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Überzeugender Auftritt gegen Karlsruhe: Björn Kluft hat seine Rolle beim CFC gefunden.

Foto: Sven Sonntag/Picture Point

Björn Kluft will jetzt durchstarten

Die Geschichte des Fußballers Björn Kluft ist eine Geschichte von vielen Verletzungen. Angst vor einem erneuten Rückschlag hat der CFC-Stürmer nicht. Denn Angst ist ein schlechter Ratgeber.

Von Thomas Scholze
erschienen am 14.09.2017

Chemnitz. Von wegen der Chemnitzer FC hat nur zwei Torhüter im Kader. Wenn Not am Mann ist, gibt es einen dritten: Björn Kluft: "Ich war in meinen ersten Fußballerjahren Torwart. Mein Vater stand im Tor, das wollte ich auch", sagt der 27-Jährige, der seit Juli das Trikot des Chemnitzer FC trägt. Bei einem Kleinfeldturnier entdeckte dann 1999 ein Scout von Bayer Leverkusen den flinken Björn - als Feldspieler. "Bei diesem Turnier gab es keine Torhüter, also kickte ich draußen", erinnert sich Kluft. Er wechselte in die Bayer-Jugendabteilung. Die Torwartkarriere war zu Ende, der Blondschopf wurde zum Mittelfeldspieler, später zum Stürmer umfunktioniert. Als solchen hat ihn auch der CFC verpflichtet. In allen sieben Saisonspielen (inklusive der Pokalpartie gegen den FC Bayern) war er im Einsatz, am Samstag beim 0:0 gegen den Karlsruher SC das erste Mal von Anfang an.

Kluft machte seine Sache sehr gut, über die linke Außenbahn viel Betrieb - und fast ein Tor. Aus 25 Metern zog er in der 60. Minute mit seinem starken linken Fuß ab, nur knapp zischte der Ball am rechten Dreiangel des KSC-Kastens vorbei. "Ich bin ganz zufrieden mit meiner Vorstellung", schätzt er ein, "wie mit dem Auftritt der gesamten Mannschaft. Das war eine gewaltige Steigerung im Vergleich zum Auftritt in Unterhaching."

Weil die Mannschaft mit dem 4-4-2 besser klarkommt als mit dem System davor? "Ja, offensichtlich ist das einfacher zu beherrschen. Diese Umstellung hat uns geholfen", bestätigt Kluft. In Chemnitz brauchte er ein wenig Anlaufzeit, schließlich kam er erst zum Ende der Vorbereitung zu den Himmelblauen. "Ich habe mich zwar selbst fitgehalten, bin viel gelaufen, war auch zwei-, dreimal auf dem Platz. Aber eben allein. Das Mannschaftstraining ist durch nichts zu ersetzen", sagt Kluft, "ich bin dem Trainer dankbar, dass er geduldig war, mir die Zeit zum Aufholen des Verpassten gegeben hat." Nun will der Familienvater - der ein Jahr alte Sohnemann Milan unternimmt unter den Fittichen vom Mama Charleen gerade erste Gehversuche - beim CFC durchstarten: "Ich möchte hier natürlich Stammspieler werden, das ist mein Anspruch an mich selbst." Und vielleicht auch noch ein paar mehr Tore schießen als das bislang eine bei der 2:3-Niederlage in Paderborn.

Zum Beispiel schon morgen (Anstoß 19 Uhr) beim SV Wehen. Die Wiesbadener sind zwar mit drei Siegen in die Saison gestartet, haben aber seit 1. August auch kein Spiel mehr gewonnen. "Ein vielleicht angeschlagener, aber auch ein starker, ehrgeiziger Gegner", weiß der Angreifer, "aber wenn wir so auftreten wie gegen Karlsruhe, können wir dort etwas mitnehmen, sogar gewinnen. Wir dürfen keine Angst haben."

Angst kennt Björn Kluft ohnehin nicht. Er bringt in jedem Spiel vollen Einsatz - und das, obwohl er wegen mehrerer langwieriger Knieverletzungen große Rückschläge in seiner Karriere verkraften musste. In Braunschweig konnte er in der Saison 2012/13, als die Eintracht in die Bundesliga aufstieg, nur einmal im allerletzten Spiel beim 2:2 gegen den FSV Frankfurt mitwirken. Auch mit Aue stieg er auf - 2015/16 in die 2. Bundesliga. Sein letztes Spiel für den FC Erzgebirge bestritt er allerdings dabei schon am 30. Oktober 2015 - daheim gegen Wiesbaden. In der 45. Minute war Kluft eingewechselt worden, keine Viertelstunde später zog er sich bei einem Zweikampf einen Meniskusschaden im linken Knie zu. Er biss auf die Zähne. Mit dem schmerzenden linken Bein leistete Björn Kluft in der Nachspielzeit die Vorarbeit zum 1:1-Ausgleich von Steve Breitkreuz. Es folgten seine schwersten Monate, in denen er an ganz schlechten Tagen auch schon das Karriereende befürchtete.

Es hat gedauert mit der Genesung. Seit Januar dieses Jahres ist er komplett beschwerdefrei, spielte beim Regionalligisten FC Homburg ein gutes Frühjahr. CFC-Sportvorstand Steffen Ziffert erinnerte sich an Kluft, holte ihm im Sommer zum Club. Der Kontakt bestand schon länger, doch erst kurz vor Saisonstart war klar, dass der CFC sich diesen Spieler noch leisten kann: einen Stürmer, der zur Not auch zwischen die Pfosten geht. "Wenn wir zum Beispiel schon dreimal ausgewechselt hätten und Kevin Kunz dann ausfallen würde, würde ich die Handschuhe anziehen. Meine Reflexe sind gut. Ich traue mir das schon noch zu."

Voraussichtliche Aufstellung des CFC: Kunz - Leutenecker, Endres, Trapp, Mlynikowski - Hansch, Reinhardt, von Piechowski, Kluft - Frahn, Slavov.

 
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