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Foto: Freie Presse

Chemnitzer FC - Bayern München: David gegen Goliath

In der ersten Runde des Fußball-Pokalwettbewerbs prallen heute zwei Welten aufeinander. Der Chemnitzer FC empfängt den deutschen Nummer-1-Club FC Bayern München.

Von Thomas Scholze
erschienen am 12.08.2017

Chemnitz. So ist das, wenn ein mittelmäßig begabter Bergsteiger vor einer kilometerhohen Steilwand steht: Er ahnt, dass er da kaum hinaufkommen wird. Vor den Drittligafußballern des Chemnitzer FC steht heute der Felsen FC Bayern München. Der seit mehreren Jahrzehnten dominierende Verein Deutschlands, einer der besten der Welt. Ein ungleiches Duell.

Als Fan kann man die Bayern lieben oder hassen, ein Dazwischen gibt es nicht. Eben kein Grau, nur Schwarz oder Weiß, nur Gut oder Böse. Eine andere Welt. In der schillern nicht nur die Spieler, es schillert der ganze Club. Führungspersonen - ob sie Beckenbauer, Rummenigge oder Hoeneß heißen - waren Weltmeister oder zumindest im WM-Finale am Ball. Ein zurückgetretener Präsident, der als Steuerbetrüger zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde, wird nach seiner vorzeitigen Haftentlassung von den Mitgliedern flugs erneut zum Präsidenten gewählt. Dem Uli wird verziehen, er ist ein Guter. Schlecht sind die Neider da draußen. Mia san mia.

Der FC Bayern muss ganz oben stehen, in Europa, auf jeden Fall in Deutschland. Ein anderer Zustand ist vielleicht mal für ein Jahr akzeptabel, danach wird es unerträglich. Wird die Konkurrenz zu gefährlich, bedient man sich bei ihr. So ging es Werder Bremen (Klose, Herzog, Basler), Bayer Leverkusen (Ballack, Ze Roberto, Lucio, Paolo Sergio), den Dortmundern (Lewandowski, Götze Hummels). Es wäre kaum verwunderlich, wenn demnächst Leipzigs Emil Forsberg oder Timo Werner ein rotes Trikot tragen.

627 Millionen Euro hat der FC Bayern in der Saison 2015/16 umgesetzt, damit war er in der Heimat die klare Nummer 1 vor dem BVB, in Europa die Nummer 2 hinter dem FC Barcelona. 603,4 Millionen Euro ist der aktuelle Kader der Münchner wert. 4,5 Millionen Euro kostet ein alternder Star wie der 31-jährige Rafinha. Damit ist der Brasilianer genauso teuer wie das komplette Team des Chemnitzer FC. Die Münchner baden im Geld, die Himmelblauen müssen sparen: 500.000 Euro im Vergleich zur Vorsaison an der Mannschaft, einen ähnlichen Betrag in allen anderen Bereichen. Trotzdem ist es für den Drittligisten ein Kraftakt, den Etat von rund sechs Millionen Euro zu stemmen. Der Lizenzentzug durch den DFB konnte in diesem Frühjahr erst in letzter Minute abgewendet werden.

Der FC Bayern hat andere Probleme: Sobald drei Spiele in Folge nicht gewonnen werden - und sei es in der Vorbereitung -, ist die Krise da, ein halbes Volk zerbricht sich den Kopf darüber, ob die Neuzugänge wirklich taugen, der Trainer der Richtige ist. Im Fall von Carlo Ancelotti war das schon zweimal so: Einmal, als die Bayern im vergangenen November in der Champions League in Rostow verloren und in der Bundesliga plötzlich RB Leipzig als Tabellenführer vor der Nase hatten. Dann im April dieses Jahres: Fünf Spiele in Serie blieben Lahm, Müller & Co. sieglos, Folge war das Aus in der Champions League und im DFB-Pokal. Der 27. deutsche Meistertitel war dem Team freilich längst sicher.

Vielleicht ist genau das das Problem: Weil die Bundesliga schon im Winter entschieden ist, fällt die Spannung zu früh ab. Lange vier Jahre warten die Münchner auf den nächsten Triumph in der Cham- pions League, vor Ancelotti hat Pep Guardiola dreimal vergeblich Anlauf genommen. Und so geht das Engagement des Spaniers - trotz einer nie zuvor gekannten Dominanz in der Bundesliga - als ein gescheitertes in die Bayern-Annalen ein.

Andere Maßstäbe: Neben dem DDR-Meistertitel zählt der CFC auch die drei (verlorenen) Endspiele im FDGB-Pokal zu seiner Erfolgshistorie. Und natürlich den Herbst 1989, als der Club unter Trainer Hans Meyer zwei Runden im Uefa-Pokal überstand, erst in der dritten an Juventus Turin scheiterte.

Uefa-Pokal - heute Europa League - für den FC Bayern im 21. Jahrhundert ein Horrorszenario. Um so etwas auszuschließen, muss immer mehr Geld her. Neue Märkte werden erschlossen. Deswegen - und nicht etwa, weil es in Europa keine geeigneten Kontrahenten gäbe - touren die Münchner in Sommer- wie Winterpause durch die Welt. Europäischer Fußball ist auch in Fernost ein TV-Knüller, Millionen Japaner und Chinesen schauen zu. Und müssen sich entscheiden, ob sie ein Trikot eines englischen, spanischen, italienischen oder eben bayerischen Vereins erwerben.

Nun bekommt der CFC von diesem großen Glanz ein klein bisschen ab. Ein leuchtender Schwan wird aus dem bescheidenen Entlein, wenn das ganz große Ding gelingt und die Bayern-Fans heute Abend ihre nächste Krise diskutieren. Unmöglich ist das nicht. Zweimal ist der 18-fache Pokalsieger FC Bayern in der ersten Runde bei unterklassigen Gegnern ausgeschieden: 1990 in Weinheim, 1994 in Vestenbergsgreuth. Namen, die man nur aus diesem Grund noch heute kennt.

Bergsteiger, kneif' die Backen zusammen und mach dich an den Aufstieg! Du wirst kaum oben ankommen. Falls doch, werden dich deine Gefühle überwältigen. Der Versuch lohnt sich.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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