Im Bann des königlichen Spiels

Florian Fuchs von Eiche Reichenbrand ist der gegenwärtig beste Schachspieler der Stadt - und sieht das WM-Finale mit besonderen Augen.

Für die Schach-Kinder des SV Eiche Reichenbrand gibt es am Ende einer Trainingseinheit nichts Schöneres, als dass ihr großes Vorbild bei ihnen vorbeischaut: Der Sachsenmeister von 2015 und 2016, die aktuelle Nummer eins der Stadt, Florian Fuchs. "Es freut mich, wenn ich den Kleinen den ein oder anderen Tipp mit auf den Weg geben kann, um sie damit immer wieder aufs Neue für dieses vielseitige Spiel zu begeistern", sagt Fuchs. Er selbst war mit 13 Jahren relativ spät über seinen Schach spielenden Großvater beziehungsweise Onkel zum königlichen Spiel gekommen, das ihn voll in seinen Bann zog.

Inzwischen nimmt der Spieler des SV Eiche erfolgreich an Deutschen Meisterschaften und vielen Turnieren teil. Die Folge: Demnächst wird er höher eingestuft und den Status als FIDE-Meister erhalten. Bis zum Internationalen Meister, dem zweithöchsten Titel für Turnierspieler überhaupt, ist es dann zwar noch ein weiter Weg. "Doch man muss sich ja Ziele setzen", sagt der 27-Jährige. Es sei ihm wichtig, sein Spiel stetig zu verbessern und variabler zu gestalten. "Vor allem geht es mir darum, meine Schwächen zu erkennen und auszumerzen, um so noch besser gewappnet in die nächsten Partien zu gehen." Ein bis zwei Stunden Training pro Tag seien dafür schon nötig, sofern es sein Promotions- studium der Theoretischen Physik an der TU Chemnitz zeitlich erlaubt.

Der gebürtige Annaberger war vom SV Marienberg zu Eiche Reichenbrand gekommen - einem Verein, in dem er das Spitzenbrett besetzt. Wie er betont, fühlt er sich bei Eiche wohl und habe deshalb auch Angebote abgelehnt, für höher dotierte Teams zu spielen. Dass die Reichenbrander nach jahrzehntelanger Dominanz der Universitätssportgemeinschaft jetzt drauf und dran ist, der Nummer-eins-Schachverein in der Stadt zu werden, nimmt er gerne mit.

"Die Hauptsache aus meiner Sicht wäre allerdings, dass der Schachsport in Chemnitz insbesondere qualitativ wieder mehr an Gewicht gewinnt. Gerade im Vergleich zu Dresden oder Leipzig hat die Stadt momentan doch einen recht großen Rückstand", meint Fuchs. Wo sieht er die Gründe dafür? "Zuletzt sind nur bedingt gute Spieler aus den hiesigen Vereinen hervorgegangen oder neu von außerhalb hinzugestoßen", erklärt Fuchs. So sind die höchstklassigen Chemnitzer Schach-Teams gegenwärtig nur in Liga vier, der Sachsenliga, vertreten.

Klarer Fall, dass Florian Fuchs auch die derzeitige Nervenschlacht bei der Schach-Weltmeisterschaft in New York zwischen Magnus Carlsen und Sergej Karjakin mit Spannung verfolgt. Für ihn war Titelverteidiger Carlsen aus Norwegen der Favorit. Doch nach den angesetzten zwölf Partien steht es 6:6, sodass ein Stichkampf mit verkürzter Bedenkzeit notwendig wird, der heute stattfindet. "Ich war ein wenig überrascht, dass es so viele Remis zwischen den beiden gab. Carlsen hat geschwächelt, ist für mich aber im bevorstehenden Tiebreak leicht favorisiert", sagte Fuchs gestern. Er habe sich die Duelle um die WM-Krone zum Teil im Internet angeschaut. "Da gibt es gute Live-Kommentare von Großmeistern. Man lernt viel Neues - auch für das eigene Spiel", so der 27-Jährige.

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