Klingenthaler freut sich auf Garmisch

Jürgen Thomas fiebert seinem zweiten Einsatz als Wertungsrichter bei der Vierschanzentournee entgegen. Dass der 57-Jährige ausgerechnet beim Neujahrsspringen Haltungsnoten vergibt, ist für ihn etwas ganz Besonderes.

Klingenthal.

Für Jürgen Thomas schließt sich zum Jahreswechsel in Garmisch-Partenkirchen der Kreis: Denn sein neunter Platz beim Tourneespringen 1977 auf der Olympiaschanze und der zehnte Rang vom Jahr darauf gehören zu den Top-Resultaten des einstigen Skispringers von Dynamo Klingenthal. "Da mich auch noch ein, zwei andere Dinge mit Garmisch verbinden, wollte ich unbedingt dort einmal eingesetzt werden. Ich freue mich, dass es dieses Jahr klappt", sagt der Wertungsrichter aus Klingenthal.

Wenn am Neujahrstag Millionen Fernsehzuschauer aus aller Welt die Entscheidung beim zweiten Tournee-Sprunglauf verfolgen, wird sich hinter der Haltungsnote mit dem Deutschland-Fähnchen also das Urteil eines Vogtländers verbergen. Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt ein Blick auf die bisherigen Einsätze von Jürgen Thomas. Obwohl er seit gut 15 Jahren für den Internationalen Skiverband (FIS) unterwegs ist, war er bislang erst einmal bei der Vierschanzentournee dabei: 2003 in Bischofshofen.

An den Einsatz kann sich Jürgen Thomas noch sehr gut erinnern, denn er gab dem damals gerade erst 16-jährigen und noch relativ unbekannten Österreicher Thomas Morgenstern seine erste 20,0, also die beste Haltungsnote im Skispringen. Der Vogtländer erinnert sich: "Es war ein kompliziertes Springen mit vielen Windunterbrechungen. Der Morgenstern hat sich ohne ein Zucken vom Wind hochtreiben lassen und den Sprung durchgezogen. Das war genial, und da geb' ich eben auch mal eine 20,0. Ich kann mich da noch gut in den Springer hineinversetzen, auch wenn meine aktive Zeit schon ein Stückchen her ist."

Vorbei war seine Laufbahn in der Nationalmannschaft nach einem Oberschenkelbruch, den er sich auf der Vogtlandschanze in Mühlleithen zuzog, schneller als gedacht. Für den gebürtigen Sebnitzer, der als Achtklässler an die Kinder- und Jugendsportschule nach Klingenthal gekommen war, stand aber eines von Beginn an fest. Dem Skisport wollte er in jedem Fall treu bleiben. So absolvierte er schon 1980 seine Ausbildung zum Kampf- und Wertungsrichter und arbeitete nach erfolgreichem Ökonomie-Studium bis weit nach der Wende beim Sportclub. "Es war eine schwierige Zeit. Mein Antrieb war es immer, nicht auch noch die Sportler zu verlieren."

Beim "Aufstieg" zum internationalen Wertungsrichter half dem inzwischen schon mehrere Jahre in der Nähe von Stuttgart in der Verpackungsmittelindustrie tätigen Vogtländer einst der Zufall. "Als ich 1998 einen Anruf von den Organisatoren der Deutschen Meisterschaft in Oberstdorf erhielt, dass ein Wertungsrichter ausgefallen ist, bin ich schnurstracks hingefahren", sagt Jürgen Thomas. Das war der Türöffner für die Riege der FIS-Wertungsrichter, zumal er eine Reihe prominenter Fürsprecher hatte, darunter mit Wolfgang Schedewy auch einen langjährigen Sprungrichter aus Klingenthal.

Im Laufe der Jahre hat Jürgen Thomas, der am Aschberg auch eine Weile lang als Rennleiter fungierte, an vielen Weltcup-Stationen seine Visitenkarte hinterlassen. Voller Begeisterung erzählt er zum Beispiel von Einsätzen in der norwegischen Olympiastadt Lillehammer oder im polnischen Wisla, der Heimat von Adam Malysz. "Dort gibt es das wohl fanatischste Publikum", erzählt Jürgen Thomas. Zu seinen bisherigen Höhepunkten gehörte zudem ein Einsatz bei der Skiflug-WM.

In der Saison 2013/14 steht für den Klingenthaler noch ein Heimspiel beim Continentalcup der Nordisch-Kombinierten im Januar an. Da er bald die Sprungrichter-Altersgrenze (60) erreicht hat, würde er sich noch über Einsätze in Skandinavien und in Zakopane freuen.

So funktioniert's: Haltungsnoten werden beim Skispringen vergeben, um neben der Weite auch den Stil in die Gesamtnote einfließen zu lassen. Jeder Versuch wird von fünf Sprungrichtern benotet, wobei die beste und die schlechteste Note aus der Wertung fallen. Für die Benotung wird der Sprung in drei Phasen (Flug, Landung, Ausfahrt) unterteilt. Die Richter ziehen für Korrekturen in der Luft, unsaubere Landung oder Wackler in der Ausfahrt Punkte ab. Die Höchstnote ist die 20,0.

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