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Marcel Halstenberg, jüngst im Spiel gegen den FC Bayern, hat bei den "Bullen" in Leipzig eine positive Entwicklung genommen.

Foto: Imago

Auf Umwegen zum Nationalspieler

Es gibt Anrufe, die man nicht verpassen sollte. Marcel Halstenberg ist aber genau das passiert. Dennoch darf der Fußballprofi von RB Leipzig mit zur DFB-Elf reisen. Seine Entwicklung steht sinnbildlich für die des Vereins.

Von Fabian Held
erschienen am 07.11.2017

Leipzig. Um 10.30 Uhr kam am vergangenen Donnerstag der Anruf, der das Leben von Marcel Halstenberg erst einmal auf den Kopf stellte. Ein gewisser Joachim Löw hinterließ eine Nachricht auf der Mailbox, da Halstenberg nicht ran ging. "Dann habe ich zurückgerufen. Er hat sich vorgestellt, wir haben ein bisschen geplaudert", erzählt der Linksverteidiger in Diensten von RB Leipzig. "Er hat mir gesagt, dass er mich gerne nominieren würde und sehen will, wie ich mich in den nächsten zwei Wochen mache."

Nach Diego Demme und Timo Werner ist Halstenberg nun der dritte Spieler in der jungen Leipziger Vereinsgeschichte, der zur Nationalmannschaft eingeladen wurde. Der 26-Jährige habe sich sehr gefreut, erzählt er, auch wenn der Geburtstag der Ehefrau diese Woche dann leider ausfallen muss. "Darüber kann sie lachen", grinst Marcel Halstenberg.

Vor etwas mehr als zwei Jahren, am letzten Tag der Transferperiode, war Halstenberg vom FC St. Pauli nach Leipzig gewechselt. Seitdem hat er den steilen Aufstieg von der 2. Bundesliga in die Champions League mitgemacht. In 81 Pflichtspielen stand er für die Bullen auf dem Rasen, darunter auch in den vier Partien in der Königsklasse. Zwei Tore und neun Vorlagen stehen in seiner Bilanz.

Dass es Halstenberg eines Tages zum Nationalspieler bringen würde, war nicht unbedingt abzusehen. Geboren in der Nähe von Hannover, durchlief er zwölf Jahre lang die Jugendmannschaften von Hannover 96. Über die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund landete er dann in Hamburg. 3,5 Millionen Euro sollen die Leipziger für Halstenberg an St. Pauli überwiesen haben. Geld, das sich gelohnt hat. Zum einen dürfte der Wiederverkaufswert nun deutlich höher sein. Zum anderen sind gute Linksverteidiger in der Bundesliga, zumal aus Deutschland stammend, sehr rar gesät. Auch auf Nationalmannschaftsebene hat Marcel Halstenberg mittlerweile durchaus Chancen, auf den WM-Zug noch aufzuspringen. Mit Jonas Hector (Köln) und Marvin Plattenhard (Berlin) gibt es nur zwei ernsthafte Konkurrenten.

Eine Kampfansage in Richtung WM war von Halstenberg nicht zu hören. Überhaupt ist der Niedersachse eher ein leiserer Typ. Große Töne oder ein extravagantes Auftreten sind nicht die Sache des Rotschopfes. Vielmehr wolle er im Kreise der besten deutschen Fußballspieler "alles aufsaugen".

Für viele Beobachter kam die Nominierung Halstenbergs durchaus überraschend. Vielleicht auch deshalb, weil der 1,86 Meter große Linksfuß auch auf dem Platz vor allem ruhig und abgeklärt, aber selten spektakulär spielt. "Es hat mich nicht so sehr überrascht, weil ich vorher mit dem Teamchef telefoniert habe", meint dagegen Trainer Ralph Hasenhüttl lachend und setzt dann zu einer Lobeshymne an: "Ich finde, dass Marcel auch international gezeigt hat, dass er mithalten kann. Er hat für einen Außenverteidiger sehr viele Qualitäten. Er ist sehr schnell, hat ein super Kopfballspiel, ist fußballerisch sehr, sehr gut."

Am Freitag (21 Uhr) und am Dienstag (20.45 Uhr) stehen für die DFB-Elf Testspiele gegen England und Frankreich an. Neben Halstenberg steht auch dessen Teamkollege Werner im Aufgebot. Auch ein Indiz dafür, welche Entwicklung die Mannschaft und die einzelnen Spieler in den vergangenen Jahren genommen haben.

 
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