Junger Christ im rechten Licht?

CFC-Fußballprofi Christian Mauersberger sorgte für mächtig Wirbel. Sein Arbeitgeber hat ihn vom Spielbetrieb gesperrt, ihm eine Abmahnung und eine saftige Geldstrafe verpasst.

Chemnitz.

Die Gerüchte kursierten nicht erst, seit Trainer Karsten Heine das Zepter beim Fußball-Drittligisten Chemnitzer FC schwingt. "Das war das erste, was ich gehört habe, als ich hierher kam: dass die Spieler saufen gehen", sagte Heine nach seinem Amtsantritt. Doch Belegbares gab es damals nicht. Vier Monate später sieht die Beweislage anders aus: Nachdem Maik Kegel vor dem Duisburg-Spiel suspendiert worden war, strich Heine Stürmer Christian Mauersberger vergangenen Freitag vor der katastrophalen 0:3-Schlappe bei Borussia Dortmund II aus der Startelf. Mauersberger hatte ein Video, das ihn mit einem Bierglas bei einem Spiel zeigt, in dem halbe Liter auf Ex getrunken werden, auf sein Facebook-Profil gestellt. Zudem dankte er in der Videobotschaft einem "deutschen arischen Freund", was natürlich hohe Wellen schlug. "Ich habe mir nichts dabei gedacht", erklärte der 18-Jährige reumütig. Zwei Tage später reagierte der Verein. Laut Pressemitteilung wird Mauersberger "bis auf weiteres für den Spielbetrieb der ersten Mannschaft gesperrt." Zudem erhielt er eine "angemessene Geldstrafe" und eine Abmahnung.

Mauersberger selbst war gestern telefonisch nicht erreichbar, äußerte sich nach Festlegung des Strafmaßes in der Mitteilung so: "Ich möchte mich sowohl beim Verein als auch der gesamten Öffentlichkeit für meine unverzeihliche Handlung entschuldigen. Ich bedauere diese dumme Äußerung zutiefst", ließ er mitteilen: "Als bekennender Christ distanziere ich mich eindeutig von jeglichem extremistischen und rassistischen Gedankengut."

Dass dies tatsächlich so ist, dafür legte sich sein ehemaliger Mitspieler Josip Landeka ins Zeug. Der Kroate bestätigte im Gespräch mit "Freie Presse" die christlich geprägte Erziehung von Mauersberger, der vor Spielen in der Bibel liest und vor drei Monaten auch einen Bibelkreis gegründet hatte. "Wir haben uns donnerstags mit Anton Makarenko und Josef Cinar, die wie ich auch ausländische Wurzeln haben, in der Runde getroffen. Wenn Christian alles ist, aber Nazi ist er keiner. Es tut mir weh, wenn der Junge in so ein Licht gestellt wird", sagte Landeka, der in der Winterpause zum SV Darmstadt, dem kommenden CFC-Gegner am Samstag, gewechselt war.

Mauersberger wuchs im erzgebirgischen Steinbach auf. Als Junioren-Nationalspieler und großes Talent wurde er bereits mit Michael Ballack verglichen. Nun steht der Offensivspieler vor der größten Herausforderung seiner Laufbahn. Er muss beweisen, dass er aus einer Jugendsünde die richtigen Lehren zieht. Der CFC braucht eigentlich seine fußballerischen Fähigkeiten im Abstiegskampf, muss allerdings die Auswüchse nicht leistungssportgerechter Lebensweise bei einzelnen Spielern hart bestrafen. Dies hat der Verein gestern in angemessener Weise getan. "Wir haben diese Dinge noch mal mit der Mannschaft besprochen", erklärte Präsident Mathias Hänel auf Anfrage. Zur dazu passenden sportlichen Misere bewahrte der Chefarzt (noch) die Ruhe: "Wir sollten die Lage um Gottes willen nicht unterschätzen, aber auch nicht überspitzen. Wir haben noch 13 Spiele, 7 davon zu Hause, um die Klasse zu halten." Dann wäre der Zeitpunkt sicher günstiger, mal einen über den Durst zu trinken.


