Großer Abend für den TuS Altendorf

Bei der Chemmy- Verleihung an die Sportler des Jahres räumte ein Verein drei der sieben Trophäen ab. Zu den Gewinnern zählte auch ein junger Athlet mit Schrauben in der Schulter.

Sportlerin des Jahres: Langsam muss sich Sophie Scheder etwas einfallen lassen, wo sie ihre Trophäen unterbringt. Die Kunstturnerin vom TuS Altendorf ist am Samstagabend im Autohaus Schloz & Wöllenstein zum vierten Mal in Folge als Chemnitzer Sportlerin des Jahres geehrt worden - in Abwesenheit. Mit ihren deutschen Teamgefährtinnen weilte sie in Frankfurt/Main. Von dort fliegen die Sportlerinnen heute Abend nach Rio de Janeiro zur Olympia-Qualifikation. "Wir haben in Rio zwar große Konkurrenz, aber wir holen das Ding nach Hause", sagte die per Video-Anruf zugeschaltete Gerätekünstlerin unter dem tosenden Beifall der gut 600 Gala-Gäste. Sophie Scheder hatte im Vorjahr unter anderem zweimal Silber bei den Europa-Spielen in Baku/Aserbaidschan gewonnen. Ihren Chemmy nahm Sponsor Stefan Richter entgegen. Der Restaurantbetreiber kocht mit den Altendorferinnen ab und zu. "Man sieht, was dabei herauskommt", bemerkte er augenzwinkernd.

Sportler des Jahres: Ihn kann man mit Fug und Recht als Teufelskerl bezeichnen. Obwohl er sich bei einem Sturz im Juni 2015 schwer verletzt hatte, rast Bahnradsportler Joachim Eilers vom Polizeisportverein von Erfolg zu Erfolg. "Ich habe jetzt noch drei Schrauben in der Schulter", sagte der frischgebackene Doppel-Weltmeister. Den Chemmy als bester Chemnitzer Sportler erhielt er für seine Vorjahreserfolge, zu denen Silber und Bronze bei der WM in Frankreich gehörten. Jetzt steigt das Vorstartfieber hinsichtlich Olympia in Rio. Eilers ist offiziell noch nicht nominiert. "Der Bundestrainer entscheidet, drei Leute werden starten. Ich denke, dass an mir kein Weg vorbeiführt", so der 26-Jährige. Er verriet, dass sein Rad eine fünfstellige Summe kostet. "Wir reden dabei nicht von 10.000 oder 20.000 Euro", sagte Eilers.

Mannschaft des Jahres: Die Trophäe ging an die Turnerinnen des TuS Altendorf. Präsident Frank Munzer wusste zu dem Zeitpunkt bereits, dass sein Verein insgesamt drei Chemmys abräumt. "Ich bin selten sprachlos - heute schon", bemerkte Munzer, der die jahrzehntelange engagierte Arbeit der Altendorfer Cheftrainerin Gabi Frehse hervorhob. Die Turnmannschaft hatte im vergangenen Jahr trotz mehrerer Verletzungsausfälle Platz drei in der Bundesliga erkämpft.

Nachwuchssportler des Jahres: Laudator Ingo Steuer, der auch Trainer der Preisträgerin ist, redete nicht um den heißen Brei herum. "Sie ist ehrgeizig, hat einen selbstbestimmten Charakter und schon manchen Trainer zur Weißglut gebracht", sagte er über Eiskunstläuferin Lutricia Bock vom Chemnitzer EC. Auch sie war am Samstag nicht vor Ort, wurde aus Detroit/USA live zugeschaltet. "Ich bin hier, um mein neues Programm choreografisch vorzubereiten. Die Choreografen in Amerika sind einfach besser", erklärte die 16-Jährige. Sie hatte im Vorjahr den deutschen Titel im Erwachsenenbereich geholt. "Es war der erste Meisterschaftsgewinn für unseren Verein bei den Damen seit der Wende", betonte Steuer. Den Chemmy für Lutricia Bock nahm CEC-Präsident Robin Szolkowy, fünffacher Paarlauf-Weltmeister, entgegen.

