Doppelte Freude: Papa Storl kommt bei Rochlitzer Kugelstoßmeeting auf Touren

David Storl war der gefeierte Sieger beim Rochlitzer Kugelstoßmeeting. Dabei steckte dem 26-Jährigen eine harte Nacht in den Knochen, die er nie vergessen wird.

Rochlitz.

So viele Glückwünsche entgegennehmen, so viele freudige Umarmungen aushalten, so viele Hände schütteln, musste David Storl vor einem Wettkampf noch nie. Am Sonntagnachmittag, als er kurz vor 14 Uhr die proppenvolle Rochlitzer Sporthalle am Regenbogen betrat, klopfte ihm gefühlt jeder Zweite der 500 Zuschauer auf die breiten Schultern. Der süße Grund dafür heißt Jaro, misst 52 Zentimeter und wiegt 2800 Gramm. David Storls Lebensgefährtin Marie Richter hatte den gemeinsamen Sohn in der Nacht zum Sonntag in Leipzig zur Welt gebracht. Und der frischgebackene Vater, der live bei der Geburt dabei war, fand für das Ereignis und seine Gefühlslage nur ein Wort: "Unbeschreiblich", sagte er glückstrahlend und erklärte bereitwillig die Bedeutung des Namens Jaro. "Das kommt aus dem altirischen und heißt soviel wie Frühling".

Jaro hatte "Papa Storl", wie Hallensprecher Hardy Gnewuch ihn ankündigte, am Sonntag erst einmal eine kurze Nacht beschert "5 Uhr lag ich im Bett. 9 Uhr bin ich erst einmal eine Runde um den Block gejoggt und dann habe ich kalt geduscht", erzählte er von seinem morgendlichen Aufwachprogramm. Schließlich hatte er Christian Sperling, dem Chef des 11. Rochlitzer Sparkassen-Kugelstoßmeetings per Textnachricht versprochen, dass er trotz der harten Nacht bei seinem Heimspiel in den Ring steigen würde. Und der 26-Jährige von der DHfK Leipzig hielt nicht nur sein Versprechen, der Doppelweltmeister von Daegu 2011 und Moskau 2013 kam richtig auf Touren.

Sichtlich beflügelt von dem freudigen Ereignis und der prickelnden, leistungsfördernden Atmosphäre in der Halle wuchtete der Hüne aus Sachsen die Kugel im zweiten Versuch auf 21,20 Meter. Damit verbesserte er nicht nur seine Hallensaisonbestleistung vom Meeting in Chemnitz (20,88 m) deutlich, er warf auch Vorjahressieger Tomas Stanek den Fehdehandschuh hin. Der Tscheche kam damit nicht klar. Drei seiner Versuche misslangen dem Drehstoßtechniker total, flogen sogar in Richtung der Zuschauer, richteten glücklicherweise aber keinen Schaden an. Stanek fing sich mit 20,71 Metern jedoch im sechsten Durchgang wieder.

Gegen den gefeierten Lokalmatadoren mit den leichten Augenringen war jedoch am Sonntag kein Kraut gewachsen. Im letzten Versuch beförderte David Storl die Kugel auf die neue Jahresweltbestleistung von 21,37 Metern. "Nach zwei Jahren Abwesenheit in Rochlitz freue ich mich sehr über den Sieg. Technisch sind wir allerdings noch nicht da, wo wir hinwollen. Aber es geht mit jeden Stoß voran, das Gefühl wird immer besser", wertete David Storl zufrieden.

Das war auch sein langjähriger Coach. "Unser Fokus liegt eigentlich nicht auf der Hallensaison, wir wollen vielmehr an den Basics arbeiten. Die bekommt er nur durch Wettkämpfe. Angesichts dessen, war das völlig in Ordnung", freute sich Sven Lang über seinen Schützling, der schon wieder viele Hände schütteln musste. David Storl tat es mit einem Lächeln im Gesicht, der jungen, stolzen Vätern eigen ist.

Christina Schwanitz mit zweitem Sieg in zwei Tagen

22.15 Uhr war Christina Schwanitz (LV 90) am Sonnabend mit Vereinskameradin Sarah Schmidt nach ihrem Sieg beim Meeting in Karlsruhe (18,41 m) in Richtung Heimat gestartet. Deshalb fehlten der Weltmeisterin in Rochlitz ein, zwei Mützen Schlaf. Das hinderte sie nicht daran, mit 18,37 Meter erneut zu gewinnen.

"Es war mir wichtig, die Leistung von Karlsruhe zu bestätigen. Für mehr fehlen momentan noch die Ressourcen, die Grundlagen, aus denen ich schöpfen kann. Dennoch geht es voran", sagte die Europameisterin. Wegen eines Bundeswehrlehrgangs und einer Erkrankung fehlen Schwanitz momentan viele Trainingsstöße. "Etwa 1800 werden es sein", meinte Trainer Sven Lang. Rang zwei ging an die Bestleistung stoßende Alina Kenzel (17,68 m/Waiblingen). Josephine Terlecki (17,29/Halle) wurde Dritte.

Behindertensportler Daniel Scheil, der an einer Muskelerkrankung leidet, stieß die Kugel in seinem besten Versuch auf gute 10,77 Meter. Der Chemnitzer war damit aber nicht zufrieden. Bei den Paralympics in Rio hatte er mit 11,03 Metern gesiegt.

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