Kommentar: Fatale Wirkung

Egal, ob Christian Mauersberger - wie er selbst beteuert - nur einen dummen Gedanken hatte. Die Außenwirkung für ihn und den Verein ist fatal. Da wird wenige Tage zuvor Mitspieler Maik Kegel suspendiert, weil dieser - mutmaßlich wegen Trunkenheit - gestürzt ist, das Training verpasste. Dann stellt Mauersberger ein Video auf Facebook, das ihn mit Bierglas bei einem Spiel zeigt, in dem halbe Liter auf Ex getrunken werden.

Sein Arbeitgeber befindet sich derweil im Abstiegskampf. Sollte der CFC tatsächlich in Liga vier abstürzen, wird das Mitarbeitern den Job kosten. Und nicht nur dies: Das gegen Widerstände durchgeboxte Stadionprojekt erhält durch seine Kritiker neuen Gegenwind. Zu allem Überfluss stellt sich Mauersberger mit seiner Videobotschaft an einen "deutschen arischen Freund" in ein Licht, das selbst ohne Böswilligkeit die Frage nach einer dumpfen Gesinnung aufwirft. Die Sache ist, ob sich die Vokabel arisch für Ironie eignet. Kein Witz ist: So etwas kann eine Profikarriere von einem auf den anderen Tag zerstören. Dabei sollten doch gerade junge Menschen wissen, wie soziale Netzwerke funktionieren, welche Wirkung sie haben können.

Fest steht: Nicht die Medien - wie beim CFC oft kritisiert - sind schuld an der miesen Außendarstellung des Clubs. Die Angriffspunkte kommen vom CFC selbst, in dem Falle von den Spielern Kegel und Mauersberger. In der breiten Öffentlichkeit wird dann meist nicht differenziert und hinterfragt, sondern schnell verurteilt. Da gehen DIE Spieler saufen und nicht zwei oder drei. Und Klischees bekommen neue Nahrung. Denn schon im letzten DFB-Pokalspiel gegen Dynamo Dresden erfuhr der ARD-Zuschauer, dass in Chemnitz dunkelhäutige Spieler mit Affenlauten begleitet werden. Und 40 Kilometer weiter wird in Zwickau "Sieg heil" in der Kabine gejubelt. Ob das den Osten der Republik so widerspiegelt, wie er wirklich ist? Mitnichten. Welche Wirkung das allgemein und vor allem bei potenziellen Sponsoren hinterlässt, kann sich aber jeder ausmalen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
 Artikel versenden
Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.
16Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 0
    0
    Pixelghost
    20.02.2014

    Hat der Junge in seinen bisherigen 18 Jahren sonst noch was gelernt, außer an den Ball zu treten? Offensichtlich nicht.

  • 2
    0
    f1234
    19.02.2014

    @Ballfreund: Sehr schön auf den Punkt gebracht!

  • 2
    0
    Ballfreund
    19.02.2014

    @f1234: Es gibt keine relevante Gefahr für die Demokratie, völlig richtig beschrieben. Aber der immerwährende "Kampf gegen Rechts" wirft staatliche Beihilfen (seit neuesten auch wieder ohne Bekenntnis zur FDGO), Posten im Sozialarbeitermilieu und manchmal ganze politische Karrieren ab, die zumindest einem Teil des von ihnen beschriebenen Klientels Lohn und Brot bringt. Deswegen ist die Kampf der tapferen Don Quijot gegen die brauen Windmühlen so wichtig.

