Gedanken gehen schon Richtung Olympia

Rennrodler Ralf Palik startete mit dem deutschen Team in die heiße Phase der WM-Vorbereitung. Bei der EM in Königssee sorgte der Oberwiesenthaler mit Gold in der Teamstaffel und Rang zwei im Einzel für Schlagzeilen.

Königssee/Chemnitz.

Am Montagabend sind die deutschen Rennrodler im lettischen Sigulda, etwa eine Autostunde von der Hauptstadt Riga entfernt, eingetroffen. Zu ihnen gehört Ralf Palik, der trotz eines leichten grippalen Infekts frohgelaunt die Reise ins Baltikum antrat. Denn vor wenigen Tagen war er es, der bei den Europameisterschaften in Königssee mit dem Sieg in der Teamstaffel und Silber im Einzel für Furore sorgte. Plötzlich war der Erzgebirger zum Kronprinzen des bayerischen Rodel-Königs Felix Loch aufgerückt. Während Palik sich auf dem Podest feiern ließ, konnte der Sohn des Bundestrainers Norbert Loch seine Enttäuschung über Platz vier nicht verbergen.

"Es war ein tolles Gefühl, da oben zu stehen. Vor dem Rennen hatte ich in einem Fernsehinterview mit einem Augenzwinkern noch gesagt, dass ich vielleicht schneller als Felix sein könne. Doch dass es dann tatsächlich eingetroffen ist, hat mich fast umgehauen", meinte Ralf Palik vor dem Abflug. Vor einem Jahr, bei der WM an gleicher Stelle, hatte der Rennrodler vom WSC Oberwiesenthal hinter Loch Silber geholt. Doch in dieser Saison behindert ihn eine Schulterverletzung, sodass Top-Platzierungen eigentlich unwahrscheinlich schienen.

Die Vorgeschichte ist, dass sich Ralf Palik während eines Trainingslehrgangs des deutschen Teams beim Indoor-Klettern in Rosenheim an der rechten Schulter verletzt hatte. "Ich bin irgendwie abgerutscht, wollte mich noch festhalten und habe mir dabei eine Bänderverletzung zugezogen", beschreibt er diese Situation. Mittlerweile wurde zwar von den Physiotherapeuten viel getan, doch besonders am Start beeinträchtigt ihn dieses Handicap.

Das bestätigt auch Torsten Görlitzer, der Bundestrainer aus Oberwiesenthal, der die deutschen Rodler jeweils mit einem Klaps am Start ins Rennen schickt. "Ralf kann dadurch nicht die notwendige Körperspannung am Start aufbauen und verliert damit gegenüber der Konkurrenz etwa drei bis fünf Hundertstelsekunden", erläutert der Erzgebirger das Dilemma, lobt in einem Atemzug aber zugleich seinen Schützling: "Was er fahrerisch zeigt, ist top. Da gehört er zu den Weltbesten."

Damit das so ist, stellten die Oberwiesenthaler bereits vor der Saison die richtigen Weichen. In Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle für Sportgeräte in Berlin (FES) wurde für Ralf Palik eine neue Schlittenwanne maßgeschneidert, sodass dieser auf Grund seiner Körpergröße den Schlitten besser beherrschen kann. Zudem vertraut er weiter auf die Schienen des Schlittens, auf denen seine ehemalige Vereinskollegin Anke Wischnewski (WM-Zweite 2007) schon ihre Erfolge einfuhr. "Besonders bei hohen Minusgraden laufen sie wie geschmiert", berichtet der 26-Jährige.

Trotz dieses Handicaps mit der Schulter geht Ralf Palik zuversichtlich in die weitere Saison, die mit der Weltmeisterschaft in drei Wochen auf der Olympiabahn in Innsbruck-Igls ihren Höhepunkt erlebt. "Wenn ich die Fehler, die mir bei den Rennen in Übersee im Dezember passiert sind, minimieren kann, ist einiges möglich", blickt der Psychologiestudent an der TU Chemnitz voraus.

Doch mit dem Top-Ereignis dieser Saison soll für den gebürtigen Erlabrunner noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sein. Alle Anstrengungen sind nur einem Ziel untergeordnet: den Olympischen Winterspielen kommendes Jahr in Pyeongchang. Deshalb reisen die deutschen Rennrodler mit den drei Sachsen Julia Taubitz, Ralf Palik und Chris Eißler noch im Februar nach Südkorea zu einer Trainingswoche und dem anschließenden Weltcup auf der neuen Olympiabahn. "Die Teilnahme dort ist Gold wert", schätzt Trainer Görlitzer ein. "Wir haben die Gelegenheit, nicht nur die neue Eisrinne zu testen, sondern auch exakt ein Jahr vor den Spielen uns mit der vorherrschenden Infrastruktur und den Witterungsbedingungen vertraut zu machen." Auch Ralf Palik misst dem Trip nach Asien große Bedeutung bei. "Wer ein Jahr vor Olympia dort dabei ist, hat auf alle Fälle einen riesigen Vorteil", ist er überzeugt. Wenn es nach ihm geht, soll in Pyeongchang seine bisher erfolgreiche Karriere möglichst mit einer Medaille gekrönt werden.

Dann wäre all das, was zu Beginn des Jahres in Königssee passiert ist, nur eine - wenngleich auch schöne - Episode gewesen.

Zwickauer Chris Eißler rückt ins deutsche Weltcupteam

Der Wettbewerb in der Teamstaffel hat in Königssee seinen zehnten Geburtstag gefeiert. Am 7. Januar 2007 stand der Teamwettkampf, der seit 2014 auch olympisch ist, erstmals im Weltcupkalender. Zu den Initiatoren der Teamstaffel gehörte der inzwischen verstorbene Zwickauer Karl Zenker. In Königssee war mit 15 Nationen ein Rekord-Teilnehmerfeld am Start.

Chris Eißler (Foto) rückt ins deutsche Weltcupteam. Der Zwickauer ersetzt am Wochenende beim Rennen in Sigulda den am Rücken verletzten Thüringer Andi Langenhan. Der 23-Jährige muss sich jedoch erst noch über den Nationencup am Freitag für den Wettbewerb qualifizieren. In Königssee belegte Eißler in diesem Wettbewerb den sechsten Platz.

Aileen Frischging in Königssee erstmals für Südkorea an den Start. Nach dem Abschluss des Einbürgerungs-prozesses bereitet sich die Altenbergerin jetzt auf Olympia 2018 in Pyeongchang vor. In Königssee belegte die Junioren-Weltmeisterin von 2012 den zwölften Platz. Trainer der südkoreanischen Rennrodler ist Steffen Skel, der in Bärenfels wohnt und mit der ehemaligen Skeleton-Pilotin Diana Sartor verheiratet ist.

Die Olympischen Jugendspiele der Rennrodler werden 2020 auf der Natureisbahn im schweizerischen St. Moritz ausgetragen. Das bestätigte das IOC. Die ersten Jugendspiele fanden 2012 in Innsbruck statt.

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