Regierung lockt junge Lehrer mit bis zu 11.000 Euro aufs Land

Dieses Jahr gab es eigentlich genug Bewerber, aber fast alle wollten nur nach Leipzig oder Dresden. Ein "Sachsen-Stipendium" soll die Ortswahl ändern.

Dresden.

Bei den angehenden Landärzten ist es ein bisschen anders. Jährlich gerade mal 20 Medizinstudenten im Freistaat bekommen monatlich immerhin 1000 Euro, wenn sie sich später außerhalb der großen Städte niederlassen.

"Unterversorgte Regionen" drohen Sachsen jedoch nicht nur in medizinischer Hinsicht. Und deshalb greift die Regierung nun auch auf einem anderen Gebiet zum Lockmittel Stipendium. "Es gibt eine absolut mangelnde Bereitschaft, in ländlichen Regionen als Lehrer tätig zu sein", stellte Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) am Dienstag nicht zum ersten Mal fest. Von den insgesamt 1600 Bewerbungen für das mittlerweile angelaufene Schuljahr hätten sich 70 Prozent nur für Dresden oder Leipzig interessiert. "Die haben gar keinen Zweitwunsch angegeben", empörte sich Kurth.

Dass ein "Sachsen-Stipendium" mehr Lehrernachwuchs in alle anderen Teile Sachsens locken soll, haben CDU und SPD bereits in ihrem Koalitionsvertrag vor einem Jahr versprochen. Nun verkündete Kurth die Details: Dass maximal sechs Semester lang -bis zum Ende der Regelstudienzeit - monatlich 300 Euro gezahlt werden, also höchstens 10.800 Euro. Dass es noch 2015 die ersten 50 Stipendiaten geben soll. Und dass kein anderes Bundesland bislang etwas Vergleichbares biete.

In Sachsen ist das Problem freilich auch besonders drängend: Altersbedingt wird bis 2025 die Hälfte aller Lehrer den Dienst quittieren. Kurth spricht von einem "Generationswechsel, der so noch nie da gewesen ist". Aktuell immerhin 15.000 Bewerbungen für die insgesamt 1700 Lehramtsstudienplätze in Sachsen belegen, dass es sich wohl um ein Steuerungsproblem handelt - fast niemand will aufs Land, obwohl viele Lehramtsstudenten dort mal zu Hause waren.

Oftmals gehe die Bindung während des Studiums in Dresden, Leipzig oder Chemnitz verloren, sagte Kurth. Wobei Chemnitz davon eher nicht zu profitieren scheint, ist doch in dieser Region der Lehrerbedarf besonders groß. Das bestätigt auch Lutz Steinert, Sprecher der auch für Mittelsachsen und den Erzgebirgskreis zuständigen Regionalstelle der Bildungsagentur (SBA): "Wir haben noch im laufenden Schuljahr die Möglichkeit von Einstellungen." Es gehe um befristete und unbefristete Stellen an Grund-, Ober- und Förderschulen.

Vom "Sachsen-Stipendium" ausgeschlossen sind dagegen Lehramtsstudenten, die später in Dresden oder Leipzig inklusive Speckgürtel arbeiten wollen. Dennoch rechnet Kurth mit genügend Interessenten. Wer sich darauf einlässt, kann mit besonderer Fürsorge rechnen, etwa durch Fortbildungsangebote. Allerdings muss er bereits die Praktika in der "Bedarfsregion" absolvieren und sich nach Studienende zum nächstmöglichen Termin bewerben. Sachsen garantiert - bei erfolgreichem Abschluss - einen unbefristeten Job auf dem Gebiet der jeweiligen SBA-Regionalstelle. Aber selbst ein Sachsenstipendiat kann sich seine Schule nicht aussuchen: Wer nach Bautzen will, landet womöglich in Kamenz. Oder Weißwasser. (mit oha)

 

Frist bis 30. Oktober

Bewerben können sich nur Lehramtsstudenten für Grund-, Ober- und Förderschulen zu Beginn des fünften, siebten oder neunten Semesters. Ausschlaggebend ist neben Studienleistung, persönlicher Eignung und Motivation die Verpflichtung, nach Studienabschluss mindestens so lange, wie zuvor das Stipendium bezogen wurde, in der vereinbarten "Bedarfsregion" zu arbeiten. Wer sich nicht daran hält oder sein Studium abbricht, muss mit Rückzahlung rechnen. Bewerbungsschluss ist der 30. Oktober.

www.lehrer-werden-in-sachsen.de

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1Kommentare
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  • 1
    1
    berndischulzi
    11.12.2015

    Warum macht man das nicht einfach wie früher, da mußten die Absolventen ein paar Jahre dorthin wo sie gebraucht wurden.



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