"Mentalität muss unsere Stärke bleiben"

Toni Wachsmuth vom FSV Zwickau spricht über den Klassenerhalt, was sich künftig verbessern soll und den anstehenden Umbruch im Team

Zwickau.

Toni Wachsmuth gehört seit 2014 zu den Führungsspielern des FSV Zwickau. In dieser Saison hat der 31-jährige Kapitän 30 Spiele in der 3. Fußball-Liga, davon 24 von Beginn an, absolviert. Mit dem gebürtigen Thüringer sprach Thomas Prenzel.

Freie Presse: Die zweite Saison nach dem Aufstieg - so heißt es - ist immer schwerer. War's so?

Toni Wachsmuth: Das würde ja heißen, dass die erste Saison in der 3. Liga einfacher gewesen wäre. Das trifft - glaube ich - nicht zu, auch wenn Platz fünf so klingt. Aber zur Winterpause waren wir damals mit nur 17 Zählern fast schon mausetot. Ich denke, die zweite Saison glich einer Berg-und-Tal-Fahrt.

Wie hat die Mannschaft letztlich die Kurve bekommen?

In den wichtigen Phasen sind wir da gewesen und haben abgeliefert. Gerade wenn ich an die englische Woche denke, als wir nach dem Sieg in Münster zu Hause gegen Magdeburg gewonnen, dann ein Remis in Rostock geholt haben. Zum Schluss konnten wir noch Bremens Zweite schlagen. Nicht zuletzt war es auch mental wichtig, mit dem Sieg gegen den CFC über dem Strich zu überwintern. Da haben wir zusammengestanden: Verein, Mannschaft, Fans und Umfeld. Das war sehr wichtig.

Muss die Spielkultur verbessert werden, um den Verschleiß während einer Saison zu reduzieren? Oder geht es mit dem Mini-Etat in Zwickau nur über die Schiene Kampf und Leidenschaft?

Die sollten die Basis sein. Klar ist aber: Spielerisch müssen wir zulegen. Das hatten wir auch schon diese Saison vor. Doch wenn du mit dem Rücken zur Wand stehst, haben Ergebnisse Priorität. Der Klassenerhalt steht über allem. Das Ziel haben wir erreicht. Und das hätten wir übrigens auch ohne die Insolvenzen von Chemnitz und Erfurt geschafft. Wichtig ist aber, dass wir künftig mehr Konstanz zeigen. Das müssen wir hinbekommen. Denn die 3. Liga wird wie in den letzten zwei Jahren auch wieder einen Tick stärker, wenn ich mir die Absteiger und die potenziellen Aufsteiger anschaue.

Was könnte sich mit dem neuen Trainer Joe Enochs in Zukunft noch verbessern?

Wir brauchen schon ein paar neue Elemente, die der Gegner so nicht erwartet. Wir müssen an vielen Sachen arbeiten. Definitiv, wir sind ja auch 3. Liga. Das Wichtigste bleibt aber, dass wir unsere Mentalität halten. Die muss unsere Stärke bleiben. Denn die können wir anderen Mannschaften, die individuell mehr Klasse besitzen, entgegenhalten.

Hat es der Mannschaft einen Knacks gegeben, als sie vor dem 28. Spieltag erfuhr, dass Torsten Ziegner nicht über die Saison hinaus der Trainer sein wird?

Das war schon eine turbulente Woche. So etwas geht nicht spurlos an einem vorüber, wenn es im Verein mal knallt. Aber das darf keine Ausrede für uns Spieler sein, dass es danach schlechter lief.

Gibt es noch andere Gründe für den Abwärtstrend?

Das Thema Verschleiß spielt da sicher mit rein. Wenn du gefühlt seit September jede Woche Endspiele hast, lässt du irgendwann - körperlich und mental - Federn. Am Saisonende war die Luft etwas raus.

Sie haben noch ein Jahr Vertrag beim FSV. Wie sehen Sie Ihre Perspektive, auch als Kapitän?

Die Kapitänsfrage ist momentan nicht aktuell für mich. Das wird der neue Trainer sicher irgendwann entscheiden. Klar ist, dass ich wie jeder andere Spieler auch meine Leistung abrufen muss, um zu spielen. Da lief es in der Saison nicht immer optimal, auch krankheitsbedingt. Zum Teil habe ich auch gespielt, obwohl ich gesundheitlich angeschlagen war. Ich weiß aber: Wenn ich über einen längeren Zeitraum verletzungsfrei und gesund bleibe, werde ich wieder in eine gute Form kommen.

Wie in den letzten beiden Jahren wird es erneut einen Umbruch im Team geben. Stand jetzt verlassen mindestens 12 Spieler den Verein. Wie bewerten Sie das?

Das ist nicht ungewöhnlich, und der Stamm der Mannschaft bleibt ja erhalten. Dass ein Klub mit bescheidenen finanziellen Mitteln auch mal einen Spieler verliert, den man gern gehalten hätte, ist normal. Ich bin dennoch zuversichtlich, dass wir in der neuen Saison eine schlagkräftige Truppe zusammenbekommen.

Was machen Sie bis zum Trainingsauftakt?

Urlaub. Wir möchten mit der Familie eine Woche nach Mallorca.

Da waren Sie doch gerade mit der Mannschaft feiern?

Ja, aber diesmal will ich mal nicht an Fußball denken.

Weniger Zuschauer im Vergleich zur ersten Drittligasaison 

Das Prädikat Dauerbrenner verdienten sich diese Saison vier Akteure mit mehr als 3000 Einsatzminuten: Ronny König (3404 Minuten), Johannes Brinkies (3330), René Lange (3094) und Mike Könnecke (3054). Stürmer König bestritt alle 38 Partien von Beginn an. Linksfuß Lange musste zwei Spiele wegen einer Rotsperre pausieren. Keeper Brinkies fehlte nur in der letzten Heimpartie gegen Fortuna Köln, als Kollege Lukas Cichos sein Dankeschön-Spiel erhielt.

Als bester Torschütze zeichnete sich wie schon in der ersten Drittligasaison Ronny König aus. Nach 15 Treffern in der Saison nach dem Aufstieg knipste der 34-Jährige diese Spielzeit 11-mal und legte ein Tor auf. Zweitbester Torjäger war Fabian Eisele (6).

Der höchste Saisonsieg gelang mit dem 3:0 in Erfurt, die höchste Niederlage gab es beim VfL Osnabrück (0:4). Die Heimbilanz (8 Siege/5 Remis/ 6 Niederlagen) fiel deutlich besser aus als jene auswärts (2/6/11). Die letztlich 41 Punkte (38:55 Tore) und Platz 15 bedeuteten zum Vorjahr (56 Punkte/47:54 Tore/5. Platz) statistisch gesehen einen Rückschritt.

Durchschnittlich 4864 Zuschauer kamen jeweils zu den Heimspielen des FSV Zwickau. Das ist ein Rückgang zum Aufstiegsjahr (5311) von 447 Besuchern.

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