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FIFA-Boss Gianni Infantino (l)und Wladimir Putin bei der Eröffnungsfeier in Moskau.

Foto: Federico Gambarini Bild 1 / 2

FIFA-Präsident als unzertrennliches Duo mit Kremlchef

Den ersten Sieg feiert Gianni Infantino bereits vor dem Start seiner Premieren-WM als FIFA-Präsident. Das überschwängliche Lob von Wladimir Putin hilft ihm ebenso wie das WM-Votum von Amerika für die angestrebte Wiederwahl. Noch gibt es jedoch Stolperfallen.

Von Florian Lütticke und Arne Richter, dpa
erschienen am 14.06.2018

Moskau (dpa) - Seinen ersten persönlichen Triumph der WM in Russland genoss Gianni Infantino natürlich wieder neben Wladimir Putin.

Nach dem gemeinsamen Besuch eines Galakonzerts auf dem Roten Platz am Abend des für ihn so erfolgreichen Kongresstags verfolgte der FIFA-Präsident auch das Eröffnungsspiel Seite an Seite mit dem Kremlchef. «Liebe Freunde! Herzlichen Willkommen zur Weltmeisterschaft», begrüßte Infantino die Zuschauer im Luschniki-Stadion von Moskau auf russisch - und wurde dafür vom Publikum bejubelt.

Seine erste Weltmeisterschaft als Chef des Weltverbands hätte für den 48-Jährigen gar nicht besser beginnen können: Der WM-Zuschlag für die von ihm favorisierten USA, Mexiko und Kanada bereitete die perfekte Bühne, damit er sein Streben nach einer zweiten Amtszeit verkünden konnte. Doch auch rund um das Weltturnier in Moskau gibt es auf dem Weg zur Wiederwahl im Juni 2019 noch reichlich Stolpersteine für den FIFA-Boss.

«Vor ihnen sitzt heute ein glücklicher Präsident», verkündete Infantino glückselig der Weltpresse. Nach Tagen der schlechten Nachrichten war dem Italo-Schweizer die Erleichterung anzusehen. Mit seinen Plänen für den Verkauf von Wettbewerben an Investoren für 25 Milliarden US-Dollar scheiterte er zuletzt ebenso vorerst wie mit einer geplanten Aufstockung schon der WM 2022 in Katar auf 48 Teilnehmer, für die sich die südamerikanische Konföderation stark gemacht hatte.

Und da kommt die erste Wahlkampf-Unterstützung von Putin gerade recht. Russlands Präsident pries Infantino mit warmen Worten als «echten Kämpfer» und ließ sich auch bereitwillig beim Bruderkuss ablichten. Auch beim Eröffnungsspiel von Gastgeber Russland und Saudi-Arabien gab es den Auftritt des Duos PutInfantino.

Mit kitschigen Worten voller Pathos begründete der FIFA-Chef seinen Wunsch nach einer zweiten von möglichen drei Amtszeiten. «Ich will weitere vier Jahre, weil ich daran glaube, dass ich viel für die FIFA und den Fußball tun kann», sagte er. «Ich glaube an die Augen der Kinder in Haiti in Sao Tomé in Ruanda, in Myanmar - die strahlen, wenn du ihnen einen Ball gibst. Ich fühle viel Unterstützung von vielen Menschen um die Welt.»

Auch wenn noch kein Herausforderer in Sicht ist, gibt es diese Rückendeckung längst nicht in allen Teilen der Welt. In Europa werden die Alleingänge Infantinos missbilligt. Kritiker werfen ihm vor, Grundsätze des Prozesses zur Demokratisierung zu missachten. So wurde unter anderem auf sein Betreiben die Spitze der Ethikkommission neu besetzt.

Doch in anderen Kontinenten bröckelt die Unterstützung noch nicht. «Er hat die Zahl der afrikanischen Mannschaften bei einer WM fast verdoppelt», schwärmt ein Vertreter des Verbands aus Simbabwe auf dem Flur des Fünf-Sterne-Hotels Crowne Plaza. «Gianni Infantino ist sehr gut für die Entwicklung des Fußballs.» Durch die Erweiterung der WM ab 2026 auf 48 Teilnehmer hat Afrika dann 9,5 statt bislang fünf Startplätze.

Der Terminus «Entwicklung des Fußballs» ist in der Funktionärssprache häufig synonym mit «mehr Geld» zu verstehen. Vor seiner Wahl im Februar 2016 versprach Infantino, dass jeder der 211 FIFA-Mitgliedsverbände im anstehenden Vier-Jahres-Zyklus fünf Millionen US-Dollar bekommt. Nun wurde die Summe bereits vorab auf sechs Millionen erhöht, wie Infantino stolz hervorhob.

Damit derartige Geschenke weiter möglich sind, braucht die FIFA neben den WM-Einnahmen vor allem auch Sponsoren. Doch durch die Korruptionskrise stockt die Suche besonders in den klassischen Märkten. Kurz vor dem Eröffnungsspiel unterschrieb die ägyptische Regierung als erster WM-Sponsor seit fünf Jahren, der nicht aus China, Katar und Russland stammt. Im Werbeprogramm für die WM 2018 sind 20 von 34 Plätzen besetzt.

«Vielleicht hatten wir bereits alle Sponsoren aus dem Westen an Bord», begründete Infantino. Man dürfe aber nicht vergessen, dass die FIFA «eine weltweite Organisation ist. Die Zukunft wird uns zeigen, dass wir noch globaler werden.» Auch wenn die WM 2026 in Amerika stattfindet - auch Infantinos Zukunft liegt weiter in der neuen Fußball-Welt.

 
© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
 
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