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Marc Huster, dessen Heimtrainer Bernd Grabsch war, jubelt bei der EM in Riesa 1998 nach sechs gültigen Versuchen über dreimal Gold.

Foto: dpa/Archiv

Als vor 20 Jahren die Halle bebte ...

Marc Huster gehört zu den erfolgreichsten Gewichthebern der Welt. Der Dresdner startete auch für den Chemnitzer AC und feiert in diesem Monat ein besonderes Jubiläum.

Von Martina Martin
erschienen am 05.05.2018

Chemnitz. Das Hallo war groß, als sich die Eisenstemmer wiedertrafen. Der Chemnitzer Athletenclub (CAC) hatte anlässlich seines 130-jährigen Bestehens zum Traditionstreffen eingeladen und fast alle Erfolgsgaranten waren gekommen. Unter ihnen konnte ein Herkules fast auf den Tag genau ein besonderes Jubiläum feiern. Anfang Mai vor 20 Jahren erkämpfte Marc Huster bei der Europameisterschaft vor heimischer Kulisse in Riesa alle drei Titel im Zweikampf, im Reißen und im Stoßen. Mit sechs gültigen Versuchen legte er einen sensationellen Wettkampf hin, konnte auch seinen Dauerrivalen Pyrros Dimas aus Griechenland (1996, 2000 vor ihm Olympiasieger) bezwingen.

"Das war damals eine Riesennummer für die Stadt, das Gewichtheben, es hat alles perfekt funktioniert. Deutschland erlebte mit zehn Goldmedaillen ein kleines Märchen", berichtet der heute 47-Jährige. Neben ihm konnten auch Oliver Caruso, Superschwergewichtler Ronny Weller, der sich mit Rekorden gleichzeitig zum stärksten Mann der Welt kürte, drei Triumphe feiern. Und mit Monique Riesterer stand erstmals eine Frau aus Deutschland auf dem obersten Podest. Marc Huster kann sich auf Anhieb an noch viele Details, auch drumherum, erinnern. "Spontan fallen mir die blühenden Rapsfelder auf der Fahrt von Dresden ein. Diese schönen Bilder sind hängengeblieben und gehörten damals wie die von Siegerehrungen zu meinen Glücksankern, die ich mir immer vor Wettkämpfen suchte", erzählt der einstige Weltklasseathlet, ehe er seinen eigenen Wettkampf Revue passieren lässt.

Als er auf dem Weg von der Schwimmhalle, in der das Wiegen stattfand, zur Arena an den am Eingang wartenden Anhängern vorbeilief und gefühlt ihm jeder etwas zurief, spürte er die enorme Erwartungshaltung, plötzlich einen brutalen Druck. Im Aufwärmraum gab ihm Bundestrainer Frank Mantek ein Olympiabuch als Ablenkung in die Hand. Doch das half gegen die große Aufregung wenig. "Ich musste mich irgendwie sammeln. Als ich dann eine Hantel anfasste und in den gewohnten Bewegungsablauf kam, war alles wie immer", weiß er noch genau, wie er diese schwierige Situation meisterte. Dabei gelang es ihm, auch die nicht optimale Vorbereitung wegen Oberschenkelproblemen völlig auszublenden.

Vor der begeistert mitgehenden Kulisse in der ausverkauften Halle strotzte er dann vor Selbstvertrauen, es klappte alles. Als er nach dem sechsten perfekten Auftritt seine typischen Freudensprünge vollführte, verwandelte sich die Halle in ein Tollhaus. "Diese Möglichkeit eines Freuden-Urknalles innerhalb von Zehntelsekunden erlebst du nur im Sport. So etwas gab es danach nie mehr für mich", gerät Marc Huster über diese "Gefühlsexplosionen" noch immer ins Schwärmen.

Solche emotionalen Reaktionen brachen in seiner außergewöhnlichen Karriere mehrfach aus ihm heraus. Dabei hebt der Gewinner von 23 Medaillen bei internationalen Top-Events selbst noch weitere drei Ereignisse hervor. Zunächst den ersten von vier Weltrekorden, den er bei der WM 1993 in Melbourne mit 210 Kilogramm im Stoßen aufstellte und sich damit auch den ersten seiner fünf WM-Titel sicherte. Bei Olympia 1996 in Atlanta hatte er vor seinem letzten Versuch Silber schon sicher. Die Zuschauer flippten aus, als er eine Last auflegen ließ, um den gerade markierten Weltrekord von Dimas nochmals zu steigern. "Da bekam ich Gänsehaut und wohl den letzten Kick." Vier Jahre später in Sydney durfte er sich sogar kurze Zeit als Olympiasieger fühlen, nachdem ihm trotz Krämpfen erneut eine Supervorstellung mit persönlichen Bestleistungen gelungen war. Dimas konterte und brachte seinen Versuch gerade so zur Hochstrecke. Für beide standen 390 kg im Zweikampf zu Buche - über Gold entschied das um 160 Gramm geringere Körpergewicht für den Griechen. Die ersten Momente der Enttäuschung verflogen jedoch schnell.

