Früherer Top-Referee aus Chemnitz verstorben

Handball-Szene trauert um Schiedsrichterwart Peter Rauchfuß

Er war nicht nur wegen seiner Statur ein Schwergewicht im Handball-Sport. Peter Rauchfuß zählte viele Jahre lang zu den in- ternationalen Top-Schiedsrichtern. Ausdruck dessen waren auch seine Einsätze bei vier Olympischen Spielen sowie neun Weltmeisterschaften. Am Samstag ist der Chemnitzer im Alter von 71 Jahren nach langer, schwerer Krankheit verstorben. Das teilte der Deutsche Handball-Bund mit, dessen Schiedsrichterwart Rauchfuß bis zuletzt war. Verbands-Präsident Andreas Michelmann zeigte sich tief betroffen. "Mit Peter Rauchfuß verlieren wir den Motor unseres Schiedsrichterwesens. Er war der Förderer unserer Unparteiischen. Wir trauern um eine große Persönlichkeit", sagte Michelmann.

Höhepunkt in der Schiri-Laufbahn von Rauchfuß war das Olympia-Finale der Frauen 1988 in Seoul, das er mit seinem langjährigen Partner Rudolf Buchda leitete. Gastgeber Südkorea gewann damals 21:19 gegen die Sowjetunion. Fast schon abenteuerlich war der Einsatz des Karl-Marx-Städters bei den Sommerspielen 1984 in Los Angeles, die von den Ostblock-Staaten boykottiert wurden. Seine Nominierung durch die internationale Handball-Föderation habe einigen DDR-Funktionären nicht geschmeckt, berichtete Rauchfuß einmal im Gespräch mit der "Freien Presse". Dies habe er in Los Angeles zu spüren bekommen. "Wir hatten die strenge Anweisung, nicht als Bürger der DDR in Erscheinung zu treten", erzählte Rauchfuß. Zudem sei er damals von einem Amerikaner beschattet worden. Als er ihn im Hotel zur Rede stellte, habe er die Antwort erhalten. "Ich bin zu Ihrer Sicherheit hier."

Die Situation des Handball-Sports in Chemnitz, dessen stärkste Teams in Liga vier (Frauen) und Liga sechs (Männer) spielen, bezeichnete der ehemalige Marketing-Leiter der Einsiedler Brauerei stets als unbefriedigend. Die Gründe dafür lagen für ihn lange zurück: "1972 konnten sich Funktionäre in Karl-Marx-Stadt nicht einigen, dem Handball eine leistungssportliche Orientierung zu geben. Dieser Fehler haftet der Sportart noch heute an." (ms/dpa)

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