Hannawald: Vom Standesamt zum Skispringen

Der gebürtige Erzgebirger kehrt nach Klingenthal zurück. Als TV-Experte will sich Sven Hannawald schnell im neuen Metier zurechtfinden.

Klingenthal.

Er gewann als bisher einziger Skispringer alle vier Wettbewerbe einer Vierschanzentournee. Wie Skispringen geht, muss Sven Hannawald also wissen. Dennoch wird der 42-Jährige in den nächsten Monaten den Hauptdarstellern an der Schanze die eine oder andere Frage zum Thema stellen. Denn eine Sportart entwickelt sich natürlich immer weiter. "Und da muss ich mich jetzt auf dem Laufenden halten. Heute durfte ich schon mal meine erste Mannschaftsführersitzung mitmachen", erzählt Sven Hannawald. Und auf die Interviewanfrage von "Freie Presse" meint er augenzwinkernd: "Ich bin ja jetzt auch ein Pressefuzzi."

Als TV-Experte bei Eurosport musste Hannawald, der das Abc des Skisports bei Erich Hilbig in Johanngeorgenstadt erlernte und später in Klingenthal und Hinterzarten zum Weltklassespringer reifte, am Freitag selbst gut vorbereitet sein. Der Sender übertrug die Qualifikation aus der Vogtland-Arena live. Vergangenes Wochenende gab der 18-malige Weltcupsieger mit Kommentator Matthias Bielek in Kuusamo seinen Einstand. Danach blieb kaum Zeit. Am Mittwoch heiratete Hannawald in München seine schwangere Freundin Melissa Thiem, eine ehemalige Profifußballerin vom VfL Wolfsburg. Am Tag danach reiste er in Klingenthal an. "Die Hochzeit am ersten Jahrestag war schon beschlossen, bevor die Sache mit Eurosport perfekt war", sagt der frisch Vermählte zur knappen Terminierung: "Aber das ist positiver Stress. Die Hochzeit war wirklich sehr schön, bei bestem Wetter am See."

Bestes Sprungwetter gab es auch am Freitag in Klingenthal. Die Schanze präsentierte sich in ausgezeichnetem Zustand. Dabei mussten die Organisatoren - anders als im Vorjahr - kurzfristig Schnee aus dem Auslauf wieder herausschaffen, damit große Weiten möglich sind. Die besten Flüge gelangen Vorjahressieger Daniel-André Tande (Norwegen) und Domen Prevc (Slowenien) auf jeweils 140 Meter sowie Quali-Sieger Kamil Stoch aus Polen (139,0). Alle sieben Deutschen qualifizierten sich für das Einzel (morgen, 15 Uhr). Bundestrainer Werner Schuster nominierte Severin Freund, Richard Freitag, Andreas Wellinger und Markus Eisenbichler für den Teamwettbewerb heute (16.10 Uhr).

Sven Hannawald beobachtete seine Nachfolger aus der TV-Kabine. Seinen neuen Job sieht er als spannende Aufgabe. Und ihm ist klar, dass in der Anfangsphase noch nicht gleich alles zu 100 Prozent klappen wird. "Wir müssen erst richtig reinkommen. Wer über Jahre im Weltcup dabei ist, hat natürlich viele Hintergrundinformationen gespeichert. Das müssen wir uns erarbeiten", erzählt der zweimalige Skiflug-Weltmeister von der Herausforderung. Vor allem eines muss der gebürtige Erzgebirger verinnerlichen: Während ihm früher als Springer die Redezeit im Interview ziemlich egal war, muss er jetzt seine Analyse bis zum nächsten Springer prägnant vortragen. "Es bleibt oft wenig Zeit, um etwas richtig zu erklären. Das Gefühl, wann das sinnvoll ist, muss sich erst noch entwickeln." So wie das Gefühl, auf den Brettern durch die Luft zu schweben, das ja auch nicht angeboren ist. Wer wüsste dies nicht besser als Sven Hannawald.

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