegen Kindererziehung anerkannt. Waren Sie da beschäftigt, könnte gekürzt werden.

Beim ersten Kind war ich fünf Monate, beim zweiten ein Jahr zu Hause. In der Rentenauskunft steht bei der Kindererziehungszeit "begrenzt". Macht es Sinn, diese Zeiten meinem Mann zu übertragen?

Eine rückwirkende Änderung ist zulässig, wenn Ihr Mann die Kinder überwiegend erzogen hat und das nachweisbar ist. Vielleicht würden aber auch bei Ihrem Mann die Kindererziehungszeiten begrenzt.

Ich habe 1977 geheiratet. Beide Kinder meines Mannes (geboren 1963 und 1964) lebten von Beginn an in unserem Haushalt. Kontakt zur leiblichen Mutter hatten sie nicht. Habe ich Anspruch auf Mütterrente?

Nein, weil die Kinder zum Zeitpunkt Ihrer Heirat älter als zweieinhalb Jahre waren.

Ich habe drei uneheliche Kinder , geboren 1981, 1984 und 1987. 1981 bis 1990 war ich wegen der Kinder zu Hause. 1990 bin ich wieder arbeiten gegangen. Zur gleichen Zeit wurde mein Mann arbeitslos. Könnte er ab da Kindererziehungszeiten für sein Rentenkonto beanspruchen? Ich habe mich weiter vorrangig um die Kinder gekümmert.

Die Kindererziehungszeit bekommt derjenige angerechnet, der das Kind überwiegend erzogen hat. Daher ist eine Übertragung nicht möglich.

Meine Kinder sind 1967 und 1972 geboren. Nach der Scheidung 1976 sind sie bei mir als Vater geblieben. Kann ich Kindererziehung beanspruchen?

Sie können eine Kinderberücksichtigungszeit bis zur Vollendung des zehnten Lebensjahres für sich anerkennen lassen. Dazu müssten Sie einen Antrag stellen. Das wirkt sich vor 1992 zwar nicht unmittelbar auf die Rentenhöhe aus, kann aber zu einer günstigeren Bewertung anderer Zeiten wie Arbeitsausfalltage und damit mittelbar zu einer Rentensteigerung führen. Einen Anspruch auf Mütterrente haben Sie nicht.

Ich bin Witwer und habe vier Kinder, zwischen 1963 und 1979 geboren. Die Erziehungszeiten wurden meiner verstorbenen Frau zuerkannt. Habe ich trotzdem Anspruch auf Mütterrente?

Die Mütterrente wurde in der Rente der verstorbenen Frau berechnet. Dadurch steigt Ihre Witwerrente bei vier Kindern um bis zu 36 Euro. Die Witwerrente beträgt 60 Prozent der Rente Ihrer verstorbenen Frau.

Ich habe im Mai den Bescheid über die Erhöhung meiner Altersrente wegen der Erziehung von vier Kindern bekommen. Bei der Rentenanpassung im Juli hat sich meine Altersrente normal erhöht, die Witwenrente nur um wenige Euro. Wie kann das sein?

Ab 1. Juli wird bei der Einkommensanrechnung bei Ihrer Witwenrente auch die Erhöhung der Altersrente um die Mütterrente angerechnet. Etwa 40 Prozent der Erhöhung durch die Mütterrente werden bei der Witwenrente gegengerechnet. Deshalb fällt die Erhöhung Ihrer Witwenrente scheinbar geringer aus.

Meine Kinder sind 1989 und 1993 geboren. Ich selbst beziehe Erwerbsminderungsrente. Ich habe nur für ein Kind Mütterrente bekommen. Warum?

Weil Sie nur ein Kind vor 1992 geboren haben, für das sich die Neuerungen der Mütterrente II auswirken. Für Ihr zweites Kind bekommen Sie ohnehin drei Jahre Kindererziehungszeiten angerechnet.

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