Bereit zur 4000-Kilometer-Tortur

Die zwölf Starter für das Projekt Lauf-Kultour sind nominiert. Neun Aktive nehmen den bundesweit längsten Staffellauf, bei dem Deutschland innerhalb von 16 Tagen umrundet wird, nächste Woche zum ersten Mal in Angriff. Zu ihnen gehören Franziska Küttner und Falko Wagner.

Das Training ist heruntergefahren, der Gesundheits-Check absolviert: Die achte Auflage der Lauf-Kultour, bei der eine Studentenstaffel der TU Chemnitz Deutschland umrundet, kann beginnen. "Alle zwölf Läufer sind nominiert, und auch die acht Radbegleiter stehen fest", sagt Mitorganisator Steffen Kehrer. Das erneute Abenteuer einer Deutschland-Umrundung innerhalb von 16 Tagen wird am Mittwoch im Rahmen des Chemnitzer Firmenlaufs gestartet. "Auch die Finanzierung ist gesichert, wenngleich wir jedes Jahr aufs Neue Sponsoren suchen müssen", berichtet Kehrer.

Geld sammeln für Muskelkranke

Auch diesmal will die TU-Staffel während ihrer rund 4000 Kilometer langen Strapaze Werbung für die Stadt sowie die Uni machen - und Geld für einen guten Zweck sammeln. "Diesmal haben wir uns für den Verein Benni und Co. entschieden, der sich um muskelkranke Jungen kümmert", erklärt der Lauf-Kultourist. Bundesweit seien annähernd 3000 Kinder von der unheilbaren Krankheit, die Duchenne-Muskeldystrophie heißt und nur beim männlichen Geschlecht auftritt, betroffen.

"Dass wir für so einen guten Zweck unterwegs sind, steht für mich im Mittelpunkt", betont Franziska Küttner. Die 21-Jährige gehört zu den Läufern, die sich das erste Mal an der Deutschland-Umrundung beteiligen. "Ich habe mir das trotz aller Strapazen, die auf mich zukommen, genau überlegt", sagt die Pädagogik-Studentin, die aus Lauenstein bei Pirna stammt. Auslöser sei eine Veranstaltung im Frühjahr auf dem Uni-Campus gewesen. Damals wurde ein Film der Mittweidaer Medien-Studentin Stephanie Nietzold vorgestellt, die das Team der Lauf-Kultour 2013 mit der Video-Kamera begleitet hatte. Dabei entstand ein gleichermaßen heiterer wie emotionaler Streifen über diese deutschlandweit einmalige Aktion.

Allerdings konnte sich Franziska Küttner nicht sicher sein, ob sie den Sprung in die 2014er-Staffel schafft. "Anfangs gab es viele Bewerber. Es waren über 30 für die 12 Plätze", berichtet die TU-Studentin. Aber dann sei die Anzahl der Kandidaten wie bei einer natürlichen Auslese geschrumpft. "Einige schieden freiwillig aus, weil ihnen das Training zu anstrengend wurde. Andere waren verletzt oder konnten studienbedingt nicht dabei bleiben", erklärt die junge Frau. Sie selbst sei schon immer sportbegeistert gewesen. "Ich habe früher Volleyball, Handball und Fußball gespielt. Regelmäßig laufen gehe ich seit drei Jahren", so die angehende Pädagogin.

Mit ihrem anfänglichen Pensum von zwei- bis dreimal die Woche joggen, um den Kopf frei zu kriegen, würde sie bei der Lauf-Kultour nicht weit kommen. Während der härtesten Trainingsphase in diesem Sommer waren die Staffel-Teilnehmer angehalten, 100 Kilometer pro Woche zurückzulegen. Das schaffte Franziska Küttner nicht ganz. "Ich hatte zwischenzeitlich eine Fußverletzung, die inzwischen aber keine Rolle mehr spielt. So lag mein größtes Pensum bei 80 Kilometern in einer Woche." Sie sei stolz, für das Team nominiert worden zu sein. Das vielleicht größte Problem während des Staffellaufs könnte für sie der Schlafmangel werden. "Pro Tag sind nicht mehr als drei, vier Stunden drin. Und nach unserer Rückkehr komme ich wegen eines Praktikums auch nicht dazu, viel Schlaf nachzuholen", sagt die 21-Jährige, die sich eine üppige Haus-Apotheke für die Staffel-Tortur zusammenstellen will. "Ich nehme alles Mögliche mit - bis hin zum Mückenspray."

110 Kilometer pro Woche

Auch Falko Wagner fiebert dem Start am nächsten Mittwoch entgegen. Er kommt aus Pockau bei Marienberg und studiert in Chemnitz Maschinenbau-Technik. "Ich bin erst seit zwei Jahren Läufer. Anfangs habe ich nur für mich trainiert, in letzter Zeit ist es intensiver geworden", berichtet der 25-Jährige. Durch eine Rundmail an Mitarbeiter und Studenten der TU sei er auf die Lauf-Kultour aufmerksam geworden. Und auch er war bei der Vorstellung des Films im Frühjahr zu Gast. Jetzt ist der Erzgebirger mittendrin statt nur dabei. "Ich fühle mich fit für diese Herausforderung, bin zuletzt 110 Kilometer pro Woche gelaufen", sagt Wagner.

Trotzdem: Respekt vor der Deutschland-Umrundung, in deren Verlauf jeder Teilnehmer täglich rund 20 Kilometer zurücklegen muss, hat auch er. "Neben der hohen körperlichen Belastung wird bestimmt der Schlafmangel das Schlimmste", vermutet auch Wagner. Die Tatsache, dass für einen guten Zweck gelaufen wird, motiviere ihn zusätzlich. Beide Neuzugänge betonen zudem, dass sich für die diesjährige Lauf-Kultour eine dufte Truppe gefunden hat. Diskussionen wegen der Frauenquote gibt's auch keine: Bei fünf der zwölf Staffelmitglieder handelt es sich um junge Damen.

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