Geballte Power des Chemnitzer AC: Die erfolgreichen Olympiastarter Matthias Steiner (2008: Gold), Frank Mantek (1980: Bronze), Werner Arnold (1960: 12. Platz), Ingo Steinhöfel (1988: Silber), Stefan Grützner (1972: Bronze, hinten von links) sowie Joachim Kunz (1988: Gold; 1980: Silber), Marc Huster (1996, 2000: Silber) und Andreas Letz (1980: 4. Platz, vorn v. l.).

Foto: Kristin Schmidt

"Sicher ist jede Medaille für die Abrechenbarkeit wichtig. Aber tief drin in mir empfinde ich eine große Zufriedenheit, dass ich mein Leistungspotenzial in diesen Drucksituationen, wenn es notwendig war, ausgeschöpft habe", resümiert Marc Huster, der nicht eine wichtige Bewährungsprobe in den Sand setzte. Einzig bei seinem Olympiadebüt 1992 lief es nicht ganz wie gewünscht. Dennoch nahm er als Siebenter die Gewissheit aus Barcelona mit, dass die Weltspitze erreichbar war. Ein Jahr später hob er mittendrin. In jener Zeit startete er für den CAC in der Bundesliga, erkämpfte zwei Mannschaftstitel (1995, 1996) mit und gehörte zum Team, das sich 1997 mit dem noch bestehenden deutschen Rekord von 1132,3 Punkten in die Annalen eintrug.

Im Mai 2002 verkündete er seinen Rücktritt. Seine letzte WM 2001 musste er wegen einer Ellenbogenverletzung abbrechen. Zudem hatte er im Training gemerkt, dass er als 31-Jähriger nicht mehr die notwendigen Parameter erreichte, ihm die letzten Prozente Motivation fehlten. Gleichzeitig erhielt er bereits eine berufliche Offerte vom MDR. Schon als Aktiver hatte er sich als Co-Kommentator bei Eurosport erste Sporen verdient, übt diesen Job bis heute aus. "Ich wollte auch, dass sich die Leute an einen erfolgreichen Sportler erinnern, diese hart erarbeitete Popularität für meinen weiteren Weg nutzen", meint Marc Huster. Er absolvierte ein Studium für Sport-, Veranstaltungs- und Marketing-Management.

Gleichzeitig begann er auch sein Showtalent für ein weiteres Standbein als Moderator zu nutzen. Inzwischen ist er bei den verschiedensten Anlässen ein gefragter Mann, erfüllt auf diesem Gebiet hohe qualitative Ansprüche. Nach einem Ausflug in die Wirtschaft, als er ein Einrichtungshaus mit leitete, kehrte er 2013 zum Fernsehen zurück. Seither ist er als freier Mitarbeiter für den Sachsenspiegel tätig. Zudem wirkt er im Referententeam des Verbandes für die Langhantelausbildung mit. Für die eigene Fitness betätigt sich Marc Huster zweimal wöchentlich mit Gefährten in der Halle des DSC.

Zur Person: Marc Huster 

Der Ausnahmeathletwurde am 1. Juli 1970 in Altdöbern (Lausitz) geboren. Er wuchs in Lübbenau auf, wo er zunächst als Schwimmer aktiv war. Später wechselte er zum Gewichtheben. Ab 1983 trainierte er in Dresden.

Seine größten Erfolge feierte er als zweifacher olympischer Silbermedaillengewinner (1996; 2000), fünffacher Weltmeister sowie siebenfacher Europameister. Dabei gelang ihm als dreifacher Zweikampf-Europameister in Folge in der Historie etwas Einmaliges. Zudem stellte er vier Weltrekorde und eine europäische Bestmarke auf. In der Klasse bis 85 kg hält er noch immer die deutschen Rekorde.

Marc Huster lebt mit seiner Partnerin Manja und den Kindern Mira (4 Jahre) und Romeo (7 Monate) in Dresden. Aus der Ehe mit Sandra stammt Sohn Niklas (16 Jahre).

 
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