Wie viel Wandern ist gesund?

Touren mit Anleitung locken Bewegungsmuffel an - Aktionstag bietet auch in Sachsen Gesundheitswandern

Wer an der frischen Luft unterwegs ist, fühlt sich danach gut - und manchmal auch geschafft. Wie oft und wie weit muss man wandern, damit es der Gesundheit dient? Und wie lockt man Bewegungsmuffel "hinterm Ofen" hervor? Gabriele Fleischer sprach dazu mit Professor Kuno Hottenrott, Präsident der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft und Institutsdirektor an der Martin-Luther-Uni Halle/Wittenberg. Anlass ist der Aktionstag Gesundheitswandern an diesem Sonntag.

Freie Presse: Sie propagieren das Gesundheitswandern. Ist Wandern denn nicht per se gesund?

Kuno Hottenrott: Dass Wandern gut für die Gesundheit ist, ist bekannt. Unklar war bisher, wie umfangreich und häufig gewandert werden muss, um nachhaltige und positive Gesundheitseffekte zu erzielen. Insofern stellten wir uns in einer Studie die Frage, wie man mit möglichst geringem Aufwand den Gesundheits- und Fitnesszustand von Menschen verändern kann, die bisher wenig Sport getrieben haben. 39 Berufstätige nahmen zweimal wöchentlich an 14 Wander-Trainingseinheiten zwischen 3,8 und 5,6 Kilometern teil. Diese standen jeweils unter einem bestimmten Thema - zum Beispiel richtiges Gehen, Geländewahrnehmung, Bewegungskoordination und Entspannungstechniken.

Und das Ergebnis?

Unser Fazit nach sieben Wochen: Die Ausdauerleistungsfähigkeit verbesserte sich, der oft zu hohe Blutdruck war gesunken, es wurden Körpergewicht und Körperfett reduziert. Zudem hatte sich die Bewegungskoordination der Teilnehmer verbessert.

Das heißt, auch mit kleinen Schritten lässt sich etwas für die Gesundheit tun?

Ja, es hat sich eindeutig gezeigt, dass derartige Gesundheitswanderkurse Bewegungsmangel und damit auch das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen minimieren. Zu wenige kleine Schritte dürfen es aber auch nicht sein. Wer nur einmal im Monat wandert und auch sonst keinen Sport ausübt, wird keine gesundheitlichen Effekte erzielen.

Sondern?

Wer etwas für seine Gesundheit tun will, muss zwei- bis dreimal in der Woche etwa 45 bis 60 Minuten oder vier- bis fünfmal in der Woche mindestens 30 Minuten körperlich aktiv sein. Das muss also gar nicht unbedingt eine Wandertour sein - vor oder nach der Arbeit eine Runde zügig gehen trägt bereits zur Gesundheitsförderung bei. 10.000 Schritte am Tag wären optimal.

Aber warum die Werbung mit dem Begriff Gesundheitswandern?

Der Begriff Gesundheitswandern wurde vom Deutschen Wanderverband im Rahmen des Projektes "Let's go - jeder Schritt hält fit" kreiert. Damit spricht man gezielt Menschen an, die sich wenig bewegen, aber aktiver werden wollen. Ohne Anleitung oder Anbindung an eine Gruppe schaffen sie es oft nicht. Deshalb ist diese moderate Wanderbewegung für sie genau richtig. Zudem kombinieren diese Touren kurze Strecken zu Fuß mit physiotherapeutischen Übungen, die Balance und Kondition schulen, den Körper beweglich machen und kräftigen.

Gesundheitswandern bedeutet also auch gezielte Betreuung?

Es ist ein Gruppenkursangebot unter Leitung ausgebildeter Gesundheitswanderführer, die die Strecken aussuchen und Übungen während der Tour anbieten. Insofern ist es Betreuung. Gesundheitliche Risiken muss aber jeder selbst einschätzen.

Mit vier bis sechs Kilometern sind die Strecken nicht sehr lang.

Aber ausreichend, denn die Teilnehmer haben meist jahrelang wenig oder keinen Sport getrieben. Das heißt, das körperliche Leistungsniveau ist nicht sehr hoch. Wandern ist der ideale Einstieg für regelmäßige körperliche Aktivität. Das Gehtempo wird der Leistungsfähigkeit der Teilnehmer angepasst. Niemand wird überfordert.

Wie ist die Resonanz?

Eine umfangreiche Befragung ergab, dass sich die Teilnehmer bereits nach wenigen Kurseinheiten fitter, weniger erschöpft und vitaler fühlen. Spaß in der Gruppe, Bewegung in der Natur sowie die bewusste Verbindung von Körper, Geist und Seele waren wesentliche Motive, sich dem Gesundheitswandern zu widmen.

Und wie sieht die Motivation nach den gemeinsamen Trainingseinheiten aus?

Gesundheitswandern befördert regelmäßige körperliche Aktivität. Die Teilnehmer werden motiviert, selbst weiterzumachen. Der gesundheitliche Gewinn überzeugt die meisten nach den Touren. Positiver Nebeneffekt: Gesundheitswanderer punkten für das Deutsche Wanderabzeichen, und einige gesetzliche Krankenkassen erkennen das Wanderabzeichen in ihrem Bonusprogramm an. In Sachsen sind das zum Beispiel IKK classic, AOK Plus und BKK Medicus.

Professor für Sportmedizin

Prof. Kuno Hottenrott ist Direktor des Instituts für Leistungsdiagnostik und Gesundheitsförderung der Universität Halle/Wittenberg. Am Institut für Sportwissenschaft leitet er den Bereich Trainingswissenschaft und Sportmedizin.

Hier können Sie für Ihre Gesundheit wandern

Wann? Aktionstag am 25. September: Strecken über vier bis fünf Kilometer, Schwierigkeit: leicht, befestigte Wege.

Wo? Zwei Touren stehen in Sachsen zur Wahl. Treffpunkt ist in 04749 Ostrau, Parkplatz "Eschke Mühle", Karl-Marx-Straße, 10 Uhr - und in 04749 Döbeln, Steigerhausplatz, 17 Uhr.

Anmeldungen entweder vor Ort oder vorab unter Telefon 034324 23650 oder 0162 71 335 73 bzw. per Email: SilkeSchubert-Ostrau@t-online.de

Ausrüstung: Getränke und wetterfeste Kleidung sollten dabei sein.

Wandern in Etappen: Start mit Aufwärm- und Ausdauerphase, während der Tour Übungen zur Kräftigung, Koordination, Mobilisierung und Ernährungstipps. Nach der Tour dehnen, entspannen, auswerten.

Begleitung: Heilpädagogin Silke Schubert, erste zertifizierte Gesundheitswanderführerin in der Region, organisiert und begleitet beide Touren. Sie bestätigt auch die Leistungen und beantragt Urkunden und Wanderabzeichen beim Wanderverband.

www.gesundheitswanderfuehrer.de

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...