Dreimal Pfosten - nur ein Punkt

Selten schlichen die Fußballer des CFC nach einem Unentschieden derart geknickt vom Feld. Das 1:1 gegen Halle fühlte sich wie eine Niederlage an - nur für den Trainer nicht.

Chemnitz.

Alle ahnten, was das Ergebnis bedeutet, aussprechen wollte es keiner: Der Chemnitzer FC ist mit dem 1:1 (0:0) gegen Halle dem Abstieg wieder ein Stück näher gerückt, die Hoffnungen werden wie die Anzahl der noch ausstehenden Spiele kleiner. Zehn sind's noch für die Himmelblauen, sechs davon im eigenen Stadion. Heimsiege sind die Basis für den Klassenerhalt. Am Sonntag war ein solcher mehr als nur möglich.

Mit Engagement und Leidenschaft startete die Mannschaft von David Bergner in die Partie, von Verunsicherung nach den vorausgegangenen Pleiten (0:2 in Karlsruhe, 0:3 in Köln) keine Spur. Auch die neuformierte Abwehr harmonierte: Kapitän Marc Endres und Tom Scheffel im Zentrum, Marcus Mlynikowski bei seinem ersten Startelfeinsatz seit November auf links, der Finne Mikko Sumusalo auf rechts. Alexander Dartsch hatte nach schwachem Auftritt in Köln vom Trainer eine "Erholungspause" bekommen. Dennis Grotes Schuss (abgeblockt) und Florian Hanschs Versuch (drüber) waren in der zweiten Minute das Aufwärmprogramm, in der achten Minute brannte es lichterloh im HFC-Strafraum. Julius Reinhardts Freistoß klatschte an den linken Pfosten, Daniel Frahns Stocherball an den rechten. Auch Myroslav Slavov kämpfte im Gewühl vor dem Tor der Hallenser, die die Kugel dann doch irgendwie aus der Gefahrenzone befördern konnten. "Da hatten wir einfach nur Glück", bekannte Gästetrainer Rico Schmitt später, " das Ding kann auch drin sein." Genau wie Tom Baumgarts feiner Schlenzer, der statt in der Kiste am rechten Pfosten landete (19.).

Der CFC hatte das Spiel vor 7719 Zuschauern (davon rund 1500 aus Halle mitgereiste) klar in der Hand, strahlte große Gefahr aus. Mlynikowski kam nach anfänglichen Problemchen immer besser zurecht und sorgte für Dampf, Grote (mit viel Übersicht), Reinhardt (mit starken Zweikämpfen und überragender Laufarbeit) waren die Chefs in der Mitte des Spielfelds. Und Daniel Frahn - zusätzlich angestachelt von den Schmähgesängen der HFC-Fans - zeigte sich auf dem Weg zu alter Form. Mit dem 0:0 zur Pause konnten vor allem die Saalestädter gut leben.

Drei Minuten nach Wiederanpfiff belohnten sich die Chemnitzer für ihren Aufwand. Frahn traf nach Kopfballvorlage von Slavov zum verdienten 1:0 (48.) - das elfte Saisontor des 30-Jährigen, das erste in diesem Jahr. Ein zweites hatte er später auf dem Fuß, schoss aber knapp links am HFC-Kasten vorbei (67.).

Es fiel kein 2:0, auch weil die Hausherren sich nun mehr und mehr zurückzogen. "Das passiert automatisch, wenn man etwas zu verlieren hat", sagte David Bergner später, "da schalten die Köpfe auf Verteidigen." Und so verlor der CFC noch zwei Punkte, weil er einmal das Verteidigen vergaß. Der kurz zuvor für den verletzten Endres aufs Feld gekommene Manuel Mbende wehrte einen Eckball genau auf die Füße von Hilal El-Helwe ab. Dessen Schuss von der Strafraumgrenze konnte Kevin Tittel noch parieren, den Nachschuss von Erik Zenga aus Nahdistanz nicht mehr (79.).

"Dieses 1:1 fühlt sich an wie eine Niederlage", bekannte Julius Reinhardt auf dem Weg in die Kabine, "für diesen Punkt können wir uns gar nichts kaufen." Dem widersprach sein Trainer: "Ein Punkt ist mehr als keiner. Ich bin mit der Leistung zufrieden. Genau mit diesem Elan werden wir weitermachen. In der Hinrunde hätte die Mannschaft so ein Spiel nach dem Ausgleich wahrscheinlich noch verloren. Heute sind wir nicht auseinandergefallen, hatten selbst noch Chancen auf das 2:1." Die letzte durch Okan Aydin, der an HFC-Torwart Oliver Schnitzler scheiterte (90.+2).

Tom Scheffel: "Wir leben noch" 

79 Minuten hielt die Abwehr des CFC dicht und ließ den Gästen kaum etwas zu. Mit Innenverteidiger Tom Scheffel sprach Thomas Scholze. 

Freie Presse: Das waren engagierte 90 Minuten Ihrer Mannschaft, aber am Ende nur ein Punkt. Zu wenig in der aktuellen Situation des CFC?

Tom Scheffel: Auf jeden Fall zu wenig. Wir hätten an einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf näher heranrücken können, diese Chance haben wir verpasst. Das ist nach einem Spiel, in dem wir die klar bessere Mannschaft waren, sehr traurig.

Nur Pech oder auch eigenes Verschulden?

Nicht nur Pech. Wir müssen die Tore noch mehr erzwingen, den Ball einfach über die Linie drücken.

Die neuformierte Abwehr hat sich schnell gefunden.

Ich denke schon. Der ganze Defensivverbund, auch mit den zwei Mittelfeldspielern, den Außen und den Stürmern, die immer wieder angelaufen sind, hat gut funktioniert. Wir haben ein paar Flanken und eine paar Halbchancen zugelassen, aber eine Hundertprozentige hatte der HFC bis zum 1:1 nicht.

Der Ausgleich fiel mal wieder nach einem Standard.

Da kann immer etwas passieren, da muss man hellwach sein. Das waren wir in dieser Situation leider nicht.

Die Hoffnung auf den Klassenerhalt besteht aber noch?

Bei mir auf jeden Fall. Mit der Leistung von heute können wir Bremen und Lotte schlagen. Wir leben noch.

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1Kommentare
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  • 1
    0
    acals
    12.03.2018

    Sportfreund Ziffert laesst vermelden:

    -Am Sonntag um 14 Uhr empfängt der Chemnitzer FC den Halleschen FC. ... CFC-Sportvorstand Steffen Ziffert versprüht wenig Optimismus: "Wenn man den Verlauf der Saison sieht. Wer hat den Glauben jetzt noch?" - (Anm. der Red.: 7 Punkte aus den letzten 14 Pflichtspielen.)

    https://www.mdr.de/sport/fussball_3l/spieltag-3l/dritte-liga-sonntag-vorschau-126.html

    Also, wenn schon der Vorstand nicht mehr will ...



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