Witwenrente wird oft gekürzt

Die Höhe hängt von vielen Faktoren ab - Der gesetzliche Freibetrag ändert sich jährlich - Experten erklären, wer mit wie viel rechnen kann

Die gesetzliche Hinterbliebenenrente soll beim Tod von Angehörigen schlimmste Notlagen verhindern. Sie reicht aber oft für ein Leben wie vorher nicht aus. Experten für Rente und Finanzen beantworten am Lesertelefon, worauf im Ernstfall zu achten ist. Stephanie Wesely hat die Antworten zusammengefasst.

Wann bekomme ich Witwen rente?

Sie haben Anspruch auf Witwenrente, wenn Sie bis zum Tod Ihres Partners mit ihm wenigstens ein Jahr verheiratet waren. Ihr verstorbener Ehepartner muss eine Mindestversicherungszeit - die sogenannte allgemeine Wartezeit - von fünf Jahren erreicht haben.

Was ist der Unterschied zwischen großer und kleiner Witwenrente?

Von Ihrem Lebensalter beim Tod Ihres Ehepartners hängt es ab, ob Sie die große oder die kleine Witwenrente bekommen. Durch das Gesetz zur Rente mit 67 wird die Altersgrenze für die große Witwenrente jährlich um einen Monat angehoben, bis 47 Jahre erreicht sind. Bei Todesfällen in diesem Jahr muss der Hinterbliebene 45 Jahre und 4 Monate alt sein, 2016 45 Jahre und 5 Monate usw. Wer jünger ist, hat nur Anspruch auf die kleine Witwenrente, es sei denn, er ist erwerbsgemindert oder erzieht ein Kind, das das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet oder eine Behinderung hat.

Wie hoch ist eine kleine, wie hoch eine große Witwenrente?

Die kleine Witwenrente beträgt 25 Prozent jener Altersrente, auf die Ihr Ehepartner zum Todeszeitpunkt Anspruch gehabt hätte. Die große Witwenrente beträgt dagegen heute prinzipiell 55 Prozent dieser Rente, nach altem Recht 60 Prozent. Die kleine Rente ist auf 24 Monate nach dem Tod des Ehepartners begrenzt - nach altem Recht unbegrenzt. Die große Rente ist ebenfalls zeitlich unbefristet.

Wann gilt denn altes und wann gilt neues Recht?

Das alte Recht gilt, wenn der Ehepartner vor 2002 gestorben ist. Es gilt aber auch, wenn die Heirat vor 2002 erfolgte und einer von beiden vor 1962 geboren wurde.

Bekomme ich als getrennt lebende Ehefrau Witwenrente?

Für die Witwenrente spielt es keine Rolle, ob Sie getrennt von Ihrem Ehepartner leben. Bedingung für den Anspruch ist: Sie dürfen zum Todeszeitpunkt nicht rechtskräftig geschieden sein.

Wie hoch darf das eigene Einkommen sein, ohne dass die Witwenrente gekürzt wird?

Der Freibetrag für die Einkommensanrechnung bei den gesetzlichen Hinterbliebenenrenten ändert sich jährlich. Seit 1. Juli 2015 beträgt er in den neuen Bundesländern 714,12 Euro. Der Freibetrag kann noch steigen, wenn waisenrentenberechtigte Kinder im Haushalt leben. Übertrifft das Zusatzeinkommen den Freibetrag, wird die Witwenrente um 40 Prozent des Betrages gekürzt, der diesen Freibetrag übersteigt.

Meine Rente beträgt nur knapp 600 Euro, mein Mann ist gestorben. Er hatte rund 1800 Euro Rente. Welche Hinterbliebenenrente kann ich erwarten?

Da Ihre Altersrente unter dem Freibetrag liegt, erfolgt keine Anrechnung auf die Witwenrente. Wenn es kein zusätzliches Einkommen gibt, erhalten Sie entweder 60 oder 55 Prozent der Rentenansprüche Ihres Mannes. 60 Prozent wären 1080 Euro, 55 Prozent 990 Euro.

Warum wird meine private Zusatzrente auf die Witwenrente angerechnet? Passiert das auch, wenn ich demnächst einen Nebenjob annehme?

Da die Witwenrente einen Unterhaltsersatz darstellt, wird grundsätzlich eine Anrechnung jedes anderen Einkommens oberhalb des Freibetrages vorgenommen. Der Freibetrag liegt derzeit bei 714,12 Euro. Das gilt für jedes Erwerbseinkommen, auch wenn es aus einer Nebentätigkeit kommt. Eine private Zusatzrente wird nur nach neuem Recht in die Berechnung einbezogen. Nach altem Recht zählt es nicht zum anrechenbaren Einkommen.

Ich wurde 1988 nach DDR-Recht geschieden. Weder mein Ex-Mann noch ich haben wieder geheiratet. Er ist jetzt gestorben. Habe ich Anspruch auf gesetzliche Witwenrente?

Geschiedenen-Witwenrenten gibt es eventuell für Paare aus den alten Ländern, doch nur, wenn diese vor 1977 geschieden wurden. Seit 1977 gibt es in der Bundesrepublik den Versorgungsausgleich, in dessen Rahmen auch gegenseitige Rentenansprüche abgegolten werden. Bei Scheidungen nach DDR-Recht gibt es keinen Anspruch auf Geschiedenen-Rente. Sie können Anspruch auf Erziehungsrente haben, sofern Sie gemeinsame Kinder hatten.

Muss die Witwenrente versteuert werden? Auch bei 100 Prozent Schwerbehinderung?

