Kult-Trainer des Boxsports trifft in Chemnitz guten Bekannten

Ulli Wegner ist zu einer Plauderstunde in der Villa Esche zu Gast gewesen. Dabei wurde auch seine besondere Beziehung zur hiesigen Faustkampfszene deutlich.

Von vielen wird er "Trainer Gnadenlos" genannt. Wenn er während eines Kampfes in der Trainer-Ecke tobt, bietet er den Zuschauern damit auch am Rande des Boxrings ein Spektakel. Am Mittwochabend zeigte er sich in der Villa Esche allerdings von einer ganz ruhigen Seite: Ulli Wegner, einer der weltweit erfolgreichsten Box-Trainer. Unter dem Motto "Mein Leben in 13 Runden", Name seiner gleichnamigen Autobiografie, zählte der 75-Jährige viele Stationen auf - seine sport- lichen Erfolge, aber auch die Niederlagen. Wegner hat seit gut einem halben Jahrhundert andere für das Duell Mann gegen Mann gewappnet und bei Bedarf ebenso getröstet.

Er war ein Flüchtlingsjunge aus Stettin, der in Penkun in Mecklenburg-Vorpommern aufwuchs und heute in Berlin wohnt. Auch Wegner hat in seinem Leben kämpfen müssen, bevor er das wurde, was er heute ist, erklärte der Kult-Trainer. Den größten Kampf habe er nach der Wende bestanden. "Von 168 hervorragend ausgebildeten DDR-Trainern bekamen lediglich sieben einen neuen Job", erinnert er sich noch genau. Zu ihnen gehörte Wegner. So konnte er seine Erfahrungen als Bundeshonorartrainer an junge Boxer aus Ost und West weitergeben.

Von Wilfried Sauerland wurde er 1996 überzeugt, ins Profilager zu wechseln. Als Trainer machte er Sven Ottke, Markus Beyer, Arthur Abraham, Cecilia Braekhus, Yoan Pablo Hernandez und Marco Huck zu Weltmeistern. Zur Gesprächs- runde in Chemnitz wurde auch deutlich, dass Sven Ottke und Markus Beyer seine Lieblingsschützlinge waren. "Ich habe von Ottke viel Taktik dazugelernt, bin durch ihn reifer geworden. Er hat mein Wissen ausgenutzt, ich sein Talent", berichtete Wegner.

Er plauderte zudem auch locker vom Hocker aus seinem Privatleben. Amüsant schilderte Wegner, wie er seine jetzige Frau Margret 1985 auf Rügen kennengelernt hatte. Und noch nach über 30 Jahren könne er feststellen: "Es war der richtige Schritt, sie ist mein großes Glück." Als ein großes Glück betrachtete der 75-Jährige auch seine langen Jahre als Trainer in Gera zu DDR-Zeiten. "Ich hatte wunderbare Jungs, die fest zusammenhielten. Viele sind damals aus Karl-Marx-Stadt gekommen, wie Hans-Jürgen Voigtländer und Stefan Förster", so Wegner. Noch heute werde in Chemnitz eine hervorragende Arbeit im Amateurboxen geleistet, fügte er ausdrücklich hinzu.

Über diese Aussage war Olaf Leib, Präsident des Boxverbandes Sachsen und Manager der Chemnitzer Wölfe, ein wenig stolz. Leib zählte ebenfalls zu den Gästen in der Villa Esche. Und er freute sich an diesem Abend auf ein Wiedersehen mit Wegner als gutem alten Bekannten. "Ich hatte ihn 1994 in Köln kennen gelernt, da ich dort über drei Jahre meine Diplomtrainer-Ausbildung gemacht habe. Wenige Meter von der Trainerakademie entfernt war der Sauerland-Boxstall, wo Ulli Wegner arbeitete. Da bin ich viel hinübergegangen", sagte Leib.

Er habe Wegner aber schon vorher von vielen Deutschen Meisterschaften gekannt. Leib schätzt an dem 75-Jährigen vor allem dessen Eigenart. "Er geht nicht so wissenschaftlich an die Dinge heran, ist mehr der harte Arbeiter." Man könne sagen: "Ulli Wegner ist immer am Mann, hat weniger als Funktionär gearbeitet. Und er hat alles richtig gemacht, denn der Erfolg gibt ihm recht", meinte Leib.


Internationales Box-Turnier in Chemnitz kann stattfinden

Nachdem die Veranstaltung aus finanziellen Gründen lange in der Schwebe hing, steht nun fest: Das 26. Internationale Chemnitzer Box- turnier wird stattfinden. Das erklärte Organisations-Chef Olaf Leib während des Besuchs von Trainerlegende Ulli Wegner in der Villa Esche. Termin: 21. bis 23. September. "Wir haben uns im Verein noch mal zusammengesetzt und uns geeinigt, den Wettkampf durchzuführen", so Leib.

Von der Stadt erhalte man aus dem Budget für Großveranstaltungen 5000 Euro. "Doch aus dem Topf ,Städtepartnerschaft' bekommen wir nichts mehr. Im Vorjahr hatten wir daraus noch 2000 Euro erhalten", sagt Leib. Wie ein Stadtsprecher auf Anfrage erklärt, soll mit der Förderrichtlinie für Städtepartnerschaften eine Anschubfinanzierung für viele neue Projekte und zur Knüpfung von Kontakten mit den Partnerstädten ermöglicht werden. "Das Inter- nationale Boxturnier ist aber bereits eine etablierte Veranstaltung im städtischen Sportkalender. Zudem sollen noch andere Maßnahmen für die Belebung der Städtepartnerschaften finanziert werden - auch abseits des Sports", so der Stadtsprecher.

Kult-Trainer Ulli Wegner hat dafür kein Verständnis. Chemnitz sei immer eine Hochburg des Boxens gewesen. "Diese Tradition muss man beibehalten. Und die Stadt muss mitziehen, denn auch sie profitiert davon." (bew)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...