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Rico Steinmann, hier im März 1993, trug sechs Jahre lang das Trikot des 1. FC Köln.

Foto: imago sportBild 1 / 2

Als ein Chemnitzer am Rhein Europapokal-Geschichte schrieb

Morgen Abend ist der 1. FC Köln zum ersten Mal seit 25 Jahren wieder auf internationaler Bühne vertreten. Ein Fernseh- zuschauer wird die Partie bei Arsenal London mit besonderen Augen sehen.

Von Mario Schmidt
erschienen am 13.09.2017

Die Stimme von TV-Kommentator Werner Hansch überschlug sich fast an jenem 16. September 1992. Im Europapokal-Duell zwischen dem 1. FC Köln und Celtic Glasgow lief beim Stand von 1:0 die 82. Minute, als die Gastgeber einen Konter über die linke Seite starteten, wo Rico Steinmann steil geschickt wurde. Mit letztem Einsatz konnte der Ex-Chemnitzer den Ball noch erlaufen und flankte in die Mitte, wo Frank Ordenewitz zum 2:0-Endstand einköpfte. "Eine Energieleistung von Steinmann", schwärmte Kommentator Hansch. Der Moment hatte etwas Historisches: Jener Treffer sollte das letzte Kölner Europacup-Tor für mindestens 25 Jahre sein. Erst morgen Abend mit dem Spiel bei Arsenal London beenden die Rheinländer ihre lange Abstinenz von der internationalen Bühne.

Hundertprozentig konnte sich Rico Steinmann auf Nachfrage nicht mehr an seine damalige Torvorbereitung erinnern. Dafür hat der heute 49-Jährige in seiner Karriere zu viel erlebt. Mit der DDR-Auswahl war er U-18-Europameister, Dritter der U-20-WM und gab mit 17 Jahren sein Debüt beim FC Karl-Marx-Stadt in der Oberliga. Es folgten 23 Einsätze in der DDR-Nationalmannschaft - und 1991 der spektakuläre Wechsel für rund 3,5 Millionen Mark vom Chemnitzer FC zum 1. FC Köln in die Bundesliga.

Was Steinmann aber noch genau weiß: Die Duelle 1992 mit Celtic Glasgow waren für die Kölner etwas Besonderes. "In der vorangegangenen Saison hatten wir in der Bundesliga lange hinten gestanden, konnten uns dann aber doch noch für den Europapokal qualifizieren. Auch deshalb waren wir gegen Glasgow bis in die Haarspitzen motiviert", berichtet Steinmann. Die Schotten seien keine Übermannschaft gewesen. Dennoch reichte der 2:0-Sieg im Hinspiel nicht fürs Weiterkommen. "Wir sind in Glasgow überrollt worden, haben 0:3 verloren", sagt der Ex-Nationalspieler im Rückblick auf den schwarzen Fußball-Abend.

Steinmann, der zur Wendezeit als vielleicht sogar größtes Talent des ostdeutschen Fußballs galt, hatte in Köln einen schweren Stand. Die Erwartungshaltung war nicht zuletzt wegen der hohen Ablösesumme enorm. Zudem spielte der Chemnitzer nie auf seiner Lieblingsposition hinter den Spitzen, die Weltmeister Pierre Littbarski bekleidete. Steinmann musste auf die Außenbahn ausweichen. "Ich habe versucht, das Beste draus zu machen", sagt er. Obwohl Köln für ihn nie zur Wohlfühl-Oase wurde, spielte er sechs Jahre in der Dom-Stadt und brachte es auf 139 Bundesliga-Partien. "Es hätten schon ein paar mehr sein können", stellt er heute fest.

Doch da war auch ein Trainer, mit dem er nicht klar kam. Der 2010 verstorbene Jörg Berger fällte einmal ein vernichtendes Urteil über Rico Steinmann. "Er hat nie gelernt, sich durchzusetzen. Ihm fehlt das Basiswissen im Überlebenskampf der Bundesliga", sagte Berger einst über den Chemnitzer, der diese Aussage noch heute mit einem Kopfschütteln quittiert. "Das klang so, als wäre ich aus der Kreisklasse zum 1. FC Köln gewechselt. Doch auch ich musste mich vorher dem Konkurrenzkampf stellen, zum Beispiel in der DDR-Nationalmannschaft", so Steinmann. Sein letzter Trainer in Köln, Peter Neururer, schätzte die Situation des Sachsen am Rhein ganz anders ein. "Rico wurde in Köln heruntergewirtschaftet", sagte Neururer. Steinmann bezeichnet dieses Statement zwar als leicht übertrieben, "es kommt der Wahrheit aber deutlich näher".

Soll nicht heißen, dass Steinmann nur im Zorn auf die Kölner Zeit zurückblickt. "Es war nicht alles schlecht", betont der Ex-Profi, der seine Laufbahn bei Twente Enschede in Holland beendete. Wenn man in einem bestimmten Klub gespielt hat, bleibe immer etwas hängen. "Ich verfolge nach wie vor das Geschehen beim 1. FC Köln", sagt Steinmann. Er werde auch morgen Abend vor dem Fernseher sitzen und sich die Partie bei Arsenal London (Anstoß: 21.05 Uhr) auf Sport 1 anschauen. "Ich wünsche den Kölnern viel Erfolg, dass sie nach ihrer Riesensaison im vergangenen Spieljahr jetzt in der Euro League so weit wie möglich kommen", unterstreicht Steinmann, der beruflich im Marketing-Bereich eines Großhandelsunternehmens tätig ist. Den schlechten Bundesliga-Start seines Ex-Vereins mit drei Niederlagen in drei Spielen will er nicht dramatisieren. "Köln hat das Potenzial, unten rauszukommen", ist er sich sicher. Die Doppelbelastung mit dem europäischen Wettbewerb dürfte kein Problem sein. "Ich selbst habe als Profi lieber Spiele bestritten als zu trainieren", so Steinmann.

 
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