36.500 Teilnehmer an Sachsens Kita-Umfrage

Dresden. Die meisten Eltern der rund 310.000 in in Sachsen in Krippe, Kindergarten oder Hort betreuten Kinder haben auf eine Teilnahme an der Online-Umfrage des Kultusministeriums verzichtet. Wie Ressortsprecher Dirk Reelfs auf Anfrage der "Freien Presse" mitteilte, beteiligten sich nach einer ersten Auswertung insgesamt etwa 36.500 Menschen. Vom 13. April bis zum 1. Mai hatte für alle Eltern gemeinsam mit allen 33.000 Erziehern die Möglichkeit bestanden, vier jeweils pro Jahr bis zu 75 Millionen Euro teure Vorschläge zur Kita-Verbesserung zu bewerten - von "sehr sinnvoll" bis "gar nicht sinnvoll". 

Zwei davon waren mit einem ähnlich hohen und flächendeckenden Mehrbedarf an Erziehern verbunden. Zum einen handelt es sich um die Verbesserung des gesetzlichen Personalschlüssels von Betreuern zu Kindern (in der Krippe 1:4,8 statt 1:5, im Kindergarten 1:11,5 statt 1:12 und im Hort 0,9:18,5 statt 0,9:20), die zur Einstellung von zusätzlich 1420 vollzeitbeschäftigten Erziehern führen würde. Zum anderen wurde die erstmalige Anerkennung von wöchentlich zwei Stunden Vor- und Nachbereitungszeit für Erzieher vorgeschlagen, durch die rechnerisch die zusätzliche Einstellung von etwa 1350 Vollbeschäftigten nötig wäre. 

Einer der Vorschläge wird voraussichtlich ab August 2019 umgesetzt. Welcher das sein wird, soll nach der in den nächsten Wochen erwarteten Auswertung der Kita-Umfrage feststehen. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) hatte zuletzt auch im Landtag einen transparenten Umgang mit den Ergebnissen versprochen. 

Zur Finanzierung wird Sachsen auch auf Bundesmittel zurückgreifen können. Mit insgesamt 3,5 Milliarden Euro will die Große Koalition in Berlin ihr sogenanntes Gute-Kita-Gesetz unterfüttern, zu dessen Zielvorgaben auch eine Reduzierung der Elternbeiträge gehören soll. Auch zu dieser Frage hatte Sachsens Regierung Eltern und Erzieher um ihre Meinung gebeten und wissen wollen, ob die Absenkung ihnen wichtiger wäre als die Verbesserung der frühkindlichen Bildung. 

Eine solche Befragung direkt Betroffener vor der Verankerung des Resultats im nächsten Landeshaushalt habe es deutschlandweit noch nie gegeben, hatte Piwarz im Landtag gesagt und die Kita-Umfrage als "ein Stück gelebter direkter Demokratie" bezeichnet. Die Opposition hatte sich hingegen skeptisch geäußert, ob der Umfang der in Aussicht gestellten Verbesserungen ausreicht.

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1Kommentare
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  • 3
    0
    cn3boj00
    03.05.2018

    Richtig! Die "Umfrage" hätte grundsätzlich boykottiert werden müssen. Dass man die Betroffenenen zwischen Pest oder Cholera wählen lässt hat nichts mit Demokratie oder Bürgerbeteligung zu tun. Denn keiner der Vorschläge löst irgendein Problem. Weder die marginale Erhöhung des Betreuungsschlüssels noch die Bezahlung von Vor- und Nachbereitung führt dazu, dass Erzieher mehr Zeit für weniger Kinder haben. Man hat an 4 Arme einen Mantel ausgegeben und gesagt: nun zieht mal alle dran, einer wird gewinnen, die anderen frieren weiter. Damit sollen die Betroffenen dann die Unfähigkeit der Regierung, das Problem zu lösen, legitimieren.



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