  • 2
    0
    f1234
    19.02.2014

    @aadvark: Wir hatten die Diskussion ja schon mehrmals hier, aber trotzdem frage ich Sie noch einmal ganz konkret, worin die angebliche Gefahr für die Demokratie von Rechts besteht? Ich sehe die nämlich nicht. Was ich sehe: Ein paar unterbelichtete Totalversager, die sich in Ermangelung irgendwelcher Eigenschaften oder Leistungen, die ihnen den Respekt der Mitmenschen einbringen, an eine Gruppe binden, die ihnen das Gefühl gibt, zu irgendetwas nutze zu sein. Die in ihrem Leben nichts gebacken bekommen haben und dafür aus Bequemlichkeit Andere verantwortlich machen. Auf der linken Gegenseite genau die selben Typen, nur dass die ihr Versagen damit kaschieren, für eine höhere Sache zu kämpfen. Und deswegen keine Zeit haben, einer geregelten Arbeit nachzugehen. Dann sehe ich eine Partei wie die NPD, deren bundespolitischer Einfluss nah an der Wahrnehmungsgrenze liegt und die es trotzdem ab und zu geschafft hat, ein paar geistige Tiefflieger in ein, zwei Landesparlamente zu entsenden. Wo sie sich dann als erstes gegenseitig demontieren. Dazu ein korrupter und unfähiger Vorstand, der es schafft, die Partei in die Pleite zu manövrieren. Dann sehe ich ab und zu ein paar hundert streng gescheitelte Vollpfosten, die es sogar geschafft haben, die Formulare für die Anmeldung einer Demonstration auszufüllen. Eine Demonstration, die wahrscheinlich nur als skurrile Folkloretruppe wahrgenommen würde, wären da nicht Hundertschaften Polizei, die diese Flachzangen von den Flachzangen auf der linken Strassenseite trennen müssen, da sich all diese Chaoten ansonsten die Schädel einschlagen würden. Usw., usw.... Aber vielleicht haben Sie ja konkrete Belege dafür, dass es bei ungezügelter Benutzung des Wortes "Mohrenkopf" zwangsläufig zur Machtübernahme der Nazis in Deutschland kommen wird. Und deswegen den Anfängen gewehrt werden muss....

  • 0
    2
    gelöschter Nutzer
    18.02.2014

    Lieber Ballfreund: Es geht mir sicher nicht um rechts von der SPD, eher rechts von der CSU und nur weil in ganz Weisteuropa diese Strömungen zu Hauf zu beobachten sind, macht sie das nicht besser. Und falls Ihnen das nicht aufgefallen sein sollte: Fackelmärsche hatten wir bereits, z.B. in Schneeberg unter Führung einer eindeutig rechtsradikalen Partei. Wenn Ihnen das keine Angst macht, mir schon. @f1234: Super, Sie haben mich genau verstanden. ja, das meinte ich. Und Sie haben alle wichtigen Worte benutzt, wie "Gutmenschen" und "linke Gesinnungspolizei" - ich komm mir vor wie beim Frei.Wild-Bullshit Bingo. Wenn Sie das nicht kennen sollen, goggeln Sie das mal, ist ein lustiges Spiel.

  • 2
    0
    Ballfreund
    18.02.2014

    @aadvark: Ihre politische Selbstverortung liegt ganz bei Ihnen, kein Problem. Aber vielleicht sollten Sie sich einmal dem Gedanken nähern, daß nicht alles rechts von SPD automatisch "rächtz" ist. Schauen Sie auf die Schweiz, Österreich, Finnland, Großbritannien, Frankreich. Überall gibt es der AfD ähnliche Parteien, ohne daß diese Länder in Fackelaufmärschen und Stiefelknallen versinken würden. Das oberlehrerhafte Tun wie z.B. bei Mauersberger führt nur dazu, dass sich die Menschen einfach nicht mehr von der Nomenklatura und den ihr treu folgenden Untertanen bevormunden lassen wollen. Auch die DDR ist letztlich an dem Anspruch gescheitert, ihr Volk "erziehen" zu wollen. Der Freiheitswille war stärker.

  • 3
    0
    f1234
    18.02.2014

    @aadvark: Welche Relativierungen meinen Sie? Ist es eine Relativierung, wenn ich sage, dass die angebliche Bedrohung der Demokratie von rechts ein Popanz der Linken und sonstigen "Gutmenschen" ist, die nichts mit der politischen Realität zu tun hat. Wenn ich sage, dass eine viel größere Gefahr für die Demokratie von einer selbsternannten linken Gesinnungspolizei ausgeht, die einen 18-jährigen für seine lächerlichen Äußerungen eine derartige öffentliche Abbitte abnötigt oder die Benutzung des Wortes "Mohrenkopf" als Ausdruck einer das Zusammenleben der Gesellschaft gefährdenden Menschenverachtung ansieht?

