Start für erstes neues Bergwerk

Seit 1991 gibt es bis auf das Kalkwerk Lengefeld keinen aktiven Bergbau mehr im Erzgebirge. In dessen 800-jähriger Geschichte beginnt in dieser Woche ein neues Kapitel.

Niederschlag.

Drei Jahre nach Beginn der Erschließung nimmt am Freitag zum ersten Mal nach rund vier Jahrzehnten in Deutschland ein neues Bergwerk den Betrieb auf: die Grube Niederschlag zwischen Bärenstein und Oberwiesenthal. Seit wenigen Wochen läuft der Probetrieb der Anlagen, mit denen Fluss- und Schwerspat gefördert und aufbereitet werden soll - ein wichtiger Rohstoff für die chemische Industrie und die Baustoffbranche.

Im ersten Jahr soll die Produktion nach Angaben der Erzgebirgischen Fluss- und Schwerspat (EFS) GmbH 80.000 Tonnen erreichen. Bei voller Leistung sind später laut Geschäftsführung 135.000 Tonnen Jahresproduktion angepeilt. Die Grube Niederschlag wird mit dann etwa 35 Beschäftigten nach der Grube "Clara" im Nordschwarzwald der zweite Spatproduzent in Deutschland sein. Der Jahresbedarf in Deutschland liegt aktuell bei 250.000 Tonnen, zu einem erheblichen Teil wird er bisher aus Importen abgedeckt. Die EFS schätzt, dass die Vorräte im Umfang von mehr als 3,5 Millionen Tonnen für 25 bis 30 Jahre Bergbautätigkeit an dem Standort reichen.

Das für die Erschließung und Förderung gegründete Unternehmen war das erste - von heute drei - in Sachsen, das vom Oberbergamt in Freiberg die Genehmigung erhielt, Bodenschätze zu gewinnen. Neben Niederschlag sind das Pöhla bei Schwarzenberg und Schleife in Ostsachsen. Das Bergwerk ist laut Oberberghauptmann Bernhard Cramer ein Leuchtturmprojekt im Freistaat.

Die eigentliche Besonderheit des Bergwerks besteht darin, dass unter Tage - in zwei Kavernen - eine 65 Meter lange und 14 Meter hohe maßgeschneiderte Aufbereitungsanlage errichtet wurde. In dieser Fabrik erfolgt eine Vorsortierung des Erzes, bevor es zur weiteren Aufbereitung in die Nickelhütte Aue transportiert wird. Durch diese Vorsortierung mittels Röntgenstrahlen und Luftströmen wird es in Niederschlag keine neuen Bergbauhalden geben. Der nicht benötigte Abraum bleibt unter der Erde. Er wird dort zwischengelagert und zur Verfüllung von ausgebeuteten Hohlräumen verwendet. "Das macht auch Sinn, weil der Spatanteil bei 60 bis 70 Prozent liegt, also relativ wenig taubes Gestein anfällt", erläuterte Peter Koch, Geschäftsführender Gesellschafter. Der in der Nickelhütte Aue in einer zweiten Aufbereitungsstufe gewonnene Rohstoff soll nach Dohna bei Dresden verkauft werden, um daraus Flusssäure für die chemische Industrie zu machen.

Eine weitere Besonderheit der Grube ist, dass der Spat nicht über einen senkrechten Schacht und damit per Förderkorb, sondern über eine schräg in den Berg getriebene Rampe mit Lastern zu Tage gebracht wird. Auf diesem Weg erfolgte auch die Neuerschließung des Bergwerks. In jeder Schicht brachten Kumpel etwa 180 Tonnen Fels zum Einsturz und kamen so jeweils drei Meter vor.

Zur Vorgeschichte

In Niederschlag lebte 1947 der Bergbau schon einmal auf. Bis 1954 holte die Wismut hier mit bis zu 7000 Bergleuten 135 Tonnen Uran aus der Erde.

Bis 1959 fanden hier weitere Erkundungen statt - von vier Sohlen aus. Bereits 1966 gab es erste Pläne für das Bergwerk, die aber in den Schubladen blieben. In den 1970er-Jahren wurde ein zusätzliches Bohrprogramm zur Erkundung gestartet. Die Vorräte wurden danach auf weit mehr als 3,5 Millionen Tonnen Rohspat geschätzt, das Vorkommen als "Reservelagerstätte der DDR" eingestuft, aber nie angetastet.

Bisher hat das Oberbergamt Freiberg 18 Erlaubnisse zur Erkundung und drei zum Abbau von Lagerstätten in Sachsen erteilt. (gt)

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