Andi Weinhold sagt Adieu

Wenn morgen in Bautzen die Mountainbike-Asse traditionell ihren Saisonauftakt vollziehen, steht der Erzgebirger erstmals seit 20 Jahren nicht mehr an der Startlinie. Der in dieser Disziplin erfolgreichste Spezialist aus der Region hat seine Karriere beendet.

Chemnitz.

Aus der Ferne verfolgt Andi Weinhold weiter das Geschehen in seiner Spezialdisziplin, doch Wehmut kommt, wie er versichert, keineswegs auf. Die Entscheidung, ab diesem Jahr nicht mehr bei Wettkämpfen in die Pedale zu treten, hat er bewusst und entsprechend seinem Credo getroffen. "Wenn ich einer Sache mit vollem Engagement nachgehen will, dann ganz oder gar nicht. Ich war mit Leib und Seele Leistungssportler. Aber jetzt besitzt für mich meine berufliche Tätigkeit absolute Priorität", begründet der 29-Jährige. Und er sprüht vor Begeisterung, wenn er über sein Aufgabengebiet spricht. Er arbeitet als Geschäftsführer des Vereines Annaberger Land sowie gleichzeitig als Regionalmanager zur Koordination eines EU-Förderprogramms für den ländlichen Raum. Die vielfältigsten Projekte, Veranstaltungen oder Aktivitäten in Bereichen wie Infrastruktur, Tourismus oder Heimatpflege werden unter seiner Verantwortung angeregt, begleitet oder organisiert. So ist er auch oft zusätzlich in den Abendstunden oder an Wochenenden unterwegs, präsentiert Programme und Initiativen vor Stadt- oder Ortschaftsräten.

Schwärmerei für das Erzgebirge

"Das macht mir alles viel Spaß. Ich habe meine Erfüllung gefunden, kann etwas bewegen und entwickeln", sagt Andi Weinhold. Bei der Bewerbung für diese Jobs war vor allem ausschlaggebend, dass er sich für sein geliebtes Erzgebirge engagieren kann. In Hilmersdorf nahe der berühmten Heinzebank aufgewachsen, war von Beginn an das Radfahren im Gelände seine Welt. "Ich konnte mir in den insgesamt 23 Jahren, in denen ich aktiv war, meine Heimat auf einzigartige Weise erschließen, genoss die Natur aus traumhaften Perspektiven", gerät Andi Weinhold ins Schwärmen. Er hat nach seiner eigenen Statistik über 200.000 Kilometer auf dem Mountainbike absolviert - die meisten in seiner näheren Umgebung. "Während der Zeit, als ich das Sportgymnasium in Chemnitz besuchte, bin ich mit dem Rucksack auf dem Rücken nach Hause gefahren", erinnert sich der einstige Auswahlakteur. In jenen Jahren galt er als Exot, denn er war der einzige Sportler am Stützpunkt, der sich speziell dieser Disziplin widmete.

Einst hatte ihn sein Vater, der ein Fahrradgeschäft betreibt, zum Biken animiert. Beim RSC 93 Marienberg - im Verein ist er bis heute Mitglied - betreute ihn zunächst Uwe Bärmig. Im Jahr 2000 ergab sich dann die Möglichkeit, nach Chemnitz zu wechseln. Dort fand er die optimalen Bedingungen vor, um seine Leidenschaft und die schulischen Anforderungen bestmöglich zu bewältigen. Unter den Fittichen von Coach Bert Dressel, bei dem er Gruppen- und Einzeltraining gut vereinbaren konnte, entwickelte er sich zu einem Spitzenfahrer in Deutschland. Er feierte im Nachwuchs beachtliche Erfolge, gewann einen Titel und mehrfach Medaillen bei Meisterschaften, in der Bundesliga Rennen und die Gesamtwertung.

