Die Goldjungs sind noch nicht am Ziel

In Klingenthal hoffen die deutschen Olympiahelden auf ein Bad in der Menge. Trotz nur noch theoretischen Chancen auf den Gewinn des Einzel-Gesamtweltcups in der Nordischen Kombination geht es für Eric Frenzel und Co. um mehr als nur die Ehre.

Trondheim.

Rechtzeitig vor dem sächsischen Heimspiel am Wochenende in Klingenthal zeigt die Formkurve von Eric Frenzel wieder steil nach oben. Der Erzgebirger stand am Dienstag in Trondheim wieder da, wo er in der Regel jubelt nach Einzelwettbewerben in der Kombination: auf dem Podest. Nach den Plätzen 15 in Lahti und 10 in Oslo passten Technik und Windbedingungen auf der Schanze diesmal bestens beim Olympiasieger von Sotschi und Pyeongchang. Und in der Loipe demonstrierte der Sachse einmal mehr seine unwiderstehlichen Spurtqualitäten. Trondheim glich quasi dem Normalschanzenfinale von Pyeongchang. Eric Frenzel spurtete an Akito Watabe vorbei. Fast mit einem entschuldigenden Blick gratulierte er dem Japaner im Ziel. Frenzels und Watabes Familien, die während Olympia die eine oder andere Zugfahrt gemeinsam ins Quartier nach Seoul erlebten, sind befreundet.

"Ich kann gut nachvollziehen, wie Akito sich gefühlt hat, wenn du um jeden Punkt für diesen Titel kämpfst und dann auf der Zielgeraden überholt wirst", sagte Frenzel, dessen eigener Plan als Vierter des Springens mit 27 Sekunden Rückstand auf Watabe zunächst nicht ganz aufging. "Mein Ziel war es, schnell aufzuschließen und mich dann im Windschatten zu erholen. Nur hat die Erholungsphase sehr lang gedauert." In jeden Fall konnte Frenzel das Duell am Ende noch einmal für sich entscheiden. Zum Saisonfinale aber wird wohl der Mann aus Hakuba den Wahl-Bayern als "König der Kombinierer" ablösen. Den Gesamtweltcup, den Frenzel in den vergangenen fünf Jahren holte, sollte Watabe nach Hause bringen, auch wenn ihm der Ruf des ewigen Zweiten anhaftet und der am Dienstag achtplatzierte Norweger Jan Schmid zumindest rechnerisch (149 Punkte Rückstand bei fünf ausstehenden Rennen) noch Chancen besitzt. 100 Zähler erhält der Tagessieger. Eric Frenzel: "Ich würde es Akito sehr gönnen, dass er mein Nachfolger wird. Seit Jahren ist er in der Spitze dabei, auch wenn die großen Titel noch fehlen. Das hat er verdient."

Auf den ersten Blick scheinen die abschließenden Weltcups in der Vogtland-Arena und am Wochenende danach in Schonach - zumindest aus deutscher Sicht - nicht mehr diese elefantöse Bedeutung zu besitzen. Trotzdem geht es noch um Preisgelder und um den Sieg in der Nationenwertung. Diesen - zugegeben nicht überlebenswichtigen Titel - haben sich die Mannen von Bundestrainer Hermann Weinbuch auf die Fahnen geschrieben, nachdem die Norweger vor allem zu Saisonbeginn den im Vorwinter dominanten Deutschen das Fürchten lehrten. Am Dienstag verkürzten Frenzel und Co. den Rückstand auf die Wikinger um 114 Zähler auf jetzt noch 218 Punkte. "Wir haben in den letzten Jahren die Nationenwertung gewonnen. Das soll auch so bleiben. Ich will alles geben, dass wir das noch rumreißen", sagte Eric Frenzel.

Und wo könnte es für den erfolgreichsten deutschen Kombinierer aller Zeiten einen besserer Ort für dieses Vorhaben geben als in Klingenthal? Seinen ersten Sieg im Sommer-Grand-Prix landete Frenzel im August 2006 in der Vogtland-Arena, genauso wie seinen ersten Weltcup-Triumph im Januar 2008. Und auch bei den letzten Kombinations-Weltcups, die in Klingenthal am 26. und 27. Januar 2013 stattfanden, hieß der Sieger - logisch: Eric Frenzel.

Akito Watabe kommt im Gelben Trikot nach Klingenthal

Soviel ist schon mal klar: Aktito Watabe wird als Weltcupführender mit dem Gelben Trikot am Sonnabend in Klingenthal an den Start gehen. Der Japaner kann beim heutigen zweiten Rennen in Trondheim nicht mehr von der Führungsposition abgelöst werden, da sein ärgster Widersacher Jan Schmid als Achter mit nunmehr 149 Zählern Rückstand weiter an Boden verlor.

Beim Springen hatte sich Norwegens Jarl Magnus Riiber am Dienstag verpokert. Per Trainerentscheid fuhr er einen Balken tiefer an, erhielt nach 128 Metern aber keine Bonuspunkte für die Anlaufverkürzung, weil er die vorgeschriebenen 95 Prozent der Hillsize-Weite verpasste.

Watabe verwies auf der Schanze Österreichs Doppelzimmer FranzJosef Rehrl und Mario Seidl, die in der Endabrechnung 16. und 9. wurden.

Laut Meldeliste sind elf deutsche Kombinierer inklusive der nationalen Gruppe beim Weltcup in Klingenthal im Einsatz. Die sächsischen Farben werden von Eric Frenzel (Oberwiesenthal), Björn Kircheisen (Johanngeorgenstadt), Terence Weber (Geyer) sowie Tim Kopp (Klingenthal) und David Welde (Sohland) vertreten.

Zeitplan Klingenthal

Freitag, 16 Uhr: Sprungtraining und provisorischer Wettkampfsprung. Samstag, Einzel, 8.45 Uhr: Probe, 9.45 Uhr: Wertungssprung; 13.45 Uhr: 10-km-Lauf. Sonntag, Einzel, 11.30 Uhr: Probe, 12.30 Uhr: Wertungssprung, 16 Uhr: 10-km-Lauf.

Tickets: In allen "FP"-Shops, im Vorverkauf 5 % Rabatt mit Pressekarte.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...