  • 0
    2
    gelöschter Nutzer
    18.02.2014

    Genau diese Relativiereungen, wie sie von Ihnen, f1234 immer wieder kommen.

  • 1
    2
    JDFoto
    18.02.2014

    @aardvark, das mit dem gesellschaftsfähigen Gedanken gut missfällt mir mittlerweile auch. Man kann die Mitte eben doch verschieben

  • 2
    1
    f1234
    18.02.2014

    @aadvark: Was ist denn rechtes Gedankengut, welches "immer mehr hoffähig" wird? Alles, was nicht links-grün ist? Und wer definiert überhaupt, was rechtes Gedankengut ist? Die Linken?

  • 0
    2
    gelöschter Nutzer
    18.02.2014

    Lieber Ballfreund, was für ALLE sichtbar auf sozialen Netzwerken veröffentlich wird, kann jeder sehen und muss nicht erschnüffelt werden. Jeder kann und sollte selbst entscheiden, welche Blöße er sich dort geben will. Viel mehr entsetzt mich, wie in den letzten Monaten immer mehr rechtes Gedankengut gesellschaftsfähig wird. Ganz wichtig dabei, diejenigen, die es verbreiten, beteuern, nicht rechts zu sein und beschimpfen jeden, der das Gegenteil behauptet. Wenn das die politische Mitte ist, will ich da nicht stehen.

  • 3
    1
    Ballfreund
    18.02.2014

    Mensch bine83, sie sind ja ein wahres Talent im Schnüffeln, Verdächtigen und freien Interpretieren von fremden Meinungen. Schade, mit dieser Neigung hätten sie vor 30 Jahren noch große Karriere machen können...

  • 3
    0
    JDFoto
    18.02.2014

    Vielen Dank an DrGonzo83, ich sehe es genau so. Pardon aber verwirrende, in den Raum geworfene Kommentare, deren Sinn sich mir nicht erschließt, ist für ein weiteres Ansehen der Sportart nicht wirklich dienlich. Denn diese Aussagen lassen die Fans mehr als emotionale Bündelung anstatt als ausgeglichene und kritikfähige, mündige Menschen dastehen. Er hat einen Fehler gemacht und ist Person des öffentlichen interesses. Kurz: Blöd gelaufen. Aussagen wie diese sollte man sich sehr gut überlegen, da sie ja letztendlich immer als Spiegel für den gesamten Sport gewertet werden.

  • 0
    7
    bine83
    17.02.2014

    @DrGonzo83, schau Dir die Gesinnungsgenossen doch an, Beispiele gefällig: Mario Beier Hoffentlich lässt sich im Verlauf der Woche niemand beim Zigeunerschnitzelessen filmen, sonst fehlen am Wochenende wieder paar Spieler. Andi Hery Oder isst einen Negerkuss.. Thomas Leistner Habt ihr Eigentlich auch scho mal nen Spaß gemacht? Mein Gott es gibt auch blonde und blauäugige freunde Ralf Gründer Was ist denn an seiner Äußerung so "schlimm" ???? Keine Mensch regt sich über Linke auf, wenn diese die Bombardierung von Dresden gutheißen !!! usw. und so fort.

  • 8
    3
    DrGonzo83
    17.02.2014

    Bevor man hier solche populistischen reden schwingt, bine83, sollte man sich erstmal genau informieren. Solche sinnfreien aussagen wie deine, rücken uns erst dahin.

  • 5
    8
    bine83
    17.02.2014

    Bei den Facebook-Kommentaren zum Freie Presse Artikel wird deutlich, in welcher braunen Soße Herr Mauersberger schwimmt. Und wenn man sich die "Freunde" der Kommentatoren so anschaut, steht man plötzlich vor einem riesigen braunen Netzwerk, was die Fanbasis des CFC sein will.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...