Abschied von einer Sportlegende

Freunde und Weggefährten haben Helmut Schorler die letzte Ehre erwiesen. Der Ex-Wasserball-Nationalspieler und Schwimmer ist 86-jährig verstorben.

Er ahnte wohl, dass das Ende naht. Das war nicht mehr der optimistische, meist zu Späßen aufgelegte Helmut Schorler. Bei einem Telefonat Ende Februar bezeichnete der 86-Jährige seinen Zustand als ein "Dahinsiechen". Die Legende des Chemnitzer Schwimm- und Wasserballsports hatte sich von einem Unfall im Juni 2012 nicht mehr erholt: Damals war Schorler in seinem Appartement gestürzt und hatte sich schwer am Kopf verletzt. Zu der Zeit gab er sich noch nicht auf. "Irgendwann will ich nochmal ins Schwimmbecken steigen", sagte der Chemnitzer anlässlich seines 85. Geburtstages im August 2013. Der Wunsch ging nicht mehr in Erfüllung. Am Montag nahmen Familie, Freunde und Weggefährten Abschied von Helmut Schorler, der 86-jährig verstorben ist.

Als Kind war er durch seine Schwester, eine deutsche Nachwuchsmeisterin, zum Schwimmen gekommen. 1940 holte Schorler den sächsischen Jugend-Titel im Brustschwimmen, zwei Jahre später wurde er gesamtdeutscher Nachwuchsmeister. Als er aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, wandte er sich dem Wasserball zu. Schorler bestritt 82 Länderspiele für die DDR. Sein Traum, an Olympischen Spielen teilzunehmen, erfüllte sich nicht. "1952 in Helsinki durften wir nicht antreten. Und 1956 sind wir um den Start in Melbourne betrogen worden", erzählte er einmal im Gespräch mit der "Freien Presse". Das damalige entscheidende Qualifikationsspiel gegen die BRD sei von einem Österreicher geleitet worden, der käuflich war. "Doch wir waren nicht bereit, ihm Geld zu zahlen oder Geschenke zu machen. Entsprechend hat er gegen uns gepfiffen, und wir haben 2:3 verloren", so Schorler.

Gern plauderte er auch über die Punktspiele mit der BSG Lok Karl-Marx-Stadt im hiesigen Stadtbad vor mitunter mehr als 1000 Zuschauern. Es sei heiß hergegangen. "Einmal ist ein Schiedsrichter von Zuschauern verkloppt worden, sodass die Polizei anrücken musste", berichtete Schorler, der im Seniorenalter wieder zum begeisterten Schwimmer wurde und zahlreiche Medaillen gewann. Zudem bekleidete der Chemnitzer 63 Jahre lang Ehrenämter im Sport. "Er war Gründungsmitglied der BSG Lok und ist dem Verein immer eng verbunden gewesen", sagt Dietmar Hunger, Präsident des heutigen ESV Lok. Helmut Schorler habe einfach nicht nein sagen können, wenn er gebraucht wurde.

Tief ist die Trauer auch beim Stadtsportbund Chemnitz, dessen Schatzmeister Schorler über viele Jahre war. "Für sein Engagement wurde er unter anderem mit dem Chemmy und der Ehrennadel des Landessportbundes in Gold aus- gezeichnet. Ein besonderer Höhepunkt war der Eintrag in das Goldene Buch unserer Stadt. Wir werden Helmut Schorler immer ein ehrendes Andenken bewahren", heißt es im Nachruf des Stadtsportbundes.

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