Niners-Neuzugang: Vom Nationalteam nach Chemnitz

Andy Mazurczak ist mit Verspätung beim Chemnitzer Basketball-Zweitligisten eingetroffen, weil er mit der Auswahl Polens trainierte. Und dieser Aufenthalt war mitentscheidend für seinen Wechsel nach Sachsen.

Heute Mittag machen sich die Chemnitzer Zweitliga-Basketballer auf den Weg nach Zgorzelec. Für den US-Amerikaner Andy Mazurczak wird es eine besondere Fahrt. Nicht, weil sie sich im Gegenteil zur Auswärtsreise diese Woche nach Decin hoffentlich ohne Zwischenfälle abspielt - am Dienstag war der Bus auf der Autobahn liegengeblieben. Sondern, weil Mazurczak wohl der einzige Akteur sein wird, der in der polnischen Grenzstadt mit den dortigen Fans und Betreuern in deren Sprache kommunizieren kann. Der Neuzugang der Niners spricht fließend Polnisch - genau wie Englisch. Das östliche Nachbarland ist seine zweite Heimat.

Mazurczak wurde 1993 nahe der US-amerikanischen Metropole Chicago geboren, ein Jahr, nachdem seine Eltern ihre polnische Heimat verlassen hatten. "Sie hatten auf bessere Jobs und ein besseres Leben in den USA gehofft." Die polnische Sprache und Kultur hätten sie jedoch auch in der Ferne hochgehalten. "Ich bin in einem europäischen Haushalt groß geworden", erinnert sich der 23-Jährige. Dazu gehörte natürlich auch Fußball, der Volkssport Nummer eins in Polen. Den betrieb und verfolgte sein Vater, Andy Mazurczak selbst behandelte den Ball deswegen auch erst einmal mit den Füßen und nicht mit den Händen. Ab etwa acht Jahren habe er dann aber regelmäßig Basketball gespielt, so auch später an der Wisconsin-Parkside-Universität. Dort studierte er Sportmanagement und ging mit dem Hochschulteam in der landesweit zweithöchsten Liga auf Korbjagd.

Im Sommer 2016 stieg der junge Sportler, der neben dem US-amerikanischen auch den polnischen Pass besitzt, ins Profi-Geschäft ein. Beim griechischen Zweitligisten Kavala in der Nähe von Thessaloniki war Mazurczak in der vergangenen Saison Stammspieler und erzielte durchschnittlich 12,9 Punkte pro Spiel. Auch wegen dieser Leistung wurde er zum zweiten Mal für die Nationalmannschaft Polens nominiert. Mit der Auswahl absolvierte er kürzlich ein Trainingslager in Vorbereitung auf die Europameisterschaft. "Ich habe dabei sehr viel gelernt", sagt der Spielmacher. Für die Titelkämpfe, die diese Woche begonnen haben, wurde der Neu-Chemnitzer jedoch nicht nominiert. "Ich bin nicht enttäuscht. Ich bin jung, meine Zeit kommt noch", sagt Mazurczak.

Auch ohne EM-Nominierung könnte sich der Aufenthalt beim Nationalteam noch als Gewinn erweisen. Die Mannschaft wird von Mike Taylor trainiert. Taylor coachte in der Saison 2001/02 die Niners, unter ihm stiegen die Sachsen in die zweite Liga auf. Der National-Coach habe ihn zum deutschen Basketball, der Liga und dem Chemnitzer Verein beraten. Mazurczak war überzeugt und unterschrieb bei den Niners einen Ein-Jahres-Vertrag. Seit knapp einer Woche trainiert er nun mit der Mannschaft. "Wir haben viele junge und talentierte Spieler. Alle trainieren hart und die Atmosphäre ist gut", sagt der polnisch-amerikanische Pointguard. Ein Mannschaftskollege ist ihm auch schon länger bekannt: Auf Joe Lawson, dem Top-Spieler der Niners in der vergangenen Spielzeit, traf er während seiner Universitätszeit des Öfteren.

Die Niners sind voll des Lobes über ihren Neuzugang. Trainer Rodrigo Pastore bescheinigt ihm "eine starke Ballbehandlung, ein sehr gutes Auge und hohen Basketball-Verstand". Mazurczak selbst sieht seine Stärke darin, seine Teamkollegen ins Spiel zu bringen. "Ich bin alles andere als eigensinnig", sagt er. Von Chemnitz hat er bislang nicht viel gesehen. Dass die Stadt viel kleiner ist, als die Metropole, in der er aufgewachsen ist, störe ihn nicht - und sei auch keine Überraschung, sagt Mazurczak: "Immer, wenn ich Chicago verlasse, weiß ich, dass ich in eine kleinere Stadt gehe - außer ich würde nach China wechseln."


US-Amerikaner hilft aus

Mit Andrew Jones trainiert aktuell ein weiterer US-Amerikaner mit den Niners. Der 34-Jährige hatte in den vergangenen Jahren überwiegend in der dritten Liga gespielt, unter anderem für die Dresden Titans. Weil Andy Mazurczak bei der Nationalmannschaft Polens war und auch Daniel Mixich verspätet ins Niners-Training eingestiegen sei, habe Jones bei Übungseinheiten und Testspielen der Chemnitzer ausgeholfen, erklärt Niners-Sprecher Matthias Pattloch. Eine Verpflichtung des 34-Jährigen sei aber nicht geplant. (lumm)

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