Daniel Meyer wagt beim FC Erzgebirge Aue den großen Sprung nach oben

Der FC Erzgebirge Aue bleibt sich treu und holt wieder ein Trainertalent. Dessen oberstes Ziel ist der Klassenerhalt in der Zweiten Fußball-Bundesliga. Aber er könnte auch im Gerichtssaal stehen.

Aue.

Berater, die den FC Erzgebirge bei Vertragsverhandlungen über das Ohr hauen wollen, müssen sich in Zukunft besonders vorsehen. Daniel Meyer, den die Auer am Donnerstag als Chefcoach und Nachfolger von Hannes Drews vorstellten, ist nicht nur Trainer, sondern hat auch Jura studiert und sein Staatsexamen abgelegt. "Die Kombination hat mir in den letzten Jahren, als ich Trainer und Sportlicher Leiter war, geholfen. Da konnte ich mit Beratern bei Vertragsgestaltungen auf Augen- höhe diskutieren." Lächelnd fügte der 38-jährige Fußballlehrer, zuletzt Chef des Nachwuchsleistungszentrums und U19-Trainer beim 1. FC Köln, an: "Das Studium macht mich insofern frei, dass ich weiß, wenn der Stuhl mal kippt, dann werde ich nicht verhungern."

Die juristischen Kentnisse des gebürtigen Hallensers, der bei den Veilchen einen Vertrag bis 30. Juni 2020 unterschrieb, sind im Lößnitztal willkommen. Aber in erster Linie ist Meyer für die sportlichen Belange beim Zweitligisten zuständig. Und da weiß der Schwarzschopf, wo die gekreuzten Hämmer hängen: "Das oberste Ziel ist natürlich der Klassenerhalt", blickt er auf seine erste Trainerstation im Profifußball voraus. Vor seinen zwei Jahren in Köln arbeitete der (noch) nicht verheiratete Vater zweier Töchter ein Jahr lang beim Halleschen FC und zuvor bei Energie Cottbus, ebenfalls im Nachwuchs. Außerdem sammelte er als Trainer Erfahrungen im Amateurbereich, zuerst bei seinem Heimatverein FC Strausberg.

Der Sprung nach oben ist also ein großer. Doch Bangemachen gilt bei Meyer nicht. "Ich wollte diesen Schritt immer gehen und bin mir bewusst, dass man dabei gewissen Mechanismen ausgesetzt ist", sagte er. Freundlich, geduldig, aber auch selbstbewusst beantwortete er die Fragen der Journalisten. Eine davon drehte sich darum, wie der Kontakt mit dem FCE zustande gekommen war. "Ich habe einen Anruf von Präsident Helge Leonhardt bekommen und war in dem Moment natürlich überrascht. Allerdings auch nicht so sehr, denn das Profil, das Aue sucht, passt. Dementsprechend ist der Weg zu mir nicht so unvorstellbar gewesen", erzählte er. Zur Erinnerung: Vorgänger Hannes Drews war zwei Jahre jünger, Domenico Tedesco sechs Jahre.

Den letzten Ausschlag für Meyers Jawort gaben schließlich das "persönliche Gespräch" und ein "gutes Bauchgefühl". Diese Faktoren führte auch Helge Leonhardt ins Feld, als er die gut vierzehntägige Trainersuche Revue passieren ließ. An deren Ende konzentrierte sich der Verein auf vier, fünf Kandidaten. "Letzten Endes hat dabei auch das Bauchgefühl gesagt: Wir steigen mit Daniel Meyer in den Ring und wollen möglichst langfristig zusammenarbeiten. Er kann nicht nur eine Mannschaft mit abgezockten Profis, sondern auch die Funktionsabteilung führen", erklärte der FCE-Präsident. Er bekam das Trainertalent, dem Robin Lenk, Max Urwantschky sowie Werner Schoupa zu Seite stehen werden, aus einem laufenden Vertrag in Köln heraus. Ob dafür eine Ablösesumme fällig war, wollte Leonhardt nicht verraten: "Wir haben aber eine gute Übereinkunft getroffen", sagte er.

Meyer ist jedenfalls da - und legte gleich los. Noch gestern führte er ein Gespräch mit einem möglichen Neuzugang. "Offensichtlich ist, dass wir im Sturm etwas machen müssen. In der Mitte und in der Defensive sind wir gut aufgestellt, deshalb wird der Fokus auf den Außenbahnen und dem Angriff liegen", meinte Meyer, der sich in puncto Spielphilosophie noch zurückhielt. "Entscheidend ist, dass sich die Mannschaft wohlfühlt mit den Dingen. Und ich glaube, da sind wir nicht so weit entfernt von dem, was letztes Jahr gemacht wurde."

Beim Personal kann er dabei auch auf sein gutes Netzwerk zurückgreifen. "Im Idealfall wollen wir Jungs aus den eigenen Reihen rekrutieren. Aber wir werden natürlich sehr genau hinschauen, wer bei einem Topklub in der U19 auf dem Markt ist und hier die Bühne nutzen will, Zweite Bundesliga zu spielen", sagte Daniel Meyer, der es als Spieler immerhin bis in die Oberliga geschafft hat. Als Trainer darf er sich ein paar Etagen höher beweisen.

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