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Clemens Fandrich (rechts) setzt sich gegen Kaiserslauterns Benjamin Kessel durch.

Foto: Sven Sonntag/PICTURE POINT

FC Erzgebirge: Fandrichs brutales Glück

Für den FC Erzgebirge, der Union Berlin empfängt, und Clemens Fandrich läuft es derzeit rund. Aber er weiß auch, dass sich die Situation schnell ändern kann.

Von tHOMAS tREPTOW
erschienen am 27.09.2017

Aue. Clemens Fandrich, der mit RB Leipzig einst zwei Aufstiege erlebte und mit Freundin Amina Ferguen, einer Hürdensprinterin, in der Messestadt wohnt, ist mit Dominik Kaiser befreundet. Der Ex-Kapitän der Roten Bullen wurde in den bisherigen sechs Bundesligaspielen dreimal jeweils für ein paar Minuten eingewechselt. "Das kann einen Fußballer nicht wirklich befriedigen", weiß Fandrich. Der Auer kann seinem Kumpel nachfühlen: "Die Situation ist ähnlich, wie sie bei mir war. Aber Dominik ist der ruhigere Typ, der damit vielleicht etwas leichter umgeht", verrät der FCE-Mittelfeldspieler und fügt an: "Ich kann ihm nur immer wieder sagen, dass er Geduld haben muss. Manchmal ändert sich die Situation im Fußball sehr schnell."

So wie bei Fandrich, der nach einem einjährigen Intermezzo beim FC Luzern im Juni 2016 ins Lößnitztal zurückkehrte: Unter Trainer Pavel Dotchev war der 26-Jährige in der letzten Saison zwar nicht abgeschrieben, aber auch keine Bank. "Zwischenzeitlich gab es bei Dotchev mal eine Phase, wo ich gespielt habe. Vielleicht wusste er auch einfach keinen anderen Ausweg mehr", meint Fandrich mit einer kleinen Prise Sarkasmus in der Stimme. Soll bedeuten, die Situation stellte ihn nicht wirklich zufrieden - doch dann kam Domenico Tedesco. Unter dem Deutschitaliener, der die Auer am 24. Spieltag erstmals coachte und zum Klassenerhalt führte, legte der gebürtige Berliner so etwas wie einen Neustart hin.

Inzwischen läuft es richtig rund. Zuletzt beim 1:0 gegen Sandhausen, zum Schluss der englischen Woche, wurde Fandrich eingewechselt. In den sieben Zweitligaspielen zuvor stand der 1,77 Meter große Kicker jedoch sieben Mal in der Startelf. Auch am Sonnabend gegen Union Berlin (Anstoß: 13 Uhr) dürfte er trotz starker Konkurrenz wie etwa Mario Kvesic wieder erste Wahl für Coach Hannes Drews sein. "Fanne" spürt das Vertrauen des Trainers und der Teamkollegen - das genießt er "brutal". "Ich kann mir nichts Besseres, nichts Schöneres vorstellen, als die Situation, wie sie gerade ist. So glücklich war ich lange nicht mehr", hält der FCE-Profi mit seinen Gefühlen nicht hinter dem Berg. "Wenn dann noch die Ergebnisse stimmen, dann ist das für die Mannschaft und mich persönlich natürlich fantastisch. Es wäre toll für den Verein und die ganze Region, wenn Erzgebirge Aue mal nicht so schnell in den Abstiegsstrudel hineinrutscht."

Momentan sieht es bei 13 Punkten hoffnungsvoll aus. Daran hat auch das vor der Abwehrkette agierende Duo Fandrich-Tiffert eine Aktie. "Der Tiff ist einer, von dem sich jeder etwas abschauen kann, die Ruhe am Ball, die Sicherheit, die er ausstrahlt. Er hat Bundesliga gespielt, bringt eine Monstererfahrung mit", lobt der Jüngere seinen Nebenmann. Der 35-Jährige ist momentan aus dem Auer Spiel nicht wegzudenken, wobei sich die beiden "Sechser" gut ergänzen: "Ich glaube, dass nicht nur ich mich neben Christian wohlfühle, sondern auch Christian neben mir", sagt Fandrich: "Das ist es, was uns als Mannschaft stark macht, dass wir alle an einem Strang ziehen. Das gibt mir die Sicherheit, befreit zu spielen, ohne den Druck zu spüren, dass sofort ein anderer reinkommt, wenn ich schlecht spiele."

Schlecht gespielt hat er keinesfalls, allerdings "könnte ich mal wieder ein Tor schießen", sagt er selbst. Seine letzten beiden Treffer erzielte Fandrich für Luzern im schweizerischen Pokal. "Ja, das liegt ein Stück zurück. Aber meine grundlegende Aufgabe beim FCE ist - auch weil wir mit drei Angreifern spielen - eine klare Sechs zu sein. Wir halten hinten den Laden dicht. Das steht im Vordergrund, auch wenn das Offensivspiel dadurch vielleicht etwas leidet", meint er: "Ich denke, ich muss mir erst Gedanken machen, wenn unsere Stürmer nicht mehr treffen. Dann müssen Fandrich und Tiffert diesbezüglich die Kohlen aus dem Feuer holen", sagt er lachend.

Warum eigentlich erst dann? Auch wenn er sich nicht mehr recht daran erinnern kann, Clemens Fandrich hat im Veilchen-Trikot bereits getroffen. Bei seinem ersten Gastspiel im Erzgebirge, in der Rückrunde der Saison 2014/15, erzielte die damalige RB-Leihgabe zwei Tore - gegen den Karlsruher SC und beim 2:1-Sieg bei Union Berlin.

 
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