Grundsätzlich zählen alle Renten der gesetzlichen Rentenversicherung zum steuerpflichtigen Einkommen. Ob und in welcher Höhe Sie Einkommensteuer zahlen müssen, hängt von Ihren gesamten Einkünften und dem sich daraus ergebenden persönlichen Steuersatz ab. Für Schwerbehinderte gibt es bei der Ermittlung des zu versteuernden Einkommens Freibeträge. Diese erfahren Sie beim Finanzamt oder einem Lohnsteuerhilfeverein.

Wie oft oder in welchem Rhythmus werden Freibeträge oder Rentengrößen korrigiert?

Das geschieht in der Regel einmal jährlich. Der aktuelle Freibetrag gilt seit Juli 2015 und wird voraussichtlich wieder zum Juli 2016 verändert.

Wir sind Ende 60 und wollen uns gegenseitig privat für den Todesfall absichern. Geht das überhaupt noch in unserem Alter?

Eine Risikolebensversicherung kommt für Sie nicht in Frage, weil es hier - abgesehen von den in Ihrem Alter eventuell problematischen Gesundheitsfragen - ein Höchstalter gibt, das je nach Gesellschaft unterschiedlich ausfällt. Eine Alternative wäre eine Sterbegeldversicherung, weil es hier diese Altersgrenze nicht gibt. Die Versicherungssummen sind hier allerdings begrenzt, meist auf maximal 15.000 Euro.

Mein privater Rentenvertrag läuft jetzt aus. Ich tendiere dazu, eine Rentenzahlung zu wählen, um meine gesetzliche Altersrente aufzustocken. Meine Freunde raten mir zu einer Kapitalzahlung. Was passiert bei einer Rentenzahlung, wenn ich relativ früh versterben sollte?

Die Entscheidung hängt von Ihrer persönlichen Situation ab - und wofür Sie das Geld benötigen. Wenn Sie sich für die Rente entscheiden, sichern Sie sich den günstigen Garantiezins, der bei Vertragsabschluss galt. Sie müssen aber wissen: Sie gehen damit eine Wette auf ein langes Leben ein. Schauen Sie in Ihre Vertragsunterlagen. Wenn Sie beispielsweise eine Restkapitalgewähr vereinbart haben, bekommen Ihre Hinterbliebenen im Todesfall das vereinbarte Kapital ausgezahlt - abzüglich der bereits gezahlten Renten.

Mein Freund und ich haben zwei Kinder, sind aber nicht verheiratet. Welche Versicherung bietet sich an, um uns gegenseitig und die Kinder im Fall des Todes eines Partners abzusichern?

Der gesetzliche Hinterbliebenenschutz kommt bei Ihnen nicht zum Tragen. Eine Risikolebensversicherung wäre eine Option. Die Versicherungssumme sollten Sie davon abhängig machen, wie viel Sie verdienen und wie hoch Ihre monatlichen Kosten sind. Die Police sollte idealerweise so lange laufen, bis das jüngste Kind die Ausbildung abgeschlossen hat. Wichtig ist, dass der jeweils Begünstigte auch Versicherungsnehmer ist, damit auf die Auszahlungssumme im Todesfall nicht noch Erbschaftssteuer anfällt.

Wir wollen ein Haus kaufen, mein Mann ist in der Familie der Hauptverdiener. Wie können wir die laufende Hypothekenzahlung absichern, sollte ihm etwas zustoßen?

Mit einer Risikolebensversicherung. Die gewählte Versicherungssumme sollte mindestens der Darlehenssumme entsprechen und am Anfang stabil bleiben, da der Tilgungsanteil bei solchen Annuitätendarlehen anfangs vergleichsweise gering ist. Darüber hinaus sollten Sie ausrechnen, wie viel Geld die Familie im Todesfall des Hauptverdieners benötigt. Dieser Anteil sollte gegebenenfalls in die private Absicherung einbezogen werden.

Wer bekommt Waisenrente?

Die Halbwaisenrente wird nach dem Tode eines Elternteils, die Vollwaisenrente nach dem Tode beider Elternteile gezahlt. Die Höhe der Vollwaisenrente 20 Prozent der Rentenansprüche des Verstorbenen, die Halbwaisenrente 10 Prozent. Zu den Waisenrenten wird ein Zuschlag gewährt, der sich aus den rentenrechtlichen Zeiten des Verstorbenen ergibt. Voraussetzung für eine Waisenrente ist es, dass der Verstorbene die sogenannte allgemeine Wartezeit erfüllt hat. Gemeint ist eine Versicherungszeit von wenigstens fünf Jahren. Eine Waisenrente wird bis zum 18., längstens aber bis zum 27. Lebensjahr gezahlt, wenn das Kind in Ausbildung oder behindert ist.

Seit Juli soll die Waisenrente nicht mehr gekürzt werden dürfen. Stimmt das?

Ja. Bei volljährigen Waisen konnte es bisher durch die Anrechnung des eigenen Einkommens zur Kürzung der Rente kommen. Diese Einkommensanrechnung entfällt seit Juli 2015. Das bedeutet, dass volljährige Waisen jetzt ihre Rente in voller Höhe gezahlt bekommen- unabhängig von den Einkommensverhältnissen und bisherigen Freibeträgen.

Auskünfte zur Hinterbliebenenrente erteilt die Deutsche Rentenversicherung ge bührenfrei unter den Rufnummern 0800 10004800 bzw. 100048080.

Einen aktuellen Test und wichtige Informa tionen zu Risikolebensversicherungen hat "Finanztest" in der Ausgabe vom Juni 2015 veröffentlicht. www.test.de

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