Bei der Junioren-WM 2004 verfehlte er als Vierter das Podest knapp. In derselben Saison holte er bei der EM der Elite mit der Mannschaft Silber. "Wir haben sogar ein Stück Mountainbike-Geschichte geschrieben, denn es war die erste Medaille, die es im Team für Deutschland gab", erinnert sich der Erzgebirger. Er konnte in jener Zeit nicht ahnen, dass es seine wertvollsten Resultate bleiben sollten. Die Ambitionen gingen neben weiteren internationalen Top-Ereignissen bis zu hin zu einer Olympiateilnahme. Kein Ziel, das aus der Luft gegriffen war. "Andi ist der talentierteste Nachwuchsfahrer, den es in Deutschland gibt", wertete damals unter anderem Marc Hanisch, Manager des Freiburger Teams, dem er angehörte. Als einziger Junior wurde er auf Anhieb in die Nationalmannschaft übernommen. Es folgten im U-23-Bereich weitere fünf EM- und drei WM-Teilnahmen, aber auch so manche ungewollte "Bremseinlage". Eine Knieverletzung, das Pfeiffersche Drüsenfieber oder ein Beinbruch warfen ihn zurück. Dazu kamen teilweise unverständliche Nichtnominierungen für Saisonhöhepunkte oder wie 2006 eine kurzfristige Ausbootung.

Rückblick voller Zufriedenheit

Andi Weinhold stand immer wieder auf und kämpfte mit Vehemenz, doch es wurde für ihn stetig schwerer, sich gegen die Konkurrenz der Vollprofis zu behaupten. Mit Blick auf die Zukunft begann er 2008 zudem parallel an der TU in Chemnitz ein Studium (Wirtschaftswissenschaften, Europastudien), womit er sein Trainingspensum zwangsläufig etwas reduzieren musste. Weiterhin bestritt er jedoch Weltcups und Bundesligarennen, bestimmte im mitteldeutschen Raum bei den separaten Meisterschaften und Pokalwettbewerben über Jahre hinweg die Spitze. "Ich war Feuer und Flamme für meinen Sport, bin in der Natur an meine Grenzen gegangen. Das Level für ganz oben habe ich letztlich nicht geschafft", schätzt Andi Weinhold ein - aber ohne jeglichen Groll. Er blickt zufrieden zurück auf viele unvergessliche Ereignisse, Begegnungen und auch Momente für die Ewigkeit, die er erleben durfte. Dazu zählt ganz besonders die erfolgreiche Bewältigung der "Cape Epic" 2012. Diese Tour über acht Tage (761 km, 16.000 Höhenmeter) in Südafrika gilt als das härteste Mountainbike-Etappenrennen der Welt. Nebenher pflegt er zudem noch ein seltenes Hobby, das ihn an all seine Unternehmungen erinnert. Er sammelt Kronkorken, besitzt inzwischen eine stattliche Sammlung von über 4000 Exemplaren aus 38 Ländern.

Der erfolgreichste Mountainbiker der Region bestreitet zwar keine Wettkämpfe mehr, doch er bleibt aktiv. Kraft- und Athletikeinheiten versucht er regelmäßig zu absolvieren, dazu wenn möglich mehrstündige Touren auf seinem liebsten Gefährt. "Es ist die beste Abwechslung für mich. So kann ich weiter die Natur genießen, die mich auch zu neuen Ideen inspiriert." Eine Leben ohne seine Leidenschaft wäre für Andi Weinhold wohl undenkbar.

Andi Weinhold

Der gebürtige Zschopauer war 23 Jahre als Mountainbiker aktiv. In dieser Zeit bestritt er über 600 Rennen. Von 1994 bis 2000 spielte er zudem parallel aktiv Radball.

Seine größten Erfolge feierte er 2004 als Zweiter der Elite-EM mit dem Team und als Vierter der Junioren-WM. Im U-23-Bereich nahm er dreimal an einer WM und fünfmal an einer EM teil. Bei Deutschen Meisterschaften gewann er einmal Gold, dreimal Silber und zweimal Bronze.

Sechs Jahre war er Mitglied der Nationalmannschaft, erreichte beachtliche Ergebnisse bei Weltcups und in der Bundesliga. (mm)

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