Hartgesottener Profi mit viel Herz

Eishockey-Zweitligist Eispiraten Crimmitschau hat aktuell prominente Unterstützung von Ex-Nationalspieler John Tripp. Keiner weiß, wie lange er bleibt.

Crimmitschau.

Nach den Übungseinheiten verlässt John Tripp meistens als letzter Spieler das Mehrzweckgebäude im Kunsteisstadion Sahnpark. Wenn sich ein Großteil der Crimmitschauer Profis schon auf dem Nachhauseweg befindet, schiebt der Deutsch-Kanadier noch Sonderschichten. Er stemmt Gewichte oder schwitzt auf dem Ergometer. "Ich bin eben ein professioneller Sportler und muss in meinem Alter etwas für meinen Körper tun", sagt der 38-Jährige.

Mit der Verpflichtung von John Tripp sorgten die Eispiraten kurz vor dem Beginn der Saison für Furore. Der Offensivmann hat 110 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft absolviert und an sechs WM-Turnieren teilgenommen. Im Frühjahr wurde sein Vertrag bei den Kölner Haien nicht verlängert. Danach hat er vergeblich auf andere Angebote aus der DEL gewartet und zwischenzeitlich sogar über das Ende seiner Laufbahn nachgedacht. Ronny Bauer, Sportlicher Leiter bei den Eispiraten, hielt in den Sommermonaten per E-Mail regelmäßig den Kontakt zu John Tripp und fädelte den Transfercoup ein. "Crimmitschau hat sich als einziger Zweitligist so intensiv um mich bemüht", berichtet der Rechtsschütze.

Respektsperson im Team

Die Eispiraten konnten sich die Dienste eines Stars mit dieser Vita nur sichern, weil sie zu Kompromissen bei der Gestaltung des Vertrages bereit waren. John Tripp besitzt eine Ausstiegsklausel, darf die Westsachsen jederzeit verlassen. Nur ein (direkter) Wechsel zu einem Kontrahenten in die DEL 2 ist vertraglich ausgeschlossen. "Ganz klar: Mein Ziel ist eine Rückkehr in die DEL", stellt der Mann, der im kanadischen Kingston geboren ist, klar. Wie lange können sich die Fans noch über das Mitwirken des Ex-Nationalspielers freuen? John Tripp zuckt mit den Schultern: "Vielleicht nur noch wenige Tage, vielleicht auch fünf Jahre. Ich weiß es wirklich nicht."

Sportlich läuft es für die Eispiraten bisher nicht rund. Sie sind mit zwei Siegen und sechs Niederlagen in die neue Saison gestartet, stehen auf dem vorletzten Tabellenplatz. "Wir haben viele gute Individualisten im Kader. Wichtig ist aber, dass wir uns auf dem Eis als Einheit präsentieren", weiß John Tripp, der bisher drei Treffer und eine Vorlage in seiner Bilanz stehen hat. Bei der Derby-Pleite am Sonntag gegen Dresden war der Frust bei ihm deutlich zu spüren. Im letzten Abschnitt attackierte der Stürmer seinen Gegenspieler Vladislav Filin mit den Fäusten. Allerdings darf nicht nur ein Blick auf die Zahlen geworfen werden. "John Tripp bringt viel Erfahrung mit, arbeitet intensiv mit den jungen Spielern und ist für alle eine Respektsperson", beschreibt Kapitän André Schietzold seine Rolle in der Mannschaft.

Zwillinge dank Leihmutter

Für die Fortsetzung seiner Karriere nimmt John Tripp auch eine Trennung auf Zeit von seiner Familie in Kauf. Er skypt täglich mit seiner Ehefrau Taryn Turnbell, die als Basketballerin in der 2. Bundesliga gespielt hat, und den vierjährigen Zwillingen. Ben und Helena sind durch eine Leihmutter zur Welt gekommen. Das Paar versuchte sechs Jahre vergeblich ein Kind zu zeugen. Ein Arzt stellte fest, dass Taryn keinen Nachwuchs bekommen kann. Nachdem eine Adoption nicht zur Debatte stand, entschied sich die Familie für eine Leihmutterschaft. Eine Schulfreundin seiner Frau trug die beiden Kinder aus. "Wir haben den Kindern von Anfang an die Wahrheit gesagt", sagt John Tripp. Er hofft, dass seine Familie mit Unterstützung einer Leihmutter noch einmal Zuwachs bekommt: "Wir arbeiten daran."

John Tripp denkt aber nicht nur an die eigene Familie. Während seiner Zeit in Köln organisierte er verschiedene Spendenaktionen für die Krebsstation eines Kinderkrankenhauses. Dabei kamen innerhalb von fünf Jahren rund 120.000 Euro zusammen. "Sie sind echte Kämpfer, bekommen Krebs und bleiben trotzdem stark", nennt John Tripp seine Beweggründe. Ihn berühren dieses Schicksale sehr. Er selbst war schon zweimal an Hautkrebs erkrankt. "Ich habe darüber nachgedacht, eine ähnliche Aktion auch hier zu starten", meint der Ausnahmespieler. Wenn die erhoffte DEL-Offerte ausbleibt, möchte er aktiv werden.

 Dank der Großeltern problemlos zum deutschen Pass

John Tripp blieb in der besten Liga der Welt der Durchbruch verwehrt. Insgesamt absolvierte der Kanadier in der National Hockey League (NHL) zwischen 2002 und 2004 für die New York Rangers und die Los Angeles Kings 43 Partien. Nachdem er allerdings oft nur in der zweitklassigen American Hockey League (AHL) zum Einsatz kam, entschied er sich für den Wechsel nach Europa.

Die Ausländerposition nahm er in Deutschland jedoch nicht lange ein. Der Grund: Seine Großeltern stammten aus Lahr in Baden-Württemberg und waren nach Nordamerika ausgewandert. Dadurch erhielt der Offensivmann schon 2006 einen deutschen Pass. Er stürmte elf Jahre ununterbrochen für DEL-Vereine. Mannheim, Ingolstadt, Hamburg, Hannover und Köln waren seine Arbeitgeber.

Bei den Kölner Haien, die Tripp zwischenzeitlich als Kapitän anführte, wurde sein Vertrag im Frühjahr nicht verlängert. "Bei einem Blick auf die Fotos von meiner Verabschiedung haben viele Freunde gedacht, dass ich meine Karriere beendet habe", beschreibt der 38-Jährige den emotionalen Abschied aus der Domstadt. Er kommt in 596 DEL-Einsätzen auf 158 Tore und 191 Vorlagen.

Für die deutsche Nationalmannschaft stand John Tripp zwischen 2006 und 2014 auf dem Eis. Er bestritt 110 Länderspiele (28 Tore und 15 Vorlagen). Auf dem Höhepunkt seiner internationalen Karriere war er 2010, als Tripp zunächst an den Olympischen Spielen in Vancouver teilnehmen durfte und danach mit der deutschen Auswahl bei der Heim-Weltmeisterschaft den Einzug in das Halbfinale schaffte. (hof)

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