Ehren-Chemmy: Der Preis wurde erstmals als Vereins-Chemmy an eine Sportgemeinschaft für besonderes ehrenamtliches Engagement verliehen. Und der Premierensieger heißt Chemnitzer Freizeit- und Wohngebietssportverein (CWSV). Dort wird besonders viel getan, "um Menschen zu verbinden, Barrieren zu überwinden", sagte Stadtsportbund-Geschäftsführer Silvio Bonk. Der CWSV mit seinen rund 600 Mitgliedern in zwölf Abteilungen sei seit 20 Jahren Stützpunkt der Initiative "Integration durch Sport". Besonders ins Zeug legen sich dies- bezüglich die American Footballer, die sich Crusaders (Kreuzritter) nennen. "Sie haben mindestens 50 Prozent Anteil an diesem Chemmy", sagte CWSV-Geschäftsführerin Birgit Hiebner. Die Footballer seien zudem immer zur Stelle, wenn man sie brauche - egal, ob beim Stadtfest, bei Blutspende-Aktionen oder anderen Aktivitäten.

Lebenswerk: Er zeigte sich "wahnsinnig überrascht": Bernd Lohse vom Radsportverein (RSV) Chemnitz wurde bei der 19. Chemmy-Verleihung für sein Lebenswerk geehrt. "Das klingt so, als würde ich mich verabschieden. Aber ich werde dem Radsport erhalten bleiben", stellte der 74-Jährige erst mal klar. Der frühere Rennfahrer beim SC Wismut bzw. bei der BSG Wismut war 1990 Mitbegründer des RSV, den er 25 Jahre lang leitete. Aus dem Verein gingen erfolgreiche Fahrer wie Robert Retschke und Christian Kux hervor. "Und unter seiner Leitung wurden 2015 die Innenstadt-Rennen wiederbelebt", erklärte Laudator Michael Hübner.

Sportler des Herzens: Zum zweiten Mal konnten die Leser der "Freien Presse" ihren Liebling der Chemnitzer Sportszene wählen. Und sie entschieden sich für die Altendorfer Turnerin Pauline Schäfer. Sascha Aurich, Ressortleiter Newsdesk der "Freien Presse", zog in seiner Laudatio Vergleiche zu drei früheren Sportgrößen: Fußballer Diego Maradona, Boxer Muhammad Ali und Basketballer Michael Jordan. Genau wie dieses Trio verfüge Pauline Schäfer über die Fähigkeit, "etwas leicht aussehen zu lassen, was wahnsinnig schwer ist".


Sportgala-Splitter

Mit einem Handicap musste Jens Carlowitz vom Chemmy-Organisatorenteam die Veranstaltung am Samstagabend bestreiten. Sein linker Arm steckte in einer Manschette. "Ich hatte Pech beim Skifahren, war zur falschen Zeit am falschen Ort", sagte Carlowitz. Gala-Moderator Marc Huster hatte einen Tipp für den früheren 400-Meter-Läufer parat: "Finde heraus, was du nicht kannst - und lasse es sein!"

Entwarnung konnte Pauline Schäfer geben. Die Turnerin vom TuS Altendorf hatte sich vor kurzem beim Vorbereitungstraining zum Weltcup in Cottbus an der Schulter verletzt. Zunächst war unklar, ob sie der deutschen Mannschaft für die bevorstehende Olympia-Qualifikation in Rio de Janeiro zur Verfügung stehen würde. "Ja, ich kann in Rio turnen", sagte die per Skype zugeschaltete Sportlerin des Herzens.

Zu den Gästen der Chemmy-Verleihung gehörten acht ehemalige erfolgreiche Trainer des SC Karl-Marx-Stadt, darunter Joachim Rother (Schwimmen), Peter Dost (Leichtathletik) und Roland Kaiser (Radsport). Für sie hatte Stefan Grützner, Ex-Erfolgstrainer im Gewichtheben, bei den Veranstaltern Eintrittskarten locker gemacht. "Die Traditionspflege im Sport ist in den Hintergrund getreten. Ich will sie wiederbeleben", sagte Grützner.

Im nächsten Jahr wird der Chemmy zum 20. Mal verliehen. "Dafür lassen wir uns etwas ganz besonderes einfallen", so Mitorganisator Thomas Schönlebe. Auch zu vorgerückter Stunde kurz vor Mitternacht wollte er nicht verraten, was geplant ist